Roman Polanski - Regisseur und Schauspieler

Roman Polanski
Plakatmotiv; Gestaltung: h neun, Berlin
19. November 2010 - 3. Juli 2011

Er gehört zu den einflussreichsten Filmregisseuren der Welt: Roman Polanski. Im Studio Babelsberg hat er zwei Filme gedreht: 2002 hatte "Der Pianist" Premiere, in dem der Regisseur erstmals die Erfahrungen seiner Kindheit verarbeitete, acht Jahre später, im Februar 2010, lief "Der Ghostwriter" in den Kinos an. Die Ausstellung rückte den Künstler Polanski und seine Filme in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, ohne die persönlichen Schicksalsschläge und die folgenschweren Verfehlung, die Polanskis Privatleben jahrzehntelang überschatteten, außer Acht zu lassen. Die Schau entstand auf der Grundlage einer Ausstellung, die das Filmmuseum Düsseldorf gemeinsam mit dem Filmmuseum Lodz und dem Polnischen Institut Düsseldorf konzipierte; das Potsdamer Filmmuseum präsentierte sie in völlig neuer Gestalt.

Kurator: Matthias Knop (FM Düsseldorf)
Gestaltung und Plakat: h neun (Berlin)

Ausstellung | Biografie | Filmografie | Filmprogramm

Ausstellung
Der 1933 in Paris geborene Roman Polanski siedelte 1937 mit seinen Eltern nach Polen über. Hier erlebte das Kind die Verfolgung der Juden, den deutschen Überfall und die Zwangsumsiedlung der Familie in das Krakauer Ghetto. Seine schwangere Mutter wurde in Auschwitz ermordet, er selbst konnte fliehen und überlebte inkognito. Nach dem Krieg avancierte Roman Polanski zum Kinderstar im Radio und auf der Bühne. Als Jugendlicher interessierte er sich lebhaft für alle Künste und inszenierte als Student der Filmhochschule Lodz bemerkenswerte Kurzfilme, die in der Ausstellung komplett zu sehen sind. Dem Erfolg seines ersten Kinofilms "Das Messer im Wasser" (1962) verdankt er seine internationale Karriere. In seinen bisher 19 Kinofilmen zeigt sich Polanski, der in Großbritannien, den USA und Frankreich arbeitete, so vielseitig wie kaum ein anderer Filmemacher. Der frühe Film "Ekel" (1964) ist ein existenzialistisch geprägter Psychothriller. "Wenn Katelbach kommt" (1965) oder "Tanz der Vampire" (1967) sind dagegen rasante Genreparodien, "Rosemaries Baby" (1968), "Chinatown" (1974) und nicht zuletzt "Der Ghostwriter" (2010) Meisterwerke des Suspense. Immer wieder war Roman Polanski auch als Schauspieler und Drehbuchautor tätig - in den eigenen wie in den Filmen anderer Regisseure.
Die Ausstellungsmacher haben Fotos aus Roman Polanskis Kinder- und Jugendzeit sowie Szenen- und Arbeitsfotos zu seinen Spielfilmen zusammengetragen. Aus den Sammlungen des Potsdamer Filmmuseums kamen Filmplakate, Requisiten aus "Der Ghostwriter" sowie ein Modell zu "Der Pianist" hinzu. Zu diesem Film lieh die Theaterkunst - Kostümausstattung zwei Kostüme aus ihrer Sammlung, der Szenenbildner Sebastian Krawinkel stellte Skizzen und Fotos vom Setbau zur Verfügung. Aus dem Museum für Film und Fernsehen stammte ein Modell zu "Der Ghostwriter" und die Pariser Cinémathèque Française krönte die Schau mit Drehbüchern und Storyboards zu Polanskis Filmen sowie mit umfangreichen Produktionsunterlagen von Sylvette Baudrot, einer engen Mitarbeiterin der Regisseurs.

Impressum
Eine Ausstellungsübernahme aus dem Filmmuseum Düsseldorf
Kurator: Matthias Knop
In Zusammenarbeit mit Polnisches Institut Berlin
Gestaltung für das Filmmuseum Potsdam: h neun Berlin
Druck und Grafische Umsetzung: O! agentur für werbung, Potsdam
Plakat: h neun, Berlin
Bauten: Domino Design, Potsdam
Medientechnik: Köring Herrmann GbR, Berlin
Dank an die Leihgeber:
Filmmuseum Düsseldorf
Cinémathèque Française, Paris
Theaterkunst - Kostümausstattung
Museum für Film und Fernsehen - Sammlung Bernhard Henrich
Naturkundemuseum Potsdam
Sebastian Krawinkel, Berlin
British Film Institute, London
Präsentatoren: Radio Eins und Potsdamer Neueste Nachrichten

Biografie
Roman Polanski wird am 18. August 1933 in Paris als Kind jüdischer Einwanderer geboren, sein Vater stammt aus Krakau, die Mutter ist russischer Herkunft.

Aus Geldnot und wegen des wachsenden Antisemitismus zieht die Familie 1936 nach Krakau. Ab 1941 lebt Roman im Krakauer Ghetto, seine Mutter wird in Auschwitz ermordet. Roman kann fliehen und überlebt in einem Versteck auf dem Lande.

Die Erfahrung von Angst, Verlust, Verfolgung und Gewalt prägen den Jungen, der nach Kriegsende zeitweise auf der Straße lebt. Durch Zufall wird er Schauspieler in einem Kindertheater, beschäftigt sich intensiv mit Shakespeare und Beckett und besucht später die Kunstakademie von Krakau.

Polanski studiert ab 1954 Regie an der renommierten Filmhochschule Lodz. Der Durchbruch als Filmschauspieler gelingt ihm 1955 in Andrzej Wajdas Film "Eine Generation". Bis 1959 inszeniert Polanski an der Hochschule zahlreiche Kurzfilme.

Von 1959 bis 1962 ist er mit der Schauspielerin Barbara Kwiatkowska verheiratet und lebt mit ihr zeitweise in Paris. Polanski findet dort keine Arbeit und dreht 1961 in Polen seinen ersten Kinofilm, "Das Messer im Wasser", der im Westen zahlreiche Preise gewinnt.
Das Messer im Wasser; F: FilmPolski
Das Messer im Wasser 3; F: FilmPolski


Polanski übersiedelt 1964 nach London, es entstehen die Filme "Ekel" (1965), "Wenn Katelbach kommt" (1966) und "Tanz der Vampire" (1967). 1968 heiratet der Regisseur die Schauspielerin Sharon Tate. Im selben Jahr wird "Rosemaries Baby", Polanskis erste Hollywood-Produktion, ein Welterfolg. Weil der Film Bezüge zum Satanismus herstellt, wird Polanski in den USA von konservativen Kreisen heftig angegriffen. Im Sommer 1969 werden Sharon Tate und vier ihrer Gäste in ihrem Haus in Los Angeles ermordet. Die Täter sind Mitglieder der Kommune um Charles Manson.
Rosemaries Baby; F: Paramount
Chinatown; F: Paramount
Chinatown1; F: Paramount

Polanski betäubt sich mit einem turbulenten Privatleben. Er kehrt 1971 mit der Verfilmung von Shakespeares MACBETH als Regisseur zurück. Einen seiner größten internationalen Erfolge feiert er 1974 mit dem Psychothriller "Chinatown".

1976 nimmt Polanski die französische Staatsbürgerschaft an. Nach einem Fotoshooting für die Zeitschrift Vogue in den USA wird er 1977 von dem minderjährigen Model wegen Vergewaltigung angezeigt. Er verbüßt eine Strafe, gerät in juristische Grabenkämpfe und flieht vor weiterer Strafverfolgung nach Paris.

Der 1979 in Frankreich entstandene Film TESS erhält einen "Golden Globe", die Genreparodie PIRATEN wird 1986 ein Misserfolg. Erst mit dem von Hitchcock inspirierten "Frantic" findet Polanski 1988 wieder Anerkennung bei Kritik und Publikum.

Roman Polanski ist seit 1989 in dritter Ehe mit der Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet. Sie haben zwei Kinder.

"Bitter Moon" (1992) und "Der Tod und das Mädchen" (1994) sind düstere Studien psychischer Entfremdung. Mit Johnny Depp in der Hauptrolle avanciert der Thriller "Die neun Pforten" (1999) zum Kultfilm.

1999 erhält Polanski für sein Lebenswerk de "Pris René Clair" der Académie Française. Der Film "Der Pianist" (2002) mit Adrien Brody in der Titelrolle, realisiert in den Babelsberger Filmstudios, wird mit drei Oscars sowie der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet. 2005 nimmt sich Polanski der Interpretation des Waisenjungen-Schicksals "Oliver Twist" an.
Der Pianist; F: Tobis
Der Ghostwriter; F: Kinowelt
Der Ghostwriter; F: Kinowelt


Polanskis jüngster Film, "Der Ghostwriter" (2010) mit Hauptdarsteller Ewan McGregor, entsteht ebenfalls im Studio Babelsberg. Auf der Berlinale 2010 erhält er den Silbernen Bären für die beste Regie, kann ihn jedoch nicht persönlich entgegen nehmen, denn die Vergangenheit hat ihn eingeholt. Nach der Entlassung aus Haft und Hausarrest in der Schweiz im Sommer 2010 arbeitet der 77-jährige wieder an einem Filmprojekt.

Filmografie
Kurzfilme
1955
"Fahrrad" (auch Darsteller) Rower
1957
"Zahnlächeln" Usmiech zebiczny
"Abbruch des Tanzes" Rozbijemy zabawe
"Mord" Morderstwo
1958
"Zwei Männer und ein Schrank" (auch Darsteller) Dwaj ludzie z szafa
1959
"Die Lampe" (auch Darsteller) Lampa
"Wenn Engel fallen" (auch Darsteller) Gdy spadaja anioly
1961
"Der Dicke und der Dünne" (auch Darsteller) Le gros et le maigre
1962
"Säugetiere" Ssaki

Spielfilme
1962
"Das Messer im Wasser" Nóz w wodzie
1964
"Die Frauen sind an allem schuld" Les plus belles escroqueries du monde,
Episode: "Der Fluß der Diamanten" La Rivière de Diamants
1965
"Ekel" Repulsion
1966
"Wenn Katelbach kommt" Cul-de-sac
1967
"Tanz der Vampire" (auch Darsteller) Dance of the Vampires
1968
"Rosemaries Baby" Rosemary's Baby
1971
"Macbeth" The Tragedy of Macbeth
1972
"Was?" (auch Darsteller) Che?
1974
"Chinatown" (auch Darsteller)
1976
"Der Mieter" (auch Darsteller) Le Locataire
1979 -
"Tess"
1986
"Piraten" Pirates
1988
"Frantic"
1992
"Bitter Moon"
1994
"Der Tod und das Mädchen" Death and the Maiden
1999
"Die neun Pforten"
Trailer zu Die neun Pforten
2002
"Der Pianist" The Pianist
2005
"Oliver Twist"
2010
"Der Ghostwriter" The Ghost Writer

Katalog zur Ausstellung; Gestaltung: W. Wodka
Schauspieler. Regisseur Roman Polanski
Herausgeber: Muzeum Kinematografi Lodz, Dir. M. Kuzmicki / Filmmuseum Düsseldorf, Dir. B. Designer / Polnisches Institut Düsseldorf, Dir. A. Brzozowska
Redaktion: Barbara Kurowska
Zweite, erweiterte Ausgabe 2010, 229 Seiten; Paperback;
ISBN 978-83-88820-38-0









Filme und Veranstaltungen

Roman Polanski gehört zu den einflussreichsten Filmregisseuren der Welt. Im Studio Babelsberg hat er bislang zwei Filme gedreht: Im Jahr 2002 "Der Pianist" und acht Jahre später "Der Ghostwriter".
Die Ausstellung rückt den Künstler und seine Filme in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Sie entsteht auf der Basis einer Schau, die das Filmmuseum Düsseldorf gemeinsam mit dem Filmmuseum Lodz und dem Polnischen Institut Düsseldorf konzipierte. Sie zeigt Fotos, Dokumente, Drehbücher, Requisiten, Kostüme und Filmausschnitte.

Roman Polanski: Roman Polanski: Wanted and Desired ; F:
Roman Polanski: Wanted and Desired
R: Marina Zenovich
USA/GB 2008, Dok., OmU, 99’
16.11., 20 Uhr; 18.11., 17.30 Uhr
In den vergangenen Jahrzehnten nahmen die Medien vor allem Anteil an Aufsehen erregenden Schicksalsschlägen und einer folgenschweren Verfehlung, die Polanskis Privatleben überschatteten. Der Dokumentarfilm "Roman Polanski: Wanted and Desired" beleuchtet Schlüsselereignisse in seinem Leben und die Hintergründe, die zu seiner Verhaftung im September 2009 führten.
Trailer | Filmausschnitt


Der Ghostwriter; F: Kinowelt
Der Ghostwriter The Ghost Writer
R: Roman Polanski
D: Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Catrall
F/USA/D 2010, OmU, 128’
18.11., 21 Uhr; 20.11., 18 Uhr; 20.11., 22 Uhr; 21.11., 20 Uhr
In dem dramaturgisch meisterhaften Thriller, der detailbesessen inszeniert ist, soll ein junger, unbekannter Autor die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers überarbeiten. Dieser ist wegen politischer Machenschaften und der vermeintlichen Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen ins Kreuzfeuer der Medien geraten.

Der Ghostwriter; F: Kinowelt
Die Beschäftigung mit der Politiker-Biografie offenbart Ungereimtheiten und schon bald ist der Schreiber selbst bedrohlich verstrickt.
Trailer







Der Pianist; F: Tobis
Der Pianist
R: Roman Polanski
D: Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Maureen Lipman
F/D/PL/GB 2002, 148’
7.12., 17.30 Uhr; 10.12., 22.30 Uhr; 12.12., 18 Uhr
Wladyslaw Szpilman hat als einziger seiner jüdischen Familie die Kriegsjahre im Warschauer Ghetto überlebt. Jahrelang irrte er in Todesangst durch die zerbombte Stadt. Im November 1944 entdeckte ihn ein deutscher Wehrmachtsoffizier - und lieferte ihn wider Erwarten nicht der Besatzungsmacht aus. Unter dem Titel "Das wunderbare Überleben. Warschauer Erinnerungen 1939 - 1945" hat Wladyslaw Szpilman seine dramatische Geschichte publiziert.

Roman Polanski, selbst Überlebender des Ghettos, war von dem Buch beeindruckt und hat Szpilmans Schicksal mit großem Engagement verfilmt. Der entstandene, mehrfach Oscar-gekrönte Film "Der Pianist" ist "ein Meisterwerk, das uns überdauern wird" (Andrzej Szpilman).
Trailer

Szpilman am Piano, 1948; F: FMP
"Der Pianist"
10.12., 10.30 Uhr
Halina und Andrzej Szpilman berichteten vor Schülern über Wladyslaw Szpilman - den Pianisten Polanskis
Musikalisches Rahmenprogramm mit der Pianistin Kateryna Tereshchenko und der Sängerin Maria Thomaschke

Eine Veranstaltung im Rahmen der SchulKinoWochen in Kooperation mit VISION KINO und FILMERNST zur Ausstellung und zum Abschluss des Chopin-Jahres 2010
Presse zur Veranstaltung





Rosemaries Baby; F: Paramount
Rosemaries Baby
R: Roman Polanski
D: Mia Farrow, John Cassavetes, Ruth Gordon
USA 1967, 132’
14.12., 18 Uhr mit Einführung: Prof. Dr. Michael Wedel (Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf")
15.12., 21 Uhr; 17.12., 20 Uhr; 18.12., 18 + 22 Uhr; 19.12., 20 Uhr
In "Rosemaries Baby" zieht ein junges Paar in das düstere New Yorker "Bramford-Haus". Früher sollen hier Satansjünger geheime Riten zelebriert haben. Als er neue Freunde findet, die ebenfalls diesen ominösen Kreisen anzugehören scheinen und seine Frau schwanger wird, beginnt der Alptraum. Polanskis Horror-Klassiker überzeugt noch heute durch seine subtile Schockwirkung. Trailer | Filmausschnitt

Tanz der Vampire; F: Neue Visionen
Tanz der Vampire
R: Roman Polanski
D: Jack MacGowran, Roman Polanski, Sharon Tate
GB/USA 1967, 108’
29.12., 18 Uhr; 30.12., 20 Uhr; 2.1.2011, 18 Uhr
Der schrullige Professor Abronsius ist Spezialist für Fledermäuse und Vampire und mit seinem ängstlichen Assistenten Alfred in den tief verschneiten Karpaten auf "Jagd". Wie passend, dass, kaum haben sich die beiden in einem Wirtshaus einquartiert, die hübsche Tochter der Wirtsleute von einem Vampir gebissen und entführt wird. Tanz der Vampire ist Roman Polanskis amüsante Persiflage auf Klischees und Handlungsmuster von Vampirfilmen und zugleich Hommage an das Genre. Filmausschnitt 1 | Filmausschnitt 2 | Filmausschnitt 3

Ekel; F: FilmPolski
Ekel Repulsion
R: Roman Polanski
D: Catherine Deneuve, Ian Hendry, John Fraser
GB 1965, OmU, 105’
5.1., 20 Uhr; 7.1., 18 Uhr; 8.1., 20 Uhr
Die attraktive Carole empfindet Abscheu bei Berührungen mit Menschen. Die Arbeit im Schönheitssalon ist eine Qual für sie. Unfähig zu sozialer Kommunikation, fixiert auf ihre lebenslustige Schwester Hélène, gelingt es Carole nur mit Hélènes Hilfe, den Schein von Normalität aufrecht zu erhalten. Als Hélène jedoch für einige Tage verreist und Carole in der gemeinsamen Wohnung allein zurückbleibt, drängen ihre Dämonen mit aller Macht an die Oberfläche. Trailer | Filmausschnitt 1 | Filmausschnitt 2

Zwei Männer und ein Schrank; F: FilmPolski
Kurzfilme von Roman Polanski
R: Roman Polanski
1957 - 1962, insgesamt 79’
1.2., 18 Uhr; 6.1., 20 Uhr
Mord (Morderstwo) 1957, stumm, 1'26''
Zahnlächeln (Usmiech zebiczny) 1957, stumm, 1'52''
Abbruch des Tanzes (Rozbijemy zabawe) 1957, auch Darsteller, 5'43''
Zwei Männer und ein Schrank (Dwaj ludzie z szafa) 1958, auch Darsteller, 14'18''
Wenn Engel fallen (Gdy spadaja anioly) 1959, auch Darsteller, 20'48''
Die Lampe (Lampa) 1959, auch Darsteller, 7'22''
Der Dicke und der Dünne (Le gros et le maigre) 1961, auch Darsteller, 15'09''
Säugetiere (Ssaki) 1962, 10'22''
In seinen in der Zeit zwischen 1957 und 1962 entstandenen, essayistisch wirkenden Kurzfilmen experimentiert Roman Polanski mit verschiedenen stilistischen Elementen, die allesamt auf seinen späteren Stil verweisen und sich vor allem durch den Hang zum Absurden und Befremdlichen auszeichnen. Polanski entwirft darin eine eigensinnige Bildsprache und Erzähltechnik, die weniger auf Worte als auf starke visuelle Ausdruckskraft setzt. Er entwickelt einen Katalog an Themen und Motiven, die auch sein späteres Werk dominieren: Voyeurismus, Angst, Horror, zwischenmenschliche Hierarchien und der Kampf isolierter Individuen gegen eine ihnen feindliche Umwelt. Letzteres spiegelt sich geradezu exemplarisch im preisgekrönten Film Zwei Männer und ein Schrank (PL 1958) wider, der noch heute zu den erfolgreichsten Kurzfilmproduktionen der Filmhochschule Lodz zählt, an der Polanski von 1954 bis 1959 Regie studierte.

Das Messer im Wasser; F: FilmPolski
Das Messer im Wasser Nóż w wodzie
R: Roman Polanski
D: Leon Niemczyk, Jolante Umecka, Zygmunt Malanowicz
PL 1962, 92’
1.2., 20 Uhr; 3.2.;20.30 Uhr; 4.2.; 22 Uhr; 5. 2., 20 Uhr; 6.2., 18 Uhr
Polanskis erster längerer Kinofilm: Ein Ehepaar nimmt einen per Anhalter reisenden Studenten mit zu den Masurischen Seen. Dort angekommen, laden sie ihn ein, das Wochenende mit ihnen auf der Segelyacht zu verbringen. Bald kommt es zu Konflikten zwischen dem machtbesessenen Ehemann und dem rebellischen Studenten. Eine subtile erotische Spannung und die ständige Bedrohung durch latente Gewalt prägen die Stimmung des Films, der sich zugleich als politische Parabel auf die Verbürgerlichung der sozialistischen Gesellschaft Polens zu dieser Zeit lesen lässt.
Filmausschnitt

Wenn Katelbach kommt; F: FilmPolski
Wenn Katelbach kommt Cul-de-Sac
R: Roman Polanski
D: Donald Pleasence, Françoise Dorléac, Lionel Stander
GB 1966, 108’
9.2., 18 Uhr; 11.2., 22.45 Uhr; 12.2., 18 Uhr
Eine Inselburg an der schroffen nordenglischen See. Hier lebt ein höchst kauziges Paar mit zahlreichen Hühnern. Durch den unverhofften Besuch zweier verletzter Gangster ändern sich die Rollenverhältnisse aller Beteiligten und ein klaustrophobisches Kammerspiel um Macht und Abhängigkeit nimmt seinen Anfang. Erlösung verspricht das Eintreffen des Gangsterbosses Katelbach, auf das man vergeblich wartet. Polanskis zweite Spielfilmarbeit in England fasziniert durch sein dramaturgisches Kalkül und ist gespickt mit Referenzen an das absurde Theater Samuel Becketts.
Filmausschnitt

WAS?
Was?
R: Roman Polanski
D: Marcello Mastroianni
Sydne Rome
Romolo Valli
I/F/BRD 1972, 113’
2.3., 20 Uhr; 5.3., 18 Uhr
Für die Dreharbeiten der Gesellschaftssatire "Was?" stellte Produzent Carlo Ponti seine private Villa bei Neapel zur Verfügung: Eine junge Frau gerät in den Kreis parasitärer Snobs, die verschiedenen Perversionen nachhängen. Sie erlebt mit ihnen groteske Abenteuer.

Polanskis brillant inszenierter, episodenhafter Film demaskiert neben der dekadenten Oberschicht die Sexwelle im damaligen Kino.


Chinatown1; F: Paramount
Chinatown
R: Roman Polanski
D: Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston
USA 1974, 129’
8.3., 18 Uhr; 11.3., 22.15 Uhr; 12.3., 20.15 Uhr
Für Polanskis Zeit in den USA und eine Affinität zu New-Hollywood ist "Chinatown" beispielhaft: Privatdetektiv Jake erhält den Auftrag, die Affäre eines Ehemannes aufzuspüren. Dabei kommt er einer weitreichenden Korruptionsaffäre auf die Spur, die im Zusammenhang mit dem Bau eines großen Staudammes steht. Ihm wird zunehmend bewusst, dass sein Auftrag selbst bereits Teil des Komplotts ist. Zwar bleibt die filmische Schilderung in vielen Details Raymond Chandlers Kriminalromanen und dem Film Noir verpflichtet, ihre Realitätsnähe lässt die Vorgänger jedoch weit hinter sich.
Trailer zu Chinatown

Der Mieter; F: UIP
Der Mieter
R: Roman Polanski
D: Roman Polanski, Isabelle Adjani, Melvyn Douglas F 1976, 125’
16.3., 18 Uhr; 17.3., 20 Uhr; 19.3., 22 Uhr
1976 entsteht "Der Mieter": Das von Polanski entworfene Bild vom Paris der 1970er Jahre, in dem der von ihm selbst gespielte, schüchterne Büroangestellte Trelkovsky mit feindseligen oder absolut gleichgültigen Mitmenschen und Nachbarn konfrontiert ist, ist wenig schmeichelhaft. Trelkovsky fühlt sich von seinen Nachbarn dazu gezwungen, die Identität seiner Vormieterin anzunehmen, die einen Selbstmordversuch begangen hat.

Der Mieter; F: UIP
Wie auch in anderen seiner Filme, zeigt Polanski auf, wie in einer vermeintlich normalen Welt, die nichts Übernatürliches aufzuweisen scheint, Ängste entstehen, die schließlich zu Panik und Verwirrung bis hin zu Wahnvorstellungen führen.
Trailer zu Der Mieter


Der Pianist; F: Tobis
Der Pianist The Pianist
R: Roman Polanski, D: Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Maureen Lipman, F/D/PL/GB 2002, OmU, 148’
16.4., 20 Uhr
In seinem Film "Der Pianist" folgt Roman Polanski dem bekannten polnisch-jüdischen Pianisten Władysław Szpilman von seinem Versteck im Warschauer Ghetto bis hin zum letzten Schlupfwinkel kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Ein deutscher Offizier versorgt den Musiker heimlich mit Nahrungsmitteln und rettet ihm so das Leben. Roman Polanski erhielt für "Der Pianist" einen Oscar.
Trailer
Gespräch mit dem Kameramann Paweł Edelman
Moderation: Johannes Leisen
(Dramaturg und Filmpublizist)
Das Filmmuseum Potsdam zeigt in diesem Jahr ausgewählte Filme des vom Polnischen Institut Berlin organisierten Filmfestivals filmPOLSKA.
Neben der Aufführung aktueller, preisgekrönter Spielfilmproduktionen aus dem Nachbarland wird 2011 das Werk des herausragenden Kameramannes Pawel Edelman gewürdigt. An der Filmhochschule Łódź ausgebildet, führte Edelman die Kamera für Władysław Pasikowski sowie Andrzej Wajda. Im Studio Babelsberg arbeitete er mit Roman Polanski an den Filmen "Der Pianist" und "Der Ghostwriter".
Filmographie von Kameramann Paweł Edelman (eine Auswahl)
1991: Kroll - Regie: Władysław Pasikowski
1992: November - Regie: Łukasz Karwowski
1992: Hunde - Regie: Władysław Pasikowski
1994: Hunde II - Regie: Władysław Pasikowski
1996: Bitter-Süß - Regie: Władysław Pasikowski
1997: Liebesgeschichten - Regie: Jerzy Stuhr
1997: Glückliches New York - Regie: Janusz Zaorski
1999: Pan Tadeusz - Regie: Andrzej Wajda
2000: Das große Tier - Regie: Jerzy Stuhr
2001: Verlorene Kinder des Krieges - Regie: Yurek Bogayevicz
2002: Der Pianist - Regie: Roman Polański
2002: Die Rache - Regie: Andrzej Wajda
2004: Ray - Regie: Taylor Hackford
2005: Oliver Twist - Regie: Roman Polański
2006: Das Spiel der Macht (All the King's Men) - Regie: Steven Zaillian (US-Premiere: September 2006)
2007: Das Leben vor meinen Augen (The Life Before Her Eyes)
2007: Das Massaker von Katyn (Katyń) - Regie: Andrzej Wajda
2009: Der Kalmus (Tatarak) - Regie: Andrzej Wajda
2010: Der Ghostwriter (The Ghost Writer) - Regie: Roman Polański


Oliver Twist; F: © Tobis Filmverleih
Oliver Twist
25.5., 20 Uhr; 27.5., 18 Uhr; 29.5., 20.15 Uhr
R: Roman Polanski
D: Barney Clark, Ben Kingsley, Jamie Foreman
F/GB/Tschechien 2005, OmU, 125’
Nach "Der Pianist" habe Polanski einen Film für seine Kinder machen wollen, wie er sagte. Doch trotz herausragender Kinderdarsteller ist "Oliver Twist" eher ein moderner Horrorfilm geworden, der die märchenhaften Elemente von Dickens' Erzählung ausklammert und den sozialkritischen Kern der Geschichte herausarbeitet. Mit grimmiger Detailtreue zeichnet Polanski London als dreckigen und stinkenden Moloch, wo Elend und Armut an der Tagesordnung sind. Kein Thema von gestern, zudem nicht weit von Polanskis Kindheit entfernt: Er verlor im Holocaust seine Mutter und lebte während der Kriegs- und Nachkriegswirren in einer Pflegefamilie. "Oliver Twist" erzählt auch von der verlorenen Kindheit des Regisseurs.
Trailer zu Oliver Twist


Der Tod und das Mädchen © Concorde.JPG
Der Tod und das Mädchen
31.5., 18 Uhr; 1.6., 18 Uhr; 2.6., 20 Uhr; 3.6., 20:15 Uhr; 4.6., 22 Uhr
R: Roman Polanski
D: Sigourney Weaver, Ben Kingsley, Stuart Wilson
GB/USA/F 1994, 103’
Die ehemalige Widerstandskämpferin Paulina Escobar, die in einer zweimonatigen Haft gefoltert und vergewaltigt wurde, glaubt - nur anhand seiner Stimme - in dem Arzt Dr. Miranda ihren einstigen Peiniger wiederzuerkennen. Sie überwältigt ihn und veranstaltet ein Privattribunal gegen den mutmaßlichen Täter, der die schweren Vorwürfe jedoch abstreitet. Als künftiger Justizminister und Anwalt gerät Paulinas Mann Gerardo in Konflikt zwischen seiner Profession und Paulina, die damals seinetwegen die Folterungen über sich ergehen ließ. Indem Polanski die Schuld oder Unschuld des Dr. Miranda lange Zeit ungeklärt lässt, konfrontiert er den Zuschauer mit Fragen der Moral und Gerechtigkeit. Der auf Grundlage des Bühnenstücks "Death and the Maiden" entstandene Film gleicht einem Kammerspiel: Das Geschehen ereignet sich innerhalb weniger Stunden auf engstem Raum und beschränkt sich auf lediglich drei Protagonisten. So spiegelt auch "Der Tod und das Mädchen" Polanskis filmisches Interesse an klaustrophobischen Situationen wider. Ein spannungsreicher und fesselnder Psychothriller.



PRESSE zur Veranstaltung: "Der Pianist"

Das wunderbare Überleben dank Chopin
Halina und Andrzej Szpilman berichteten vor Schülern über Wladyslaw Szpilman - den Pianisten Polanskis
Potsdamer Neueste Nachrichten, Guido Berg, 11.12.10
25. September 1939, 8 Uhr. Liveübertragung eines Klavierkonzerts im Polnischen Radio. Wladyslaw Szpilman spielt gerade Frédéric Chopins "Nocturne in cis-Moll", als die ersten deutschen Bomben auf Warschau fallen. Die Fenstergläser bersten, Druckwellen schleudern die Splitter wie Geschosse durch den Aufnahmesaal. Die Sendung wird unterbrochen, Szpilman bringt sich in Sicherheit.
Roman Polanski verwendet diese Szene in seinem in Babelsberg gedrehten Meisterwerk "Der Pianist" mit Adrien Brody in der Hauptrolle, für die der Schauspieler 2003 einen Oscar gewann. Schüler aus polnischen Gymnasien in Szeczin (Stettin) und Slubice sowie vom Potsdamer Einstein-Gymnasium und der Voltaire-Gesamtschule sahen diese Szene gestern im Filmmuseum im Vorfeld einer Podiumsdiskussion mit Halina Szpilman, der Witwe Wladyslaw Szpilmans und dem gemeinsamen Sohn Andrzej Szpilman. Vollständig hatten die Schüler Polanskis Holocaust-Drama am Vortag gesehen. Der Film hat eine Freigabe ab zwölf Jahre; eine Lehrerin berichtete, die Achtklässler waren sehr betroffen - besonders von der Szene, in der Wehrmachtsoffiziere einen Rollstuhlfahrer vom Balkon stoßen.
Niemand hat die Zeit des Nationalsozialismus so aufgearbeitet wie Roman Polanski, sagt Andrzej Szpilman, der in die Fußstapfen seines Vaters schlüpfte und ein in Polen bekannter Musiker wurde, wie die Reaktionen der begeisterten polnischen Schüler zeigten. Und niemand nach Polanski werde es noch einmal so gut machen können, denn Polanski, 1933 geboren und selbst von der Judenverfolgung betroffen, kenne wie kein anderer die polnische und die westliche Kultur gleichermaßen. Polanski habe mit "Der Pianist", so der Sohn des realen Pianisten, "das Bilderbuch des Zweiten Weltkrieges geschaffen". "Schindlers Liste" von Steven Spielberg dagegen sei "nicht so gelungen".
Polanskis Film basiert auf Wladyslaw Szpilmans Erlebnissen während der Besetzung Warschaus durch die deutsche Wehrmacht. Seine gesamte Familie stirbt in den Gaskammern Treblinkas, Szpilman versteckt sich in Warschau, zwei Jahre überlebt er im Ghetto mit Hilfe von Freunden - obwohl selbst getötet wurde, wer Juden half, wie Szpilmans Frau Halina den Schülern berichtete. Sehr dramatisch sei es für ihren Mann gewesen, als der Ghettoaufstand losbrach. Auf sich gestellt, habe er sich nur von dem ernähren können, was er in den Speichern fand. Dunkel war es, kalt, sagt die Ärztin, ihr Mann habe unter Einsamkeit gelitten. Einzige Lektüre seien seine Noten gewesen. "Die Erinnerung an die Musik hat ihm das Leben gerettet." Schlimm war, als der deutsche Offizier Wilhelm Hosenfeld ihn fand und Wladyslaw Szpilman, halb verhungert und erschöpft, ihm auf dem Klavier vorspielen musste. Als Beweis dafür, dass er Pianist ist. Den ganzen Krieg über hat er nicht spielen können. Hosenfeld gab ihm Essen und seinen warmen Wehrmachtsmantel. "Die Herzlichkeit des deutschen Offiziers war sehr wichtig", so Halina Szpilman. Als er nach der Befreiung Warschaus aus einer Ruine auf die Straße tritt, wird dem Pianisten der deutsche Mantel beinahe zum Verhängnis, als polnische Soldaten ihn für einen Deutschen halten. "Den ganzen Krieg überlebt und dann sterben müssen, der Freiheit in die Augen schauend", sagt seine spätere Frau, "das war natürlich dramatisch".
46 Kriegstagebücher hat Wladyslaw Szpilman geschrieben, als "Robinson von Warschau" wurden sie bereits im kommunistischen Polen erstmals verfilmt. Allerdings sei die Geschichte ihres Mannes "völlig verfälscht" worden: "Russische Stimmen von überall: ,Genossen, wir befreien Euch’".
In der DDR erschienen drei Kapitel von Wladyslaw Szpilman in einem Buch von 1980 und der Liedermacher Wolf Biermann, der sie gelesen hatte, sollte Anteil daran haben, dass Szpilmans Erinnerungen ein Bestseller und Polanskis Film ein Welterfolg werden sollten. Mit Szpilmans Sohn Andrzej befreundet, wollte Biermann mehr davon lesen. Andrzej Szpilman bestellte bei der Übersetzerin Karin Wolf eigens eine deutsche Übersetzung für Biermann. Später erhielt die Lektorin Krista Maria Schädlich das Manuskript. Acht Monate darauf, 1998, kam das Buch heraus - Wladyslaw Szpilman "Das wunderbare Überleben - Warschauer Erinnerungen 1939-1945". Eine Freundin Roman Polanskis sah die englische Übersetzung auf einem Flughafen und machte den Regisseur darauf aufmerksam. Polanski und Szpilman kannten sich, Szpilman, der am 6. Juli 2000 starb, gilt heute mit seinen Kompositionen als "der Gershwin Polens". Polanski rief Szpilman an, erzählt dessen Witwe, und sagte ihm: "Das ist ein fertiges Drehbuch."
Begleitet wurde die Begegnung im Filmmuseum durch Klaviermusik von Szpilman und Chopin, gespielt durch die Pianistin Kateryna Tereshchenko. Als der Polnische Rundfunk 1945 seinen Sendebetrieb wieder aufnahm, schickte er auch Chopin über den Äther. Das erste Stück, das die Polen nach dem Zweiten Weltkrieg im Radio hörten, war "Nocturne in cis-Moll".