Mike Leigh
Mike Leigh

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Mike Leigh - Us not Them

November 2008
Werkschau
In Kooperation mit dem British Council

Mike Leigh ist neben Ken Loach und Stephen Frears bedeutendster Vertreter des New British Cinema. Seine teils realistischen, teils überzeichneten Studien des britischen Arbeitermilieus haben den Theater- und Filmregisseur auch international bekannt gemacht.
Die bei der Berlinale (2008) mit dem Silbernen Bären ausgezeichnete Komödie "Happy-Go-Lucky" lief erfolgreich in den Kinos. Umfassende Retrospektiven auf Mike Leighs filmisches Schaffen, das in den frühen 1970er Jahren begann, gab es in Deutschland bislang nur selten, und sie liegen Jahre zurück.
Ende November 2008 zeigte das Filmmuseum Potsdam eine umfangreiche Auswahl seiner Film- und Fernseharbeiten. Die Werkschau wurde am 20. November von Mike Leigh persönlich eröffnet. Im Anschluss an den Eröffnungsfilm "Happy-Go-Lucky" stellte sich der Regisseur einem von Knut Elstermann moderierten Gespräch.
FILME DER WERKSCHAU
Happy-Go-Lucky
R: Mike Leigh, D: Sally Hawkins, Alexis Zegerman, Eddie Marsan GB 2007, 118’
Topsy-Turvy
R: Mike Leigh, D: Allan Corduner, Jim Broadbent, Lesley Manville, GB 1999, OF, 154’
Bleak Moments
R: Mike Leigh, D: Anne Raitt, Sarah Stephenson, Eric Allan, GB 1971, engl. OF, 110’
Abigail’s Party
R: Mike Leigh, D: Alison Steadman, Tim Stearn, Janine Duvitsky , GB 1977, 102’
Meantime
R: Mike Leigh, D: Marion Bailey, Phil Daniels, Tim Roth, Alfred Molina, Gary Oldman, GB 1983, 102’
High Hopes
R: Mike Leigh, D: Philip Davis, Ruth Sheen, Edna Dore, GB 1988, 110’
Life is Sweet
R: Mike Leigh, D: Alison Steadman, Jim Broadbent, Timothy Spall, GB 1990, 102’
Nackt (Naked)
R: Mike Leigh, D: David Thewlis, Lesley Sharp, Katrin Cartlidge, GB 1993, 131’
Lügen und Geheimnisse (Secrets and Lies)
R: Mike Leigh, D: Timothy Spall, Phyllis Logan, Brenda Blethyn, GB 1996, 142’
Karriere Girls
Career Girls R: Mike Leigh, D: Katrin Cartridge, Lynda Steadman, Kate Byers, GB 1997, 87’
All or Nothing
R: Mike Leigh, D: Timothy Spall, Lesley Manville, Alison Garland, GB/F 2002, 128’
Vera Drake
R: Mike Leigh, D: Imelda Staunton, Philip Davis, Alex Kelly, GB/F/Neuseeland 2004, 126’

BIOGRAPHIE
Mike Leigh wird am 20. Februar 1943 in einem Arbeiterbezirk von Salford, einer Industriestadt im Nordwesten Englands, als Sohn eines Arztes geboren. Seine Ausbildung zum Schauspieler und Regisseur erfährt Leigh unter anderem an der Royal Academy of Dramatic Arts und der London Film School. Bereits während des Studiums ist er Spielleiter mehrerer Theaterstücke, zeitweise Regieassistent bei der Royal Shakespeare Company. Ab 1965 entstehen in Birmingham, Manchester und London eigene Bühnenstücke, so auch "Bleak Moments", das 1971 zur Vorlage für den ersten Spielfilm wird. "Bleak Moments" erhält internationale Auszeichnungen, bleibt aber für lange Zeit Mike Leighs einzige Kinoproduktion.
Während der 70er- und 80er-Jahre ist er gezwungen ausschließlich für Bühne und Fernsehen zu arbeiten. Für die BBC entstehen zahlreiche Arbeiten - bissige Kommentare zur britischen Gesellschaft während der Thatcher-Zeit. Erst nach 17 Jahren kann Mike Leigh mit "High Hopes" 1988 auf der Leinwand reüssieren.
Und jeder der seitdem entstandenen Spielfilme gewinnt internationale Auszeichnungen: "Naked" erhält 1993 in Cannes den Regiepreis, "Secrets and Lies" 1996 die Goldene Palme, in Venedig wird "Vera Drake" 2004 bester Film. Für "Happy-Go-Lucky" erhält Sally Hawkins auf der Berlinale 2008 den Silbernen Bären als beste Darstellerin.
Namhafte Schauspieler wie Tim Roth, Gary Oldman oder Stephen Rea haben in Mike Leighs Filmen erste Erfahrungen vor der Kamera gesammelt. Charakterdarsteller wie Alison Steadman (Mike Leighs Ehefrau von 1973 bis 2001), Jim Broadbent, Timothy Spall oder Sally Hawkins gehören zum Stammensemble des Regisseurs und treten immer wieder in seinen Filmen auf.
Seit mehr als dreißig Jahren wendet Leigh zur Vorbereitung der Dreharbeiten eine einzigartige Methode an: Gemeinsam mit einzelnen Schauspielern entwickelt er monatelang bei Proben Stoff und Charaktere. Deshalb steht anstelle von "Written and Directed" in den Abspännen oft "Devised and Directed by Mike Leigh".

In der SOURCES of Inspiration Lecture im Rahmen des in Potsdam stattfindenden internationalen Drehbuchentwicklungs-Workshops SOURCES 2 diskutierte Mike Leigh an der HFF mit TeilnehmerInnen des Workshops und Studierenden der HFF seine Arbeitsweise.

Die Veranstaltung war eine Kooperation von Filmmuseum Potsdam, SOURCES 2 und der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) "Konrad Wolf".
SOURCES 2 präsentierte außerdem Götz Spielmann:
Revanche
R: Götz Spielmann, D: Michael-Joachim Heiss, Johannes Krisch, Andreas Lust, Österreich 2008, OmE, 121’

SOURCES of Inspiration Lecture
Vortrag und Diskussion mit Götz Spielmann, Anschließend Empfang
Mehr zum SOURCES 2 Drehbuchentwicklungs-Workshops in Potsdam unter: http://www.sources2.de/news.html

Götz Spielmann
Anlässlich des SOURCES 2 Drehbuchentwicklungs-Workshops in Potsdam wird der Regisseur im Filmmuseum Potsdam zu Gast sein und seinen neuesten Film "Revanche" (Ö 2008) präsentieren sowie die traditionelle SOURCES of Inspiration Lecture halten. Die seit 1992 dokumentierte Vortragsreihe beinhaltet Texte u.a. von Ken Loach, Mika Kaurismäki, Lone Scherfig, Andres Veiel, Nicolas Philibert, István Szabó, Bent Hamer, Béla Tarr und Fernando Pérez.
SOURCES 2 ist ein Intensiv-Trainingsprogramm im Bereich Drehbuchentwicklung für europäische Drehbuchautoren und ihre Produzenten (bzw. Regisseure). Seit 1992 wurden 60 Workshops in 18 europäischen Ländern realisiert, 75 durch das Programm entwickelte Spiel- und Dokumentarfilme wurden produziert.
Der SOURCES 2 Workshop in Potsdam wird veranstaltet mit der freundlichen Unterstützung der Medienboard Berlin-Brandenburg und der MFG Baden.-Württemberg.
In Götz Spielmanns spannendem Drama Revanche versuchen die ProstituierteTamara und Alex, der Handlanger ihres Chef, ihrem Leben zu entkommen. Sie sind ein Paar, doch die Gesetze des Milieus verbieten ihre Liebe. Zudem hat Tamara Schulden. Alex überfällt eine Bank, doch auf der Flucht fällt ein Schuss: Er trifft Tamara. Alex kann mit dem Geld entkommen, doch ist es ihm nichts mehr wert. Er will den Tod der Geliebten rächen... Götz Spielmann über seinen neuen Film: " ‚Revanche’ ist emotionales Kino wie alle meine Filme. Die Figuren sind geprägt von ihren verborgenen Gefühlen, von Liebe, Trauer, Rache, Sehnsucht, Einsamkeit und Zuneigung. Emotionales Kino steht dabei keineswegs im Widerspruch zu gedanklicher Klarheit und formaler Präzision. Die Synthese von Lebendigkeit und Präzision ist meine Leidenschaft."