Zurück ins Leben (Filmmuseum Potsdam, Nachlass W. Bergmann)
Zurück ins Leben (Filmmuseum Potsdam, Nachlass W. Bergmann)

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Von der Stunde Null zum Kalten Krieg

Eine Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland von 1945 bis heute zu schreiben: Daran arbeiten zur Zeit Film und Medienwissenschaftler/-innen an der Filmuniversität Babelsberg, an der Universität Hamburg und am Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart. In einem mehrjährigen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt tragen sie Informationen zusammen, sichten historische Filmkopien und rekonstruieren die technischen, ideologischen und sozialen Voraussetzungen, unter denen im Osten und Westen Deutschlands dokumentarische Filme entstanden - von gesundheitlichen Aufklärungsfilmen über Industriefilme bis hin zu experimentellen Essayfilmen.
Nun stellen Mitarbeiter/-innen des Projekts Ergebnisse ihrer Forschungen vor, wobei Kurzfilme aus den frühen Nachkriegsjahren und somit die Frage nach einem ästhetischen Neuanfang nach 1945 im Mittelpunkt steht.
Im Zentrum der Veranstaltung stehen Kurzfilme aus den frühen Nachkriegsjahren und somit die Frage nach einem ästhetischen Neuanfang nach 1945.

Ursula von Keitz stellt "Zurück ins Leben" (SBZ 1948) von Werner Bergmann vor, eine bewegende Dokumentation über die Wiedereingliederung von Kriegsinvaliden. Die Aufnahmen entstanden im Babelsberger Oberlinhaus, das sich als karitative Einrichtung mit progressiven Methoden seit Langem auf dem Gebiet der Krüppelpflege - so der zeitgenössische Terminus - hervorgetan hatte; im Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen des Oberlinhauses stark beschädigt. Zurück ins Leben zeichnet sich durch einen besonders sensiblen Blick auf die Versehrten aus, was auch daran liegt, dass der viele Jahre in Potsdam ansässige Regisseur und Kameramann Werner Bergmann (1921-1990) selbst im Krieg einen Arm verloren hatte: Bei ihm wird deshalb die Grenze zwischen den Porträtierten und dem Porträtierenden fließend. Berühmt ist Bergmann vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Konrad Wolf, für den er zwischen "Einmal ist keinmal" (1955) und "Mama, ich lebe" (1977) bei den meisten Spielfilmen hinter der Kamera stand. Die übrigen Filme stammen aus Westdeutschland bzw. der Bundesrepublik:
"Ungebetene Gäste der Hausfrau" (BRD 1950), eine Hamburger Produktion des Kulturfilm-Routiniers Ulrich K.T. Schulz, informiert mit einer humoristischen Note über hygienische Missstände im Haushalt und deren Bekämpfung. "Zehn Bauern unter einem Hut" (Westdeutschland 1948) stellt eine landwirtschaftliche Genossenschaft im Südwesten Deutschlands vor. "Sowjetzone ohne Zensur" (BRD 1956), eine Produktion des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen, präsentiert mitten im Kalten Krieg eine westdeutsche Sicht auf die DDR präsentiert.

DOKUMENTARFILME NACH 1945