Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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W.R. - Mysterien des Organismus
Misterije organizma

Das W.R. im Titel steht für den umstrittenen Psychoanalytiker und Sexualforscher Wilhelm Reich, dem Adoptivvater der sexuellen Revolution, den der Film hymnisch würdigt. Sex und Politik sind auch die Lieblingssujets des eigenwilligen, serbischen Regisseurs Makavejev. Mit "W.R. - Mysterien des Organismus", seinem berühmtesten Film, bringt Makavejev seine Einschätzung eines subversiven Filmstils gleichsam auf den Punkt: "Pflastersteine, Kugeln, Slogans, Musik. Genauso ist es mit Film. Wir können benutzen, was uns in die Hände fällt: Fiktion, Dokumentationen, Kulturfilme, Werbung. Es kommt nicht auf den Stil an. Man muss sich den Überraschungsmoment zunutze machen." Brillant-assoziativ und unterhaltsam montiert, durchleuchtet Makavejev in "W.R." die These, dass eine freie (kommunistische) Gesellschaft und freie Liebe untrennbar zusammengehören. Systemkritik und freizügige Darstellung genitaler Details führten dazu, dass der Film sowohl von Stalinisten als auch von bürgerlichen Konservativen in den USA der McCarthy-Ära angeprangert wurde.

Endless Summer 08/08