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Stürmische Jugend

Das erfolgreiche Autorenteam Jean Aurenche/Pierre Bost, mit dem der Regisseur Claude Autant-Lara oft zusammenarbeitete, lieferte das Drehbuch für die überzeugende Verfilmung des Romans von Raymond Radiguet. Vorlage und Film galten als skandalös.
Der Gymnasiast François und die jungverheiratete Marthe, deren Mann im Ersten Weltkrieg an der Front ist, lieben sich über alle gesellschaftlichen Schranken hinweg. Marthe wird schwanger, man schickt sie aufs Land, weg von François, der sie nicht besuchen darf.
Zuweilen als seine beste Arbeit bezeichnet, wurde Stürmische Jugend Autant-Laras erster Filmerfolg nach dem Zweiten Weltkrieg und bestärkte den Ruhm des Hauptdarstellers Gérard Philipe.

Zur Filmreihe:
Die Zentralisierung der französischen Filmindustrie während der deutschen Besatzung weicht nach Kriegsende einer Liberalisierung des Marktes. Neben den drei großen Produktionsfirmen Pathé, Gaumont und UGC gibt es bald auch zahlreiche kleinere. Import-Auflagen werden aufgehoben, und wie in anderen europäischen Ländern auch, dominieren Hollywood-Filme die Kinos. Um die einheimische Filmproduktion zu fördern und zu regulieren, wird Ende 1946 das Centre National de la Cinématographie gegründet.
Während der italienische Neorealismus eine wichtige Stilrichtung im europäischen Nachkriegskino wird, bildet sich in Frankreich die »Tradition de la Qualité« heraus, die dem Kino der 1930er und 1940er verbunden bleibt. Jüngere Regisseure treten auf den Plan, aber auch erfahrene Filmemacher und Remigranten wie Max Ophüls schaffen üppig ausgestattete Studioproduktionen - häufig Literaturverfilmungen und romantische Dramen - mit großen Stars. Die Drehbuchautoren gewinnen einen den Regisseuren gleichwertigen Status.


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