Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Mr. Shi und der Gesang der Zikaden
A Thousand Years of Good Prayers

Der Chinese Mr. Shi, ein verwitweter Rentner, besucht zum ersten Mal seine Tochter, die vor zehn Jahren mit ihrem Mann nach Amerika ausgewandert ist. Jetzt lebt sie von ihrem Mann getrennt, vor kurzem wurde die Ehe geschieden, und ihr Vater möchte ihr in dieser schweren Zeit beistehen. Das Problem dabei ist, das sich die beiden letztlich gar nichts mehr zu sagen haben, zu unterschiedlich ist ihr Leben verlaufen. Nebenbei findet sich Mr. Shi nicht ohne Schwierigkeiten in der neuen Heimat der Tochter zurecht. Regisseur Wayne Wang inszeniert die Momente der missglückten Kommunikation zwischen Vater und Tochter und das Befremden des Vaters über die amerikanische Kultur voller Gefühl und mit Humor. Die Filmkritik deutet den Film Wangs nach "belanglosen Blockbustern" als gelungene Rückkehr zu seinen Wurzel als Independent-Filmmacher ("Smoke", "Blue in the Face"). Der Film ist das genaue Gegenteil eines Hollywoodfilms, ein Atemholen, ein meditatives zur Ruhe kommen, bei dem ein Satz ins Schweigen fällt wie ein Stein ins Wasser, und man sieht lange den allmählich sich verlaufenden Wellen zu. (Tagesspiegel)

Rückschau 10/08