Ein Leben lang Koffer  - Erinnerungen von Angelika Schrobsdorff
Ein Leben lang Koffer - Erinnerungen von Angelika Schrobsdorff

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"Töchter, Talmud, Tore!"

Mai 2006

Vom 18. bis 31. Mai 2006 fand das von der Jüdischen Volkshochschule und den Freunden der Deutschen Kinemathek organisierte Jewish Film Festival Berlin im Kino Arsenal am Potsdamer Platz statt. Am 29., 30. und 31. Mai wurden im Filmmuseum Potsdam sechs der ausgewählten Filme des diesjährigen Festivals wiederholt. Filme aus Deutschland, Frankreich, Russland, der Schweiz, den USA, Großbritannien und Israel spiegeln auf unterschiedlichste und vielschichtige Art jüdisches Leben weltweit.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Nicola Galliner, der Leiterin des Jewish Film Festival.
Ganz besonders freuten wir uns darüber, zusätzlich zum Nachspiel die Autorin Angelika Schrobsdorff begrüßen zu können.
Am 24. Dezember 1927 in Freiburg im Breisgau geboren, musste Angelika Schrobsdorff 1939 mit ihrer jüdischen Mutter aus Berlin nach Sofia emigrieren und kehrte 1947 nach Deutschland zurück. 1971 heiratete sie in Jerusalem Claude Lanzmann, wohnte danach in Paris und München und beschloss 1983, nach Israel auszuwandern.
Am 29. Mai hat die Autorin aus ihrem biografischen Erfolgsroman "Du bist nicht so wie andre Mütter" gelesen und sich anschließend den Fragen des Publikums gestellt.

FILME: Ein Leben lang Koffer / The first Time I was twenty / Roots / Matchmaker / West Bank Story / Diameter of the Bomb / Cup Final

Ein Leben lang Koffer
Erinnerungen von Angelika Schrobsdorff
R: Irmgard von zur Mühlen, D 1997
In Gesprächen mit Angelika Schrobsdorff und Ausschnitten aus ihren zumeist autobiografischen Büchern folgt der Film den Spuren ihres Lebens. Der Weg führt von Berlin nach Bulgarien, München, Jerusalem, Paris, und endet in Jerusalem. Offen und ehrlich spricht sie über ihr Leben, ihre Erfahrungen, gewährt einen Einblick in ihre Gefühlswelt, die weitgehend durch ihre Kindheit geprägt wurde. Als Kind einer sogenannten Mischehe musste sie mit ihrer Mutter emigrieren. Ängste und die Suche nach neuer Verwurzelung begleiten sie ein Leben lang, bis sie in Israel eine neue Heimat fand.
The first Time I was twenty
La première fois que j’ai eu 20 ans
R: Lorraine Levy, F 2004
Marilou Berry wurde bei uns bekannt durch den Film Schau mich an von Agnès Jaoui. Die pummelige Sechzehnjährige, die sie spielt, ist gewitzt, komisch und spielt sehr passabel Kontrabass. Nichts wünscht sie sich sehnlicher, als in der nur mit Jungen besetzten Jazzband ihrer Schule zu spielen. Obwohl sie mit ihrem Talent und ihrer Courage in der Gruppe Anerkennung findet, sind die Jungen entschlossen, unter sich zu bleiben.
Roots
R: Pawel Lungin, Russland/F 2005
Reisen in das Land der Vorfahren, zu den "Wurzeln", sind derzeit angesagt, und so überlegt sich Eduard, wie er Juden anzapfen könnte, die das Schtetl ihrer Vorfahren besuchen wollen. Wenn sich herausstellt, dass es schon vor langer Zeit zerstört wurde, fackelt er nicht lange und überredet das Nachbardorf, dessen Rolle zu übernehmen. Außerdem kriegt er ein paar Einwohner dazu, als lange verschollene Verwandte der Touristen aus dem Westen aufzutreten.
Vorab Konzert mit Klezmer chidesch: Berlins bekannteste Klezmergruppe, vier Vollblutmusiker aus der ehemaligen Sowjetunion, die heute in Berlin leben, spielen auf: Die Gruppe mixt klassische Musikelemente mit Jazzrhythmen und lässt Improvisationen aus chassidischen Melodien und jüdischen Volksliedern in ihre Musik einfließen.
Matchmaker
R: Gabrielle Antosiewicz, CH 2005
Liebenswürdig, gutaussehend, aber auch vollkommen jüdisch? Da fangen die Probleme an. Die Suche nach dem richtigen Mann beginnt für die Regisseurin dieses ebenso amüsanten wie lehrreichen Films in ihrer Küche. Können die Kandidaten eine Challe backen, und was wissen sie überhaupt über Bräuche und Traditionen? Da das Resultat nicht gerade umwerfend ist, folgen weitere Erkundungen im Bekannten- und Freundeskreis. Das Ende darf verraten werden: Die Filmemacherin ist immer noch ledig.
Der Vorfilm West Bank Story (R: Ari Sandel, USA 2005) ist eine ebenso charmante wie turbulente Musical-Komödie über David, einen israelischen Soldaten, und Fatima, eine Serviererin in einem palästinensischen Fast-Food-Imbiss. Ein höchst unwahrscheinliches Paar und eine Liebesgeschichte inmitten der Feindseligkeiten zweier sich bekriegender Falafelbuden-Clans im Westjordanland. Dennoch ein Happy End.
Diameter of the Bomb
R: Steven Silver, Andrew Quigley, GB/Kanada 2005
Von Beginn der Intifada von 2000 an verübten palästinensische Terroristen in Israel mehr als 75 Selbstmordattentate. Der Film geht einem dieser Attentate nach, der Bombenexplosion in einem Jerusalemer Bus der Linie 32 im Juni 2002. Dabei verbindet er die Geschichten jeweils einer Gruppe von Juden und Arabern. Jeder von ihnen hat eine besondere Beziehung zu einem derjenigen, die an diesem Tag starben.
Cup Final
R: Eran Riklis, Israel 1991
Sommer 1982: Der Boutiquenbesitzer und Fußballnarr Cohen hat Karten für die Fußballweltmeisterschaft in Spanien, leider aber auch - der Krieg zwischen Israel und dem Libanon ist in vollem Gange - eine Einberufung zur Front. Dass er dann noch von einer PLO-Gruppe unter Führung von Ziad nach Beirut verschleppt wird, macht die Sache nicht besser. Immerhin: beide sind eingefleischte Fans der italienischen Mannschaft.