Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Stimmen aus dem Wald

Zwischen 1941 und 1944 wurden in Ponar, einem Dorf in der Nähe von Vilnius, mehr als 100.000 Menschen, zum größten Teil Juden, ermordet. Ein Einwohner dokumentierte die Massenerschießungen ebenso wie den Alltag im Ort in Tagebucheinträgen. Daraus wird deutlich, dass die Tötungen nicht heimlich, sondern öffentlich durchgeführt wurden. Die meisten Bewohner/-innen von Ponar sahen tatenlos zu. Teilweise bereicherten sie sich an den Hinterlassenschaften der Ermordeten und wiesen Flüchtige ab. Mit den Tagebucheintragungen konfrontiert, bestreiten die heutigen Dorfbewohner/-innen deren Wahrheitsgehalt. Der Film stellt die Frage nach der Mitschuld der Zeugen und bringt die Zuschauer/-innen unweigerlich dazu, die eigene Verantwortung für Mitmenschen zu reflektieren.

Zur Filmreihe:
Die Befreiung von Auschwitz jährte sich 2015 zum 70. Mal. Das Filmmuseum stellt vom 3. bis 8. November vier Dokumentarfilme zum Holocaust vor - ausgewählt aus einem Pool von insgesamt 46 Dokumentar- und Experimentalfilmen, die das Arsenal - Institut für Film und Videokunst im Rahmen des Projektes »Asynchron« bundesweit Kinos sowie Kultur- und Bildungsreinrichtungen zur Verfügung stellt. Seit Jahrzehnten engagiert sich das Arsenal für Filme, die Zeugnis über den Holocaust ablegen und eine Auseinandersetzung mit dem Gedenken daran suchen. Für »Asynchron« konnten einige der Filme digitalisiert werden und sind dadurch in den zunehmend ausschließlich digital ausgestatteten Kinos weiterhin vorführbar. Das Filmmuseum zeigt zwei der neu bearbeiteten Fassungen - »Der 81. Schlag« und »Stimmen aus dem Wald«. »Ein Brief ohne Worte« wiederum wird von 16mm vorgeführt. Somit steht »Asynchron« im doppelten Sinne - das Vorführmaterial betreffend und inhaltlich - für eine Neubegegnung mit Filmen über den Holocaust aus der historischen Distanz und für ihre Verortung in der Gegenwart.


Asynchron - Dokumentar- und Experimentalfilme zum Holocaust