Luise Bähr in  "Luise - Königin der Herzen" (2010); F: LOOKS Film  TV Rostock
Luise Bähr in "Luise - Königin der Herzen" (2010); F: LOOKS Film TV Rostock

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Luise. Königin der Herzen

Plakat; Gestaltung: h neun, Berlin
Luise. Königin der Herzen
25.3. - 24.10.2010
Luise wurde geliebt und verklärt wie keine zweite preußische Königin. Dichter, Maler, Bildhauer verewigten sie in unzähligen Darstellungen und auch der am Ende des 19. Jahrhunderts erfundene Film nahm sich ihrer an. Aus Anlass des 200. Todestages präsentierte das Filmmuseum Potsdam eine Schau, in deren Zentrum die Darstellung der Königin in Spielfilmen und Fernsehproduktionen stand. Sie ergänzte damit die Ausstellungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten um den Aspekt der Luise-Rezeption im Film.

Kuratoren: Alexa Eberle und Guido Altendorf (FMP)
Gestaltung und Plakat: h neun (Berlin)

Mehr zur Ausstellung
1913 war Königin Luise zum ersten Mal auf der Leinwand erschienen, engelsgleich und tief besorgt um das Wohl Preußens. Von da an begegnete das deutsche Kinopublikum in jedem Jahrzehnt und in jedem politischen Umfeld erneut seiner Luise; Henny Porten, Ruth Leuwerik und Regina Beyer stellten sie dar. In der Weimarer Republik präsentierten die Lichtspielhäuser die Königin in sechs Filmen, mal mütterlich, mal leidend, aber immer als eine Lichtgestalt, die ihr Volk aus großer Not erlösen will. Überirdisch schön, begleitet von Engelschören und zum ersten Mal in Farbe geisterte sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch die wenigen noch intakten Kinos. Auch in der zweiten Jahrhunderthälfte trat die Königin in Erscheinung, als zaghafte Reformerin im Kino der jungen Bundesrepublik und als flotte Emanze im DDR-Fernsehen. Deutscher Film und deutsches Fernsehen kamen und kommen ohne Luise nicht aus. Welche zeitgenössischen Parolen, Wünsche und Nöte ihr von den Drehbuchautoren jeweils in den Mund gelegt wurden und wie sehr sich dies von der historischen Realität unterschied - dem ging die Ausstellung des Potsdamer Filmmuseums im Luisen-Jahr 2010 nach. Sie präsentierte Kostüme und Requisiten aus frühen und jüngeren Luise-Filmen, darunter nahezu alle Gewänder aus der aktuellen Produktion "Luise - Königin der Herzen" (NDR/arte). Die Ausstellungsgestalter stilisierten die Zimmerfluchten eines Schlosses: In den ersten Räumen begegneten die Besucher allen Luise-Darstellerinnen und ihren Filmen; die Lebensstationen der echten Königin zogen sich wie ein roter Faden durch die anschließenden Räume, wobei der Kontrast zu den filmischen Interpretationen Einsichten in den jeweils herrschenden Zeitgeist offenbarte.
Die Ausstellung wurde von Kulturland Brandenburg, der Stadt Potsdam und dem Verein der Freunde und Förderer des Filmmuseums Potsdam unterstützt.

Luise-Filme seit 1913 | Presse

Blick in die Ausstellung
Galerie der Luisen
Blick in die Ausstellung2
Blick in die Ausstellung1

Blick in die Ausstellung3
Schadows Atelier
Requsit (Steckkissen) aus \"Luise-Königin der Herzen\"




Luise-Filme seit 1913
Königin Luise in Film und Fernsehen

In der Kaiserzeit erschien Königin Luise zum ersten Mal als Filmheldin auf der Leinwand. Von da an begegnete ihr das deutsche Kino- und Fernsehpublikum in jedem Jahrzehnt und in jedem politischen Umfeld erneut.
Wessen zeitgenössische Parolen, Wünsche und Nöte ihr von den Drehbuchautoren jeweils in den Mund gelegt wurden und wie sehr sich dies von der historischen Realität unterschied - dem ging die Ausstellung und eine Filmreihe im Filmmuseum Potsdam nach.

Hansi Arnstädt in \"Der Film von der Königin Luise\" 1913; F: FMP
Der Film von der Königin Luise
Historisch-vaterländisches Gemälde in 3 Abteilungen
1. Abteilung
2. Abteilung: Aus Preußens schwerer Zeit
3. Abteilung: Die Königin der Schmerzen
D 1913
Regie: Franz Porten
Luise: Hansi Arnstädt
Buch: Franz Porten
Kamera: Werner Brandes
Produktionsfirma: Deutsche Mustoskop- und Biograph GmbH Berlin
Von 1788 bis zu Luises Tod folgt der Film im Wesentlichen dem populären Bilderbuch von Carl Roechling, Richard Knötel und Woldemar Friedrich "Die Königin Luise in fünfzig Bildern für Jung und Alt" (1896) und bietet tableaux vivants bekannter Anekdoten aus ihrem Leben. Im ersten Teil steht Privates und Erbauliches im Vordergrund. Zweiter und dritter Teil bieten vorrangig aufwendig inszenierte Kriegsgefechte, erzählen von preußischen Siegen oder zumindest von zähen Kämpfen gegen den Erbfeind Frankreich. Die letzte Einstellung zeigt das Luise-Denkmal im Berliner Tiergarten. Und wie ein wilhelminisches Denkmal wirkt sie im Film, reizt dazu, ihr Kränze zu Füßen zu legen, wenn sie um Preußen bangt, Stammbuchblümchen, wenn sie die Neckische oder die Mütterliche markiert.

Königin Luise (1., 2. und 3. Teil)
Historisch-vaterländisches Gemälde in 3 Abteilungen
D 1922
Regie: Franz Porten
neue Zensur-Fassung des Films von 1913

Deutsche Helden in schwerer Zeit
Ein Film von Deutschlands Niedergang und Auferstehung in 10 Akten
D 1924
Regie: Curt Blachnitzki (Neuaufnahmen), Franz Porten (Der Film von der Königin Luise, Theodor Körner), Gerhard Dammann (Theodor Körner)
Luise: Hansi Arnstädt
Produktionsfirma: Filmhaus Wilhelm Feindt
Film ist nicht erhalten.
"Es gab eine Zeit, da (...) hielten die Monarchen zum Volke und das Volk zu den Monarchen." Was folgt, ist Neuverwertung alter Filme anno 1924: In die aktuelle Rahmenhandlung um einen Offizier a.D. und seinen demokratisch gesinnten Schwiegersohn sind Szenen aus Franz Portens Luise- und Theodor-Körner-Film eingefügt. Ein ideologischer Spagat wird versucht: "...das Wichtigste war, dass ein Volk einig war --- und dass die Meinung der ganzen Welt sich für uns entschieden hatte! Und wenn wir das je wieder erreichen - Dann brauchen wir keinen Krieg!" Reaktionäre Stimmungsmache? Modischer Pazifismus? Oder vielleicht doch nur Film-Recycling? Der Streifen ist nicht erhalten.

Königin Luise von Preußen
Das Martyrium einer gekrönten Frau
D 1925
Regie: Robert Reinert
nicht realisiertes Film-Projekt

Die elf Schillschen Offiziere
D 1926
Regie: Rudolf Meinert
Luise: Grete Reinwald
Buch: Max Jungk, Friedrich Julius Urgiß
Bauten: Gustav A. Knauer
Kamera: Ludwig Lippert
Musik: Guiseppe Becce
Produktionsfirma: Internationale Film-AG
Film ist nicht erhalten.
Tagespolitik im historischen Kostüm - Parallelen zwischen 1809 und 1926 werden dreist hervorgekehrt: der "schmähliche Frieden von Tilsit" und der "Schandfrieden" von Versailles, das heldenhafte Schillsche Freikorps und seine Pendants, die nach 1918 den "Dolchstoß" nicht verwinden wollten, "das deutsche Volk unter dem Joche der Fremdherrschaft" und die krisengeschüttelte Weimarer Republik. Die Rolle Luises kann im patriotischen Abenteuerroman um Ferdinand von Schill kaum mehr als der Kurzauftritt einer höheren Instanz gewesen sein, von der der Held die vaterländischen Weihen erhält. Der Film gilt als verschollen.

Prinz Louis Ferdinand
Der Held von 1806
D 1927
Regie: Hans Behrendt
Luise: Christa Tordy
Buch: Hans Behrendt, Otz Tollen, Hermann Kosterlitz
Kamera: Carl Drews
Bauten: Ernst Schütte, Erich Zander
Musik: Willy Schmidt-Gentner
Produktionsfirma: Phoebus-Film AG
Film ist nur in Fragmenten erhalten.
Eine einzige Rolle des Films ist überliefert. Sie zeigt Louis Ferdinand, der sich bei Luise dafür bedankt, dass sie bei Friedrich Wilhelm seine Zurückversetzung nach Berlin erwirkt hat. Er kommt einer Höflichkeitspflicht nach, sie nimmt seine Ehrerbietung entgegen. Die getauschten Blicke erzählen von etwas Anderem. Das ist ungleich erotischer, als würde das beiden nachgeflüsterte Gerücht einer Liebesaffäre bestätigt. Die historischen Gestalten sind Menschen aus Fleisch und Blut, keine Denkmäler. Preußische Geschichte wird nicht kritisch betrachtet, aber aufregend und lebendig. Es ist das Verdienst des Regisseurs Hans Behrendt. Er interessierte sich für Menschen, nicht für Heldengesänge.

Königin Luise
Das Lebensbild einer deutschen Frau
D 1927
Regie: Franz Porten
neue Zensur-Fassung des Films von 1913
Film ist nicht erhalten.

Luise, das Schicksal einer königlichen Frau
D 1926/27
Regie: Carl Froelich
Königin Luise: Henny Porten
nicht realisiertes Film-Projekt

Königin Luise, 1. Teil: Die Jugend der Königin Luise
Kronprinzessin Luise
D 1927
Regie: Karl Grune
Luise: Mady Christians
Buch: Ludwig Berger - nach seinem Theaterstück
Kamera: Arpad Virag
Bauten: Hans Jacoby
Musik: Walter Ulfig
Produktionsfirma: Terra-Film AG
Im ersten Teil werden alle bekannten Histörchen um "Jungfer Husch", die Kronprinzessin, geboten, perfekt eingearbeitet in die Struktur eines Dreiakters. Gegenspieler der jungen Luise sind die vorgestrigen Vertreter des Hohenzollernhofes, welche der Film mit ungehemmter Respektlosigkeit zeichnet.

Königin Luise. 2. Teil
D 1928
Regie: Karl Grune
Luise: Mady Christians
Buch: Ludwig Berger, Max Glass - nach dem Theaterstück von Ludwig Berger
restlicher Stab wie Teil 1
Film ist nur in Fragmenten erhalten.
Der zweite Teil beginnt 1797. Der komödienhafte Tonfall weicht einem Stationendrama. Luise, nunmehr Königin, reift, denkt, handelt, auch wenn die Umstände tätiger sind, als sie selbst. Wahrscheinlichkeit ersetzt auch hier die historische Wahrheit, aber Luise gerät dabei nie aus dem Blickfeld. Die Qualität des Films ist mehr auf das Drehbuch Ludwig Bergers zurück zu führen, als auf die Regie. Mady Christians in der Titelrolle gelingt es, die Entwicklung eines Charakters sichtbar zu machen.

Königin Luise
D 1930
Regie: Karl Grune
Schmalfilmfassung, Zusammenschnitt von Teil 1 und 2 des Grune-Films

Henny Porten in \"Luise, Königin von Preußen \"1931; F: FMP
Luise, Königin von Preußen
D 1931
Regie: Carl Froelich
Luise: Henny Porten
Buch: Fred Hildenbrandt, Friedrich Raff, Julius Urgiß - nach dem Roman von Walter von Molo
Kamera: Friedl Behn-Grund
Bauten: Franz Schroedter
Kostüme: Ali Hubert
Musik: Hansom Milde-Meißner
Produktionsfirma: Henny Porten-Film GmbH
Der Film entscheidet sich gegen die Chance, sein Publikum mit Anekdoten um die junge Luise zu unterhalten. Die Handlung setzt 1805 ein, als es schlimm steht um Preußen und seine Königin. Der Film will relevant und ernsthaft sein. Er will das Hohelied der Mutter singen, die gleichzeitig Diplomatin, Reformerin und Prophetin ist. Er will Luise als duldendes Opfer und aktiv Handelnde zeigen. Er plädiert laut gegen den Krieg, kommt aber nicht umhin, Frankreich den Kampf anzusagen. Gebietsverluste und Limitierung der Heeresmacht werden beklagt. Tilsit wird erneut zum Synonym für Versailles. Schlusswort ist die These, ein Sieg der Deutschen bedeute für die besiegte Nation ebenso Schmach und Schande. Eine Luise, die derartiges ausspricht, war 1932 unakzeptabel. Der Film sollte das opus summum seiner Produzentin und Hauptdarstellerin Henny Porten werden. Sein Misserfolg war ihr finanzieller Ruin.

Luise, Königin von Preußen
D 1932
Regie: Carl Froelich
Luise: Henny Porten
um ca. 600 m (22 Minuten) gekürzte Fassung des Froelich-Films
Film ist nicht erhalten.

Die elf Schillschen Offiziere
D 1932
Regie: Rudolf Meinert
Luise: Erna Morena
Buch: Rudolf Meinert
Kamera: Eduard Hoesch, Hugo von Kaweczynski
Bauten: Heinrich Richter
Musik: Karl M. May
Produktionsfirma: Märkische Film GmbH
Film ist nicht erhalten.
Sechs Jahre nach dem ersten Schill-Film widmet sich derselbe Regisseur, Rudolf Meinert, ein weiteres Mal dem preußischen Helden. Nationalistische Ausfälle haben Hochkonjunktur: "Wieder ist das Vaterland in Not (...), wieder gibt es Männer mit heißem Herzen, die des Paktierens müde sind, die dreinschlagen möchten..." Nach neuen Positionen klingt das nicht, eher danach, als würde "rechte" Morgenluft gewittert und für die nun tönende Leinwand beschworen. Es läßt sich nicht überprüfen, der Film ist nicht erhalten. In zeitgenössischen Inhaltsangaben kommt Königin Luise nicht mehr vor. Die Presse lobt ihre Verkörperung durch Erna Morena, die ohne "billigen Heroismus" spiele.

Irene von Meyendorff in \"Kolberg\" 1945; F: FMP
Kolberg
D 1945
Regie: Veit Harlan
Luise: Irene von Meyendorff
Buch: Alfred Braun, Veit Harlan
Kamera: Bruno Mondi
Bauten: Karl Machus, Erich Zander
Musik: Norbert Schultze
Produktionsfirma: Ufa-Filmkunst GmbH
Die schönste und wundersamste aller Leinwand-Luisen erscheint für eine einzige Szene mitten im nationalsozialistischen Getöse historischer Un- und Halbwahrheiten, im farbenfrohen, komparsenreichen, laut gebrüllten, filmischen Aufruf zum letzten Aufgebot. Regisseur Veit Harlan beteuert später in seinen Memoiren, die Begegnung der Königin mit einem einfachen Bauernmädchen, wie in Paul Heyses Schauspiel "Colberg" beschrieben, sei eine der wenigen Szenen, für die er die "künstlerische Verantwortung" übernehmen wolle. Luise ist hier zum Bildstock erstarrt, an dem die Preußen 1809, ebenso wie das deutsche Premierenpublikum des Films am 30. Januar 1945, um ein Wunder bitten konnten.

Ruth Leuwerik in \"Königin Luise\" (1957); F: Stiftung Deutsche Kinemathek
Königin Luise
Liebe und Leid einer Königin
BRD 1957
Regie: Wolfgang Liebeneiner
Luise: Ruth Leuwerik
Buch: Georg Hurdalek
Kamera: Werner Krien
Bauten: Gottfried Will, Rolf Zehetbauer
Kostüme: Herbert Ploberger, Brigitte Scholz
Musik: Franz Grothe
Produktionsfirma: KG Divina-Film GmbH Co

Was mit den Habsburgern und ihrer Sissi im Kino der 1950er möglich war, funktioniert mit den Hohenzollern und Luise nicht. Freiwillige Selbstkontrolle und Presse bäumen sich angesichts des Filmes auf: Er sei "geeignet, monarchistische und nationalistische Gedanken bei der Jugend zu wecken, (... die Geschichte werde) zum Anlass einer verlogenen ‚Weisheit‘ genommen: Fange nach der Niederlage klein an (...) und alles wird wieder gut!" Entsprechend der Empörung über das Thema, hat die Presse für die Titelfigur oft nur höhnische Kommentare übrig: "Da hätten wir also wieder Frau Leuwerik, wie sie leibt und trappt." Aus heutiger Sicht ist "Königin Luise" vielmehr ein Film über das Jahr 1957 als über preußische Geschichte von 1802 bis 1810. Es ist ein Film über den Zeitgeist in der jungen Bundesrepublik und kaum verheilte, nationale Wunden - vielleicht der interessanteste in der Luise-Filmografie.

Der 30. Januar 1945. Eine zeitgeschichtliche Dokumentation (Der Fall Kolberg)
BRD 1965, Dokumentarfilm
Regie: Lothar Kompatzki (Reedition), Veit Harlan
Luise: Irene von Meyendorff
Buch: Erwin Leiser, Raimond Ruehl
Produktionsfirma: Atlas Filmverleih GmbH
mit Kommentaren und Wochenschau-Ausschnnitten versehene Reedition des Harlan-Films

Die Geschichte des Rittmeisters Schach von Wuthenow
BRD 1966, TV
Regie: Hans-Dieter Schwarze
Luise: Gertrud Kückelmann
Buch: Dieter Meichsner - nach der Novelle von Theodor Fontane
Kamera: Werner Kurz, Gernot Roll, Hans Peter Göpel
Bauten: Siegfried Stepanek, Herbert Strabel
Kostüme: Margit Bárdy
Musik: Erich Ferstl
Produktionsfirma: Bavaria Atelier GmbH für Südfunk Stuttgart
Als Bote aus den Sixties erscheint Luise in dieser Fernsehversion von Theodor Fontanes "Schach von Wuthenow" mit ondulierter Turmfrisur und schickem Strickkleid. Gleich einem Modefoto aus der "Brigitte" steht sie im Ovalen Saal des Charlottenburger Schlosses und blickt in den Park. Dann löst sie überlegen, mit wissender Ironie in der Stimme, die erotische Verwirrung des Titelhelden und stellt sich wieder in Pose. Es ist eine fiktive Geschichte und die schöne Gertrud Kückelmann spielt keine historisch korrekte Luise. Die Szene ist der augenzwinkernde Hinweis des Regisseurs, das Heutige im Fontane-Stoff zu entdecken. Die Verfilmung der Erzählung durch das DDR-Fernsehen verzichtet auf einen Auftritt Luises.

Regina Beyer in \"Scharnhorst\" 1978; F: Bundesarchiv/Filmarchiv
Scharnhorst
DDR 1978, TV
Regie: Wolf-Dieter Panse
Luise: Regina Beyer
Buch: Hans Pfeiffer
Kamera: Gerhard Gitschier, Bernd Müller, Eckehard Rodner, Wolfgang Voigt
Kostüme: Doris Haußmann
Musik: Henry Krtschil
Produktionsfirma: DDR- Fernsehen
Vier Szenen werden Luise im Fünfteiler des DDR-Fernsehens gegönnt. Sie ist indigniert und wütend gegenüber Hardenberg, kühl und gefaßt beim Treffen mit Napoleon 1807, mitleidig und überlegen mit Friedrich Wilhelm im Schlafzimmer und ganz Diplomatin im Gespräch mit Kalckreuth. Was bleibt, ist das Bild einer genervten, modernen Frau, die sich der Tatsache bewusst ist, dass es ausschließlich Männer sind, die um sie herum Geschichte machen. Wie Regina Beyer das spielt, legt nahe, dass sie dazu nicht nur bereit, sondern auch fähig wäre. Aber es ist Scharnhorst, der interessieren soll, als progressiver Geist und möglicher Urvater der Nationalen Volksarmee. Die DDR beginnt, in der preußischen Geschichte nach ihrer Legitimation zu suchen.

Glanz und Stille. Königin Luise und ihre Schlösser
D 1997, TV-Dokumentation
Regie: Katja Aschke
Kamera: Hendrik Stegner, Artur Stoll
Produktionsfirma: SR

Geliebte Luise
Bilder einer Königin
D 2000, TV-Dokumentarfilm
Regie: Sebastian Schubert
Kamera: Christoph Lerch
Produktionsfirma: ORB / Arte

Napoléon
F, BRD, I, CDN, USA, GB, H, E, CS 2002, TV
Regie: Yves Simoneau
Luise: Komparsin
Buch: Didier Decoin - nach dem Roman von Max Gallo
Kamera: Guy Dufaux
Bauten: Lionel Acat, Mónika Esztán, Rémy Jouvin-Bessière, Pierre Michon
Kostüme: Pierre-Jean Larroque
Musik: Michel Cusson, Richard Grégoire
Produktionsfirma: A E Television Networks, ASP Productions, GMT Productions, Great British Films, Kekchi Films Productions, KirchMedia, MA Films, Okko Productions, Spice Factory, Transfilm, ZDF
Nur der zweite Teil des aufwändig produzierten TV-Vierteilers zeigt die Königin Luise - 30 Sekunden lang, wie sie durch das Jenaer Schlachtfeld kutschiert. Ihr großer Widersacher Napoleon beobachtet die Flucht durch sein Fernglas und bemerkt süffisant: "Die Königin von Preußen. Der Krieg scheint sie nicht mehr zu amüsieren. Dass Frauen doch so wankelmütig sind." Mit einem Satz degradiert Napoleon die kriegswütige "Walküre", wie sie in der Szene zuvor von Marquis de Caulaincourt empört genannt wurde, zu einer Fußnote des Siegeszuges durch Europa. Verwundert es da noch, dass die Darstellerin eine namenlose Komparsin ist?

Vivat - Königin Luise im Fichtelgebirge
Spurensuche 1805 und 2005
D 2005
Regie: Gerald Bäumler
Luise: Eva Maria Rothemund
Buch: Gerald Bäumler
Kamera: Franz Proksch, Gerald Bäumler, Armin Fuchs, Tobias Proksch
Musik: Armin Fuchs
Produktionsfirma: gb production
1805 reisten Luise und Friedrich Wilhelm III. ins Oberfränkische. Bis heute erinnern Festspiele in Wunsiedel und Bad Alexandersbad an jenen denkwürdigen Besuch. Der Film dokumentiert Straßenumzug und Weihespiel im Jubiläumsjahr 2005, nähert sich mit freundlicher Neugier den luisebegeisterten Fichtelgebirglern und ihren Gästen. Ein Historiker bringt das kostümfrohe Treiben ins rechte Lot, ein rasender Reporter ist für das Schmunzeln zuständig und die Darstellerin der Luise entdeckt im Interview Gemeinsamkeiten mit der Königin. Die Legende lebt! Im Fichtelgebirge!

Nordtour
D 2007, TV
Autorin: Kerstin Alwardt
Dokumentation über den Weg des Trauerzuges

Nordmagazin
D 2008, TV
Autorin: Kerstin Alwardt
Dokumentation über den Weg des Trauerzuges

Die Deutschen
Folge 7/10: Napoleon und die Deutschen
D 2008, TV-Dokufiction
Regie: Olaf Götz, Erica von Moeller, Stephan Koster
Luise: Ana Maria Opra
Königin Luise: Ana Maria Opra
Buch: Stefan Brauburger
Kamera: Matthias Haedecke, Jörg Adams
Produktionsfirma: Gruppe 5 Filmproduktion GmbH für ZDF

Luise Bähr in  \"Luise - Königin der Herzen\" (2010); F: LOOKS Film  TV Rostock
Luise. Königin der Herzen
D 2010, TV- Dokufiction
Regie: Georg Schiemann
Luise: Luise Bähr
Buch: Daniel Schönpflug
Kamera: Werner Helbig
Bauten: Lothar Kuhn
Kostüme: Annelise Pulst
Produktionsfirma: LOOKS Film TV für NDR / ARTE
Reenactment - das ist die aktuelle Lösung, wenn das Fernsehen über Zeiten berichtet, aus denen es kein Filmmaterial gibt. Jubiläen sind willkommener Anlass hierfür. Der 200. Todestag von Luise wird auf ARTE mit "Königin der Herzen" bedacht. Der Zuschauer erlebt einen kleinen historischen Ausstattungsfilm, mit allen gern erzählten Schnurren aus Luises Leben seit ihrer Kindheit, wie in Knötels Bilderbuch aus dem Jahr 1896. Die Figuren sind stumm wie im "Film von der Königin Luise" aus dem Jahr 1913. Der Ton liefert Erklärungen, Zitate und Interviews mit Historikern. Sie kommentieren die nachgespielten Ereignisse entsprechend dem aktuellen Stand der Forschung. Luises Leben ist leicht verdaulich in der neuesten Fernsehnorm aufbereitet - auf 50 Minuten komprimiert, im 16:9-Format und in HD-Qualität.

PRESSE
Engelsgleiche Herrscherin
Ausstellung zum Luisenjahr über die legendäre Preußenkönigin im Kino- und Fernsehflim
(MAZ, Ricarda Nowak, 20.3.2010)
Keine Preußenkönigin hat das Kunstschaffen mehr angeregt als Luise, Gemahlin Friedrich Wilhelms III. (1770 - 1840). Dichter, Maler, Bildhauer verewigten sie. Auch Filmemacher beschäftigten sich intensiv mit der Herrscherin, die 1810 im Alter von nur 34 Jahren starb. Anlässlich ihres 200. Todestages wird am kommenden Mittwoch im Filmmuseum die Ausstellung "Luise. Königin der Herzen" eröffnet, die sich der Darstellung der obersten Preußin in Kino- und Fernsehfilmen widmet.
1913 eroberte Luise zum ersten Mal die Leinwand, engelsgleich und stets besorgt um das Wohl Preußens. Hansi Arnstaedt verkörperte sie im "Film von der Königin Luise", Der Dreiteiler wurde damals mit einem riesigen Aufwand beworben, sagt Alexa Eberle, die mit Filmmuseumsmitarbeiter Guido Altendorf die Schau kuratierte. Noch wirbeln die Handwerker in den Ausstellungsräumen, werden Vitrinen mit zeitgenössischen Rezensionen und Artikel zu den Produktionen bestückt, sind die Originalkostüme unter Folie schützend verpackt.
In 24 Film- und Fernsehproduktionen, darunter vier Dokumentationen, setzten Regisseure der berühmten Aristokratin ein Denkmal. Allein in der Weimarer Republik entstanden sechs Luise-Filme, in denen sich Verlustgefühle gegenüber dem Kaiserreich und seinen Institutionen widerspiegelten, so Altendorf. Historisch korrekt sei jedoch keiner der Spielfilme gewesen. Im Filmmuseum begegnet man außer Hansi Arnstaedt weiteren Luise-Darstellerinnen - etwa Henny Porten ("Luise, Königin von Preußen", 1931), Ruth Leuwerik ("Königin Luise", 1957) oder Regina Beyer ("Scharnhorst", 1978), die im DDR-Fernsehen die Adlige als "flotte Emanze" geben durfte, wie es in der Ausstellungswerbung heißt.
Luises Verdienste als Politikerin werden ebenso gestreift wie die Mythen, die sich um die "Königin der Herzen" ranken, so ihre Schwärmerei für den russischen Zaren Alexander I. Die Schau ordnet die Filme historisch ein und bietet vergleichende Ausschnitte. "Wir wollen zeigen, was Luise von den Drehbuchautoren in der jeweiligen Zeit in den Mund gelegt wurde", sagte Alexa Eberle, die Henny Porten als Königin von Preußen favorisiert. Ihre Rolle sei einerseits pazifistisch angelegt worden, andererseits wurden im Film, der zwei Jahre vor Beginn der NS-Diktatur ins Kino kam, Gebietsverluste im Zuge des Krieges gegen Napoleon beklagt.
Eine Film- und Veranstaltungsreihe wird die Exposition begleiten. Zur Eröffnung werden die Luise-Darstellerinnen Magdalena Pilgrim, Eva-Maria Rothemund, Luise Bähr erwartet.
Vernissage im Filmmuseum am Mittwoch, 24. März, 18.30 Uhr.

Der Mythos Luise
Dem "Mythos Luise" widmen der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der Kultursender Arte eine szenische Dokumentation mit dem Titel "Luise - Königin der Herzen".
(dpa, Winfried Wagner)
Hufgeklapper, zwei Schimmel ziehen eine weiße Hochzeitskutsche vor dem Theater Neustrelitz über die Straße, die "Prinzessin" winkt dem Volk zu, Jubel brandet auf - die Szene ist im Kasten. Es ist Drehtag in der großherzoglichen Residenzstadt, einst Heimat der Königin Luise von Preußen (1776-1810). Dem "Mythos Luise" widmen der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der Kultursender Arte eine szenische Dokumentation mit dem Titel "Luise - Königin der Herzen". Sie soll Ende 2009/Anfang 2010 ausgestrahlt werden, berichtet Marco Voss, Film-Produktionsleiter von der Looks Medienproduktion Rostock. Anlass für das Vorhaben ist der 200. Todestag der beliebten Adligen im Jahr 2010.
Die Sonne scheint, das Wetter meint es gut mit Regisseur Georg Schiemann, 120 Komparsen, acht Schauspielern und der Crew von 40 Leuten. Die Preußenkönigin und Frau von Friedrich Wilhelm III., der von Markus Kunze gespielt wird, stammt aus einem der kleinsten deutschen Lande, Mecklenburg-Strelitz, das seit 1701 enge Verbindungen zu Preußen hatte. "Die Wurzeln reichen in fast alle großen Adelshäuser", sagt Hans-Jürgen Engel, Begründer der Louisen-Gedenkstätte im benachbarten Hohenzieritz. So saßen Frauen aus Mecklenburg-Strelitz einst an der Seite des Zaren in Russland, auf dem Thron in Hannover, auch neben dem englischen König. "Doch keine von den Angehörigen der Luise erreichte je ihren Bekanntheitsgrad in Deutschland."
Warum dies so war, das will die Dokumentation aufzeigen. Dazu wurden originale Dokumente gesichtet und an historischen Orten gedreht. Die Überlieferungen von Zeitzeugen aus Familie und Umfeld werden mit Filmszenen ergänzt. Es wird auf die Kindheit, die Zeit als Kronprinzessin, ihre Jahre als Königin in Berlin, ihre mecklenburgische Heimat, Flucht und Tod eingegangen. In einer Szene gibt Luise Bähr als Luise einem Bürgermädchen einen Kuss als Dank für die Begrüßung - und erntet eine Ermahnung ihrer Gouvernante. Mit solchen Gesten kam Luise beim Volk an. Sie soll sich für die preußischen Reformen des Freiherrn von Stein eingesetzt haben, Friedrich Schinkel, Wilhelm von Humboldt schätzten sie. Nur Napoleon widerstand ihrem Charme. 1810 starb Luise in Hohenzieritz. Ihr Sarg wurde nach Berlin gebracht.