Zukunftslabor - Interkultureller Dialog in Brandenburg

Oktober 2008
Filme + Podiumsdiskussion
Mit dem Festival "Zukunftslabor" beteiligte sich das Land Brandenburg am Europäischen Jahr des Interkulturellen Dialogs 2008. An fünf Thementagen und einem abschließenden "Markttag" wurde rund um den Neuen Markt thematisiert und diskutiert, wie ein durch Vielfalt geprägtes Brandenburg gestaltet werden kann.
Das Filmmuseum hatte themenbezogene Filme ausgewählt und ergänzte das Programm durch Gespräche mit Filmkünstlern und Wissenschaftlern.
Außerdem fand zeitgleich das diesjährige Kinderfilmfest unter dem Motto "Ich habe einen Traum" statt.
Weitere Informationen unter www.zukunftslabor-brandenburg.de

PROGRAMM
Tagesthema "Globalisierung und Interkultureller Dialog"
Persepolis
R: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud, F/USA 2007, Trickfilm, OmU, 95’, Sehenswert ab 14

Tagesthema "Identitäten und Vielfalt"
Yasmin
R: Kenny Glenaan, D: Archie Panjabi, Renu Setna, Steve Jackson, GB/D 2005, OmU, 87’, Sehenswert ab 14

Tagesthema "Klima und Nachhaltigkeit"
Eine unbequeme Wahrheit (An Unconvenient Truth)
R: Davis Guggenheim, USA 2006, Dok., OmU, 100’, Sehenswert ab 14

Tagesthema "Interkulturelles Lernen und Arbeiten"
The Namesake - Zwei Welten, eine Reise
R: Mira Nair, D: Kal Penn, Irfan Khan, Tabu, Kanada 2006, OmU, 122’, Sehenswert ab 14

Tagesthema "Baustelle Interkulturalität - Anstöße und Chancen"
Wut
R: Züli Aladag, D: Oktay Özdemir, August Zirner, Corinna Harfouch, D 2007, 90', Freigegeben ab 16
Anschließend:
Podiumsdiskussion mit Regisseur Züli Aladag, Schauspieler Oktay Özdemir, PD Dr. Haci-Halil Uslucan (Vertretungsprofessor Pädagogische Psychologie, Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) und Dr. Czarina Wilpert (Sozialwissenschaftlerin, u.a. Technische Universität Berlin)
Moderation: Erkan Arikan (ARD-Aktuell)
MEHR ZU DEN DISPUTANTEN

Markttag zum interkulturellen Dialog
Auftaktabend: Kein Hochzeitsfotograf - Werkschau Ulrich Seidl
Import Export
R: Ulrich Seidl, D: Ekateryna Rak, Paul Hofmann, Michael Thomas
Österreich 2007, 141’, Freigegeben ab 16
Anschließend:
Gespräch mit Regisseur Ulrich Seidl
Moderation: Dietmar Kammerer
(Journalist und Filmwissenschaftler, u.a. taz) und Martin Sulzer (Diplomand an der HFF)


Die Disputanten vom 10.10. zum Film "Wut" unter dem Thema "Falle: Ethnisierung sozialer Probleme"

Züli Aladag
Regisseur Züli Aladag
1968 wurde Züli Aladag in Van, einer Stadt im der Osten der Türkei, geboren. 1973 kam er nach Deutschland, aufgewachsen ist er in Stuttgart. Nur kurz studierte er in München Theaterwissenschaften, ungleich spannender fand er die Praxis. Ein sechsmonatiges Praktikum bei Roland Emmerichs "Moon 44" war für ihn die Initialzündung, anschließend sammelte er durch seine Mitarbeit bei Kurz-, Werbe-, Spiel- und Dokumentarfilmen vielfältige Erfahrungen mit dem Medium Film und verschiedenen Filmberufen. 1993 bis 1996 arbeitete er als Dokumentarfilm-Produzent für die Erasmus Film in München. Unterdessen aber reifte in ihm der Wunsch, seine praktischen Erfahrungen durch ein Studium zu vertiefen, und so folgte von 1996 bis 1999 ein Regiestudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln. In dieser Zeit drehte er den dokumentarischen Kurzfilm "Zoran", für den er 1997 unter anderem die Silberne Taube auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig erhielt. Weitere preisgekrönte Kurzspielfilme, "Bevor der Tag anbricht", "Hör Dein Leben" und "Ausbruch", entstanden. Nach dem Studium gründete Aladag mit Unterstützung der KHM die Filmemacher Initiative "junges europäisches kino" (jek) und produzierte hierfür eine Edition von fünf Kurzspielfilmen. 2002 feierte Züli Aladag mit dem Boxerdrama "Elefantenherz" mit Daniel Brühl in der Hauptrolle sein mit mehreren Preisen ausgezeichnetes Kinodebüt. Für den WDR drehte er daraufhin die zwei Tatort-Folgen "Mutterliebe" und "Erfroren". Nach dem er für RBB/ARTE den Dokumentarfilm "Die Türken kommen" über den EU-Beitritt der Türkei realisierte, übernahm er die Regie für den WDR Fernsehfilm "Wut", der bisher mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurde, darunter der "Adolf-Grimme-Preis", die "Goldene Kamera" und der "Golden Gate Award". Mit seiner Frau Feo Aladag gründete er 2006 die gemeinsame Produktionsfirma "Independent Artists", die sowohl Feo Aladags Kinodebüt "Die Fremde", als auch seinen nächsten Kinofilm "Die Rückkehr" (AT) produziert.

Oktay Özdemir
Schauspieler Oktay Özdemir, F: Michael Mann
Oktay Özdemir, 1986 in Berlin geboren, spielte mehrere Jahre im Berliner Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi. Vom "chaotisch bunten Wanderzirkus" kam er dann bereits als Jugendlicher zum Film. Seine ersten großen Kinorollen hatte er 2004 in Ivan Filas "König der Diebe" und Maria Solruns "Jargo". Einem breiteren Publikum wurde Özdemir 2006 durch seine Hauptrollen in Detlev Bucks Kinofilm "Knallhart" und in Züli Aladags preisgekröntem TV-Drama "Wut" bekannt. Für die Darstellung von gewaltbereiten, deutsch-türkischen Jugendlichen erhielt er zuerst den Undine-Award als bester jugendlicher Nebendarsteller für "Knallhart", im Jahr 2007 stellvertretend für das Darstellerteam auch den Adolf-Grimme-Preis ("Wut"). In der tabulosen Berlin-Satire "Schwarze Schafe" (2006) war Özdemir als Birol auf der Suche nach dem ultimativen Sex. Als Nikos, ein Junge, der nicht reden will, ist er zur Zeit im Kinofilm "Kronos" zu sehen. In der Inszenierung "Goldener Westen" spielte er 2008 am Nationaltheater Luxemburg und bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen seine erste Hauptrolle am Theater. Das Sam-Shepard-Stück in der Inszenierung von Frank Hoffmann kommt ab Herbst 2008 in den Spielplan des Berliner Renaissance Theaters.

PD Dr. Haci-Halil Uslucan
PD Dr. Haci-Halil Uslucan
1965 im türkischen Kayseri geboren und seit seiner Kindheit in Deutschland, begann Haci-Halil Uslucan 1985 seine Studien an der FU Berlin, wo er 1991 sein Diplom in Psychologie erwarb und im Jahre 1997 seinen Magister in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft machte. Im Jahre 1999 promovierte er im Fach Psychologie. Im selben Jahr wurde er zum Leiter des vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt finanzierten Längsschnittprojektes "Jugendgewalt als Folge sozialer Desintegration, anomischer Verunsicherung und Überforderung" an der Universität Magdeburg. Dort habilitierte er 2006 zum Thema "Jugendliche Gewalt und familiäre Erziehung in intra- und interkulturellen Kontexten". Daneben veröffentlichte Uslucan eine Reihe Fachbeiträge und -bücher zu seinen Forschungsschwerpunkten Gewalt im Jugendalter, Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf Kinder, Moralentwicklung, psychosoziale Belastungen von Migrantenfamilien sowie Wissenschafts- und Psychologiegeschichte. Von Oktober 2006 bis Februar 2008 hatte er die Vertretungsprofessur für Pädagogische Psychologie an der Universität Potsdam inne und lehrte im Sommersemester 2008 Bildungspsychologie
an der Universität Wien. Seit dem Wintersemester 2008 ist er Vertretungsprofessor für Pädagogische Psychologie an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.

Dr. Czarina Wilpert
Dr. Czarina Wilpert
Czarina Wilpert, geb. Huerta, wurde in Los Angeles, Kalifornien (USA) geboren und ist mexikanisch-amerikanischer Herkunft. Sie lebt und arbeitet seit über 30 Jahren in Berlin. Nach ihrem Studienabschluss an der Technischen Universität Berlin als Sozialforscherin am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), dem Institut für Soziologie der TU Berlin und am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) tätig: Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Zukunftsorientierung und Verhaltensalternativen der 2. Generation. Czarina Wilpert koordinierte ein Forschungsvorhaben in 12 europäischen Ländern über die 2. Generation und kulturelle Identität von ImmigrantInnen der European Science Foundation, Straßburg. Czarina Wilpert war Mitglied der TSER-Forschungsvorhaben der Kommission der Europäischen Union: "Migrant insertion in the informal economy, deviant behavior and the impact on receiving societies," sowie ders TSER Forschungsnetzwerks der EU: "Working on the fringes: immigrant business, economic integration and informal practices". Frau Wilpert hat zu all diesen Themen veröffentlicht. Zurzeit ist sie in einem Europäischen 6 Länder Forschungsvorhaben mit dem Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin über die Wirkung der Umsetzung der EU Richtlinien bezüglich der Intersektionalität von Gender und Diskriminierung bei Menschen verschiedener ethnischer Herkunft und Hautfarbe aktiv. Im Bildungsbereich ist Czarina Wilpert Mitgründerin und Sprecherin der "Initiative Selbständiger Immigrantinnen (ISI)" - ein Bildungs- und Beratungszentrum für Immigrantinnen verschiedener ethnischer und nationaler Herkunft. Sie ist auch Mitgründerin und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins "Eine Welt der Vielfalt" Berlin e.V., der Anti-Bias und Diversity-Trainings anbietet. Seit 2006 ist Czarina Wilpert Trägerin des Frauenpreises der Senatsverwaltung Wirtschaft, Arbeit und Frauen des Landes Berlin.

Erkan Arikan
Erkan Arikan
1969 in der Türkei geboren, kam Erkan Arikan als Einjähriger mit seinen Eltern nach Deutschland. Er studierte Rechtswissenschaft an der FU Berlin und war nebenher Moderator beim Radiosender KISS FM. Von März 1999 war er verantwortlicher Redakteur des Satiremagazins "Nachschlag", absolvierte ein Volontariat bei n-tv und war ab Januar 2001 als Redakteur, Reporter und Moderator in der Nachrichtenredaktion von n-tv tätig. Ab September 2003 leitete er die Türkische Redaktion bei WDR Funkhaus Europa, die u.a. das tägliche türkischsprachige Magazin KölnRadyosu verantwortet. Im selben Jahr schloss er am Journalisten Kolleg der FU Berlin das Studium der Kommunikations-, Sozial- und Politikwissenschaften ab.
Arikan ist auf Themen wie Internationaler Terrorismus, Islam und türkische Innen- und Außenpolitik spezialisiert. Er moderiert regelmäßig Veranstaltungen und Diskussionsrunden und ist darüber hinaus Gast in diversen Fernseh- und Radiosendungen sowie bei Podiumsdiskussionen zu Themen wie dem EU-Beitritt der Türkei und Fragen der Integration. Seit Januar 2008 ist Arikan als Redakteur bei ARD-Aktuell in Hamburg tätig.