Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
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SIBYLLE Gerstner-Boden-Muthesius

3. April - 7. Juni 1998
Der Kostümbildnerin Sibylle Gerstner widmete sich diese Ausstellung, mit der eine vielseitige Künstlerin gewürdigt wurde. Gerstner hatte als Modejournalistin in Paris angefangen, später eigene Kollektionen entworfen, als Kostümbildnerin - auch für das Babelsberger DEFA-Studio und fürs DDR-Fernsehen - und als Redakteurin einer einflussreichen DDR-Modezeitschrift gearbeitet, war Autorin und Malerin. Ihre Ölbilder und Aquarelle bildeten das Zentrum der Ausstellung. Die Kostüme und Kostümentwürfe zeigten Sibylle Gerstners außerordentliches Gespür für die Mode vergangener Epochen. Die Ausstellungsstücke, zu denen auch Dokumente aus Privatbesitz gehörten, zeigten das facettenreiche Bild einer Künstlerpersönlichkeit.
Die Ausstellung war vom Bertelsmann Club, vom Deutschen Rundfunkarchiv und vom Aufbau-Verlages unterstützt worden.
Kuratorin: Elke Schieber (FMP)
Gestaltung und Plakat: Gerhard Willmanowski (Berlin)
Ausstellungsfotos folgen.
Mehr zur Ausstellung

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Sibylle Gerstner, als Tochter des Pelzfabrikanten Boden in Breslau geboren, emigrierte Ende der dreißiger Jahre über Österreich nach Frankreich. Als so genannter "Mischling 2. Grades" der Verfolgung durch das Naziregime ausgesetzt, hatte sie in Deutschland mehrmals die Kunsthochschulen gewechselt. Nach ihren Studien an der Kunsthochschule Wien setzte sie diese an der Ecole des Beaux-Arts in Paris fort, wo sie Auszeichnungen für ihre Malerei erhielt. Während dieser Zeit arbeitete sie als Modejournalistin. So gelang es ihr, ohne Aufenthaltsgenehmigung die Zeit in Paris zu überstehen. Ihre künstlerischen Intentionen wurden währen dieser Jahre entscheidend geprägt.
Zurück in Deutschland entwarf sie die ersten Kollektionen für die Konfektionsproduktion der staatlichen Handelsorganisation der DDR.
Anfang der 1950er Jahre bewarb sich Sibylle Gerstner bei Wolfgang Staudte, der bei der DEFA arbeitete, als Kostümbildnerin. Walter Schulze-Mittendorf, berühmter Kostümbildner u.a. bei Fritz Lang, betrachtete sie bei der Arbeit zu Wolfgang Staudtes "Die Geschichte vom kleinen Muck" als Konkurrentin und vereitelte schließlich ihre weitere Tätigkeit bei der DEFA.
1956 gründete Sibylle Gerstner die Kunst- und Modezeitschrift "Sibylle", die bald nur noch unter dem Ladentisch zu erhalten war. Später wurde sie hinausgedrängt mit der Begründung, die Zeitung wirke unter ihrer Leitung "zu französisch".
Ab 1959 arbeitete Sibylle Gerstner als freischaffende Kostümbildnerin und zwischenzeitlich als Dolmetscherin. Unter anderem gewann Hans-Joachim Kasprzik sie für große Ausstattungsproduktionen des Fernsehens. Man war begeistert von ihrer Arbeit. Manfred Krug erwarb einige der für ihn entworfenen Anzüge.
Anfang der 1980er Jahre erregte Sibylle Gerstner Aufsehen mit ihrem Buch "Flucht in die Wolken", das sie unter dem Pseudonym Sibylle Muthesius schrieb. Anhand der Malereien und Tagebücher ihrer Tochter schilderte sie auf erschütternde Weise den Weg eines psychisch kranken Mädchens in den Freitod. In den sozialistischen Staaten bedeutete das Erscheinen dieses Buches einen Tabubruch, da die Psychoanalyse als Wissenschaft nicht anerkannt war. Es wurde in verschiedene Sprachen übersetzt und erschien in zahlreichen Auflagen.