Tatis Schützenfest

François, der gutmütige Briefträger im idyllischen Sainte-Sévère, hat alle Hände voll zu tun, als die Schausteller zum Jahrmarkt ins Dorf kommen. Er will überall behilflich sein, richtet durch seine ungelenke Art aber auch einiges Chaos an. Seine Welt wird auf den Kopf gestellt, als auf dem Fest Filmaufnahmen über die hochmoderne amerikanische Postzustellung gezeigt werden. Nun packt den Dorfbriefträger der Ehrgeiz: Was die Amerikaner können, kann François auch ...
Im Unterschied zu seinen späteren Arbeiten erzählt Tati in seinem Langfilmdebüt weniger fragmentarisch und elliptisch. Sein pantomimisches Talent spielt er voll aus und baut die Gags gekonnt in die Handlung ein.
Die liebevolle Parodie auf das provinzielle Leben wurde 1947 mit mehreren unterschiedlichen Kameras in Schwarzweiß und in Farbe (Thomson-Verfahren/experimentelles Keller-Dorian-System) gedreht. Erst 1949 kam der Film in Schwarzweiß in die Kinos, da man von der farbigen Version aus technischen Gründen kein Positiv erstellen konnte. Gezeigt wird eine Kopie einer teilkolorierten Fassung, die Tati 1964 herausbrachte. (Nele Maipuu)

Termine

Vive le cinéma français: Filme von Jacques Tati

Als Abschluss der Filmreihe zur reichen Kinematographie Frankreichs mit Werken vom Poetischen Realismus bis zur Nouvelle Vague präsentiert das Filmmuseum zwei Filme des französischen Komikers und Regieexzentrikers Jacques Tati. Sein Langfilmdebüt und sein letzter Spielfilm werden als 35mm-Kopie zu sehen sein. Tati, der oft jahrelang an seinen Filmen arbeitete und sie gerne im Nachhinein bearbeitete, fungierte dabei nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor, Hauptdarsteller und Tonkünstler. Als »Autor« par excellence wurde er von den Protagonisten der Nouvelle Vague sehr geschätzt.Tatis unvergleichlicher Stil basiert nicht nur auf genau gezeichneten bzw. überzeichneten Charakteren und einem detailversessenen Set-Design, sondern lotet auch die Möglichkeiten der Kadrierung, der Rhythmisierung durch Montage und von Geräuscheffekten aus. In seinen ganz eigenen Filmwelten verhandelt er die Konflikte der Technisierung des modernen Lebens. Seine Filme haben also auch heute nichts an Aktualität verloren und bleiben ein Spaß für kleine wie große Kinozuschauer.