Schaut auf diese Stadt

Ein Jahr nach dem denkwürdigen 13. August 1961 legte die DEFA mit Schaut auf diese Stadt eine Rechtfertigung des Mauerbaus vor. Filmsequenzen über Berlin nach 1945 wurden so geschnitten und kommentiert, dass der westliche Teil als Hort des aggressiven Militarismus und moralischen Verfalls, der östliche indes als Ort friedlichen Aufbaus erscheint. Die Sprache ist eindeutig, einseitig und diskreditierend. Bildauswahl und Montage verraten allerdings Geschick und das Beherrschen filmischer Mittel, etwa die von Ironie und Persiflage. Der Propagandafilm fügt sich ein in das damalige »Bilder-Pingpong« (Matthias Steinle): Der SFB konterte der Ausstrahlung von Karl Gass' Film, der mit einem neuen Kommentar versehen wurde. So wurden jeweils erbeutete Aufnahmen des Gegners umgedeutet, dienten als Beleg für eigene Positionen. Zwischentöne gab es kaum.
Für Karl Gass war der Film sicher keine politische Verrenkung. Der produktive DEFA-Filmdokumentarist wäre im Februar 100 Jahre alt geworden. Kameramann Hans-Eberhard Leupold beging im Januar seinen 80. Geburtstag.
Einführung mit Filmausschnitten: Thomas Beutelschmidt (Zentrum für Zeithistorische Forschung)
Begrüßung: Ralf Forster (Filmmuseum Potsdam)

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Berlin im Bilder-Pingpong des Kalten Krieges