Wolfgang "Eddie" Pietsch ist am 7. September verstorben

15.09.2017
Gefragt, klug, zuverlässig, liebenswürdig, das war Wolfgang Pietsch, weit über seinen Beruf, seine Berufung, hinaus: Er war einer der produktivsten Kameramänner bei der DEFA und beim DDR-Fernsehen. Es war fast unmöglich, seiner kompetenten Arbeit nicht zu begegnen - vom "Verkehrskompass" bis hin zu großen Fernseh- und Kinofilmen.

Wolfgang Pietsch wurde am 26. März 1935 in Dresden geboren. Nach seiner Ausbildung begann er ein Kamerastudium an der damaligen "Hochschule für Filmkunst", der heutigen Filmuniversität Babelsberg. Er war einer ihrer ersten Absolventen und erhielt sein Rüstzeug in den DEFA-Studios, wo immer noch einige wenige Spezialisten aus Ufa-Zeiten arbeiteten, von denen er stets mit Hochachtung sprach. Andererseits war er natürlich ebenso ein Vertreter der jungen Generation von Filmemachern, die sich selten auf ihr jeweiliges Gewerk beschränkten. An vielen Drehbüchern der Filme, für die er als Kameramann verantwortlich zeichnete, arbeitete er aktiv mit.

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Helga Göring und Wolfgang Pietsch bei den Dreharbeiten zu "Die große Reise der Agathe Schweigert" (1972).


Eines seiner Herzensprojekte war "Hans und Lea Grundig" (1974/75) unter der Regie von Achim Hübner. Der Film geriet in die Fänge der staatlichen Abnahmekommission und erreichte die Öffentlichkeit nur in einer verstümmelten Version unter dem Titel "Requiem für Hans Grundig" (1976). Theodor Storms schwermütiges Gedicht "Am grauen Strand, am grauen Meer" fand im gleichnamigen Film (Klaus Gendries, 1980) in Wolfgang Pietschs Bildern eine adäquate visuelle Umsetzung. "Die große Reise der Agathe Schweigert" (Joachim Kunert, 1972) nach der Erzählung von Anna Seghers war nicht nur ein wirklich großer Film, sondern auch eine Pflichtveranstaltung für alle Schüler, der niemand in der ehemaligen DDR widerwillig nachgekommen sein dürfte. Er prägte das Bild vom Spanienkrieg eindringlicher als jede Geschichtsstunde. Für den Zweiteiler "Das Buschgespenst" (Vera Loebner, 1986) erhielt Wolfgang Pietsch den Kritikerpreis, eine Würdigung, auf die er auch später noch zurecht stolz war.

In den letzten Jahren lebte Wolfgang Pietsch mit seiner Frau Barbara Häselbarth-Pietsch in Stahnsdorf. Für uns Mitarbeiter des Filmmuseums sind und waren sie nicht nur Zeitzeugen, sondern wirkliche Freunde und eine große Hilfe bei vielen Aspekten unserer Arbeit. Wir sind sehr traurig über Wolfgangs Tod.