Schwurgericht

1950, nur fünf Jahre nach Kriegsende, wird die junge deutsche Ärztin Elsa Lundenstein in Versailles der Euthanasie angeklagt. Bei den heftigen Diskussionen der Geschworenen schwingen auch Vorurteile gegen die Ausländerin mit. Der präzise montierte Film rollt die Verhandlungen in all ihrer Widersprüchlichkeit auf und wirft einen kritischen Blick auf die Urteilsfindung.
Der Regisseur und ehemalige Anwalt André Cayatte spezialisierte sich in seinen Filmen auf juristische und soziale Themen. Für die Drehbücher arbeitete er eng mit dem Autor Charles Spaak zusammen, der schon seit den 1930er Jahren an zahlreichen renommierten Produktionen beteiligt war. Schwurgericht ist der erste Teil einer Trilogie. Georges Sadoul schrieb darüber in seiner »Geschichte der Filmkunst«: »André Cayatte schuf nach einer Serie zweitrangiger Filme eine bedeutende Trilogie über juristische Fragen: >Schwurgericht< zeigt Psychologie und Mechanismus eines Geschworenengerichtes.«

Zur Filmreihe:
Die Zentralisierung der französischen Filmindustrie während der deutschen Besatzung weicht nach Kriegsende einer Liberalisierung des Marktes. Neben den drei großen Produktionsfirmen Pathé, Gaumont und UGC gibt es bald auch zahlreiche kleinere. Import-Auflagen werden aufgehoben, und wie in anderen europäischen Ländern auch, dominieren Hollywood-Filme die Kinos. Um die einheimische Filmproduktion zu fördern und zu regulieren, wird Ende 1946 das Centre National de la Cinématographie gegründet.
Während der italienische Neorealismus eine wichtige Stilrichtung im europäischen Nachkriegskino wird, bildet sich in Frankreich die »Tradition de la Qualité« heraus, die dem Kino der 1930er und 1940er verbunden bleibt. Jüngere Regisseure treten auf den Plan, aber auch erfahrene Filmemacher und Remigranten wie Max Ophüls schaffen üppig ausgestattete Studioproduktionen - häufig Literaturverfilmungen und romantische Dramen - mit großen Stars. Die Drehbuchautoren gewinnen einen den Regisseuren gleichwertigen Status.

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