Dogville
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Lebensräume als Spielräume - Architektur im Film

Mai - Oktober 2006

Film- und Veranstaltungsreihe im Rahmen des Themenjahres:
Horizonte. Kulturland Brandenburg 2006 | Baukultur
Präsentiert durch die Potsdamer Neueste Nachrichten
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"Kulturland Brandenburg 2006" wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie das Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung des Landes Brandenburg. Mit freundlicher Unterstützung der brandenburgischen Sparkassen gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Brandenburg.

"Kino handelt von der Beziehung der Menschen zum Raum." André Bazin
Im Rahmen des Themenjahres "Horizonte. Kulturland Brandenburg 2006 I Baukultur" widmete sich das Filmmuseum Potsdam in einer breit angelegten Filmreihe dem Verhältnis von Architektur und Film. Im Mittelpunkt der ausgewählten Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Experimentalfilme stand die sozialen, kulturellen und ökonomischen Dimensionen von (Innen-)Räumen.

Seit den Anfängen des Films haben sich Architekten und Filmemacher immer wieder aufeinander bezogen und wechselseitig beeinflusst. Der Film prägte die populäre Meinung dessen, was moderne Architektur ist; denn er war wichtigstes Medium für die Verbreitung von Architektur als Zeichen von Wohlstand und Progressivität. Filmarchitektur spiegelte und spiegelt zeitgenössische Entwicklungen und Veränderungen, reflektiert und kommentiert Diskussionen auf der Höhe der Zeit.

Heute müssen Stadtplaner und Architekten mit europaweit sinkenden Bevölkerungszahlen und damit schrumpfenden Städten, ein Vorgang historischen Ausmaßes, umgehen lernen. Ein Paradigmenwechsel ist notwendig: Nicht der Aufbau, sondern der Rückbau rückt ins Zentrum. Muss aber Leere wirklich den Verlust des "Urbanen" bewirken? Brachen müssen als Chance begriffen werden. Als physisches Zeichen des Nicht-Mehr und Noch-Nicht künden sie auch von der situativen Offenheit und neuen Möglichkeitsräumen. Der Dokumentarfilmessay NICHT-MEHR | NOCH-NICHT reflektiert den Möglichkeitsraum und stellt unkonventionelle Akteure, Projekte und Visionen vor. Was kann die Botschaft der städtischen Brache an den Citoyen sein?
Zwei Podiumsdiskussionen zum Thema "Luxus der Leere" und Schlafstädte als sozialer Sprengstoff sollen die Filmvorführungen am Ende der Filmreihe vertiefen. Wir danken dem Kulturland Brandenburg e. V. für seine Unterstützung der Film- und Veranstaltungsreihe.

DAS PROGRAMM

Flächen-Kino-Bunker R: Hartmut Bitomsky, D 1991, Dok., 52’
Ein Videofilm über Filme und ihre Schauplätze, der erst gar nicht versucht, ein System in die Verwendung von Schauplätzen zu bringen oder eine Kino-Schauplatz-Theorie zu entwerfen. Vielmehr will er den unglaublichen Reichtum und Erfindungsgeist veranschaulichen, den das Kino bei seinem Umgang mit den Orten der Handlung entfaltet hat. Als Beispiele dienen Filme unter anderem von Hitchcock, Chaplin, Buñuel und Lang.
Vorfilm: One Week R: Buster Keaton, D: Buster Keaton, Sybil Seely, Joe Roberts, USA 1920, OF, 20’
Zur Hochzeit bekommt Buster ein Fertighaus geschenkt, eines zum Selbstbauen. Sein neidischer Rivale vertauscht die Nummern der Kisten, in denen sich die Einzelteile befinden. Zur Einweihungsparty kann Buster nur ein höchst seltsames Gebilde vorstellen.

Liebe 1962 ("L'Eclisse") R: Michelangelo Antonioni, D: Monica Vitti, Alain Delon, I/F 1961/62, 122’
Die sensible, optimistische Vittoria trennt sich von ihrem Liebhaber Riccardo. Als sie ihre Mutter in der Börse aufsucht, trifft sie Piero, einen jungen, engagierten Börsenmakler. Liebe 1962 ist Antonionis abschließender Kommentar zur Entfremdung des Menschen in der Gesellschaft. Die Isolation und Kommunikationslosigkeit auf narrativer Ebene drückt sich in der stilistisch abstrakten Bildkomposition aus. Szenerien und Architektur spiegeln die Gefühlskälte, innere Leere und Selbstentfremdung der Protagonisten. Den ungeheuerlichen Höhepunkt bildet die siebenminütige Schlusssequenz sich leerender Strassen und Plätze Roms, während der langsam die Nacht anbricht.

Stummfilmabend
Der Golem, wie er in die Welt kam R: Paul Wegener, D: Paul Wegener, Albert Steinrück, Lyda Salmonova, D 1920, 84’
An der Welte-Kinoorgel Helmut Schulte
Prag im 16. Jahrhundert: Rabbi Loew, geistlicher Führer der jüdischen Gemeinschaft, fühlt, dass seiner Gemeinde Unheil droht. Der Magier formt aus Lehm eine Statue und haucht dieser Leben ein. Der Golem rettet dem Kaiser das Leben, worauf dieser das Dekret widerruft, welches die Vertreibung der Juden aus Prag verordnete. Damit hat der Golem seine Aufgabe erfüllt, doch durch den Duft einer Rose erwacht seine Sinnlichkeit. Er verliebt sich in die Tochter des Rabbis und lehnt sich gegen seinen Schöpfer auf. Hans Poelzigs außergewöhnliche, von Jugendstil und Expressionismus bestimmte Bild- und Dekorgestaltung hat bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren.

Dogville R: Lars von Trier, D: Nicole Kidman, Harriett Andersson, Lauren Bacall, DK/S/GB/D/FIN/NL 2003, 178’
Auf der Flucht vor Gangstern taucht eines Tages eine junge Frau in einer kleinen Gemeinde in den Rocky Mountains auf. Nur widerwillig gewährt man ihr Asyl, doch das ihr zugebilligte Leben am Rande der Gemeinschaft muss sie sich mit jeder erdenklichen Art von Verdinglichung erkaufen. Auch der in sie verliebte Mann hält auf Dauer dem sozialen Druck der Mitbewohner nicht stand. Das Auftauchen der Gangster wird für die Geknechtete zum Akt der Erlösung. Dreistündige Theateraufführung, die durch eine faszinierende Kameraarbeit sowie die exzellente Montage die Grenzen des Kinos neu definiert. Erzählt wird eine Passionsgeschichte, die sich nicht nur als Tugendprobe bewährt, sondern zugleich hinter die Larve einer bis ins Mark verrotteten Gesellschaft blicken lässt.

Tati's Playtime ("Tempo di Divertimento") R: Jacques Tati, D: Jacques Tati, Luce Bonifassy, F/I 1965, OF, 119’
Jacques Tatis aufwendig in Szene gesetzte Satire auf die Hektik und Vermassung des modernen Menschen in der Großstadt, auf seinen Kampf mit den Auswüchsen einer bis zur Gesichtslosigkeit normierten Zivilisation und den Tücken des Objektes. Wie ein roter Faden leitet Tatis Kunstfigur "Monsieur Hulot" durch das generalstabsmäßig gestylte Haus seiner Schwester und ein gläsernes Büro- und Ausstellungsgebäude, das von amerikanischen Touristen besichtigt wird, bis es in einem kaum fertiggestellten Nobelrestaurant zu einer unerwartet fröhlichen Feier kommt.

The Fountainhead R: King Vidor, D: Cary Cooper, Patricia Neal, USA 1948, OF, 112’
Ein amerikanischer Architekt will an seinen modernistischen Idealen keine Abstriche machen und bekommt nach langen Hungerjahren die große Chance. Als auch bei diesem Projekt Kompromisse gemacht werden, setzt er sich zur Wehr und kommt vor Gericht, wo er Beistand von unerwarteter Seite findet. Die Verfilmung orientierte sich an der Biographie von Frank Lloyd Wright. Der Film bleibt vor allem in seiner visuellen Gestaltung hervorragend: Selten wurde der modernen Architektur ein so eindrucksvoller Raum zugewiesen.

Züri brännt R: Ronnie Wahli, CH 1981, Dok., OmU, 90’
1980 wurde die Bahnhofstraße der renommierten Bankenstadt Zürich durch regelmäßige Krawalle erschüttert. Hunderte von Jugendlichen protestierten auf öffentlichen Versammlungen gegen den bürgerlichen Kulturbetrieb. Die Revolte entzündete sich vor allem an der Forderung um ein autonomes Jugendzentrum. Die Ordnungshüter reagierten mit aller Härte. Höhepunkt der Auseinandersetzungen war im Sommer der "Opernhauskrawall". Die "Bewegung" übertrug sich ebenso auf Basel, Bern, Lausanne und Genf. Schnell entstanden kollektive Produktionsstätten junger Filmemacher: Züri brännt war der erste große Film, der die Unruhen dokumentierte.

Fallen Angels ("Duoluo Tianhi") R: Wong Kar-wai, D: Leon Lai Ming, Michelle Reise, Hongkong 1996, 92’
Im Chungking-Quartier, wo bereits Chungking Express, seine Hommage an den Moloch Hongkong angesiedelt war, entfesselt Wong Kar-wai einen neuen Figurenreigen, diesmal um einen berufsmüden jungen Killer, den "gefallenen Engel". Nächte gibt es nicht, rund um die Uhr pulsiert das Leben, aber alles bei Neonlicht. Tageslicht dringt nicht ein in diese Welt von Tiefgeschossen, Tunnels und Passagen. Wong Kar-wai trifft mit seinen kleinen, alltäglichen Episoden und dem rasanten Großstadt-Rhythmus seiner Filme den Nerv eines modernen Lebensgefühls: Rastlosigkeit, Perspektivlosigkeit, Einsamkeit und Freiheit. Alles wird verstärkt durch das Gefühl rasant verrinnender Zeit, in Hongkong kurz vor dem Anschluss.

5. Europafest in Potsdams historischer Mitte:
Balkonszenen. Der Sommer geht - die Mitte leuchtet! Klang- und Lichtzauber zwischen Nikolaisaal, Neuem Markt und Filmmuseum

Romeo und Julia im Schnee R: Ernst Lubitsch, D: Jakob Tiedtke, Marga Köhler, Gustav von Wangenheim, D 1920, 34’
Musikalische Begleitung: Peter Gotthardt
Frühe Stummfilmgroteske von Ernst Lubitsch, die den Shakespeare-Stoff in den Schwarzwald versetzt und ihn mit Karikaturen aus dem Volksstück belebt. Die Capulethofers verloben ihre Julia mit einem törichten, verfressenen Jüngling aus der Nachbarschaft, und der Streit der Familien wird vom Apotheker mit Hilfe von Zuckerwasser vereitelt. Die Pointen sitzen präzise und akzentuiert.

Cyrano von Bergerac R: Jean-Paul Rappeneau, D: Gerard Depardieu, Anne Brochet, Vincent Perez, F 1989, 135’
Cyrano, ein durch seine große Nase missgestalteter Gardist, der die Kunst des Fechtens nicht minder beherrscht als die des Dichtens, leidet unter der unerwiderten Liebe zu seiner schönen Kusine. Um ihr nahe zu sein, bietet er seinem Nebenbuhler an, in dessen Namen die amouröse Korrespondenz mit ihr zu erledigen. Auch als die beiden Männer in den Krieg ziehen, schreibt Cyrano weiterhin Liebesbriefe. Erst Jahre später entdeckt die Angebetete die Wahrheit, doch die Liebe findet keine späte Erfüllung. Aufwendige, in prachtvollen Bildern gestaltete Neuverfilmung des gleichnamigen romantischen Theaterstücks von Edmond Rostand, die sich eng an die Vorlage hält, alle Dialoge in Versform darbietet und die Geschichte mit Elementen des Abenteuer- und Actionfilms verbindet. Gérard Depardieu brilliert in der Titelrolle des unglücklichen Liebhabers zwischen draufgängerischem Heldentum und zarter Poesie.

Sommer vorm Balkon R: Andreas Dresen, D: Inka Friedrich, Nadja Uhl, Andreas Schmidt, D 2005, 110’
Die Geschichte zweier nicht mehr ganz junger Freundinnen, die mit unterschiedlichem Geschick und allen Lebenserfahrungen und Rückschlägen zum Trotz die Suche nach dem Glück nicht aufgegeben haben. Die rundum stimmige melancholische Komödie über Liebe, Freundschaft, Solidarität, Arbeitslosigkeit und Einsamkeit vermittelt die angeschnittenen Themen völlig unaufdringlich und beweist trotz der nachdenklichen Grundstimmung ein subtiles Gespür für das Komische im Alltag.
In Anwesenheit von Nadja Uhl

Kino im Filmmuseum:
Evita R: Alan Parker, D: Madonna, Antonio Banderas, USA 1996, 125’
Evita Peron ist ein Idol. Die Gattin des Diktators Peron, die jung an Krebs starb, wird in Argentinien verehrt wie eine Heilige. Madonna ist ein Idol; Rockstar, Sex-Symbol, Filmstar. Madonna in der Rolle der Evita ist ein spannendes Unterfangen: Eine Überblendung der Idole. Der argentinische Entrüstungssturm - Madonna besudelt die Nationalheilige - hat sich gelegt. Übrig bleibt ein hervorragender Musical-Film und das Staunen über Madonna: Ihr gelang, als die Rolle des Sex-Symbols ausgereizt war, die radikalste Metamorphose ihres Lebens: Hochgeschlossen, streng frisiert, eine absolut perfekte Eva Peron, die personifizierte Bescheidenheit.

Yellow Submarine R: George Dunning, GB 1967, OmU, 90’
Die Beatles, längst zur Ikone gewordene Pop-Band der 60er-Jahre, retten bei ihrer Fahrt im gelben Unterseeboot das farbenprächtige Pepperland vor den Mächten des Unmenschlichen und Amusischen und befreien mit der Kraft ihrer Songs ein verwunschenes Hippie-Paradies. Stilbildender Zeichentrickfilm als Ausdruck eines Lebensgefühls, wobei sich Populärkultur und künstlerische Avantgarde kongenial beeinflussen.

"SCHINKEL - Künstler. Preuße. Brandenburger"
Zur Ausstellung (19. Mai - 9. Oktober) des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte im Kutschstall Am Neuen Markt in Potsdam.
Karl Friedrich Schinkel R: Harald Quist, DDR FS 1981, Dok., 31’
Das Kulturmagazin der DDR würdigt zum 200. Geburtstag Leben und Werk des universellen Künstlers Karl Friedrich Schinkel - als Bauherr, Architekt, Formgestalter, Bühnenbildner und Maler.
Charlottenhof R: Ernst Laude, DDR FS 1982, Dok., 14’
Vorstellung des Schlosses Charlottenhof mit seiner Gartenanlage im Park Sanssouci, eine der bedeutendsten Leistungen der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts von Schinkel und Lenne.
Einführung: Gert Streidt (Geschäftsführender Direktor HBPG) und Andreas Bernhard (Kurator der Ausstellung)

Christo and Jeanne-Claude - Verhüllter Reichstag 1971 - 1995 - Dem deutschen Volke R: Wolfram und Jörg Daniel Hissen, D/F 1996, Dok., 98’
Stück Stoff R: Johannes Kley, D 2002, Dok., 52’
Der launige Filme fängt Stimmen rings um die Einhüllung des Reichstags von Christo und Jeanne-Claude ein. So kommen neben kritischen Kindern "verrückte" Fans ebenso zu Wort wie die Mitarbeiter, von denen einer die ausschließliche Jagd nach den Stofffetzen beklagt.

In Zusammenarbeit mit "Ideal City - Invisible Cities": Ausstellung u.a. im Schaufenster der FHS und im öffentlichen Raum, veranstaltet von European Art Projects, Berlin in Kooperation mit dem Brandenburgischen Kunstverein Potsdam
Öffentliche Vorlesung: Swingline in offener Stadt - Bilder und Gedanken zu Oscar Niemeyer und zu Zukunft und Internationalismus als Horizont für Potsdam
Prof. Dr. Claus Baldus (Potsdam School of Architecture, Lehrgebiet Architekturtheorie und Philosophie)
Anschließend: Oscar Niemeyer, Life is a Whiff R: Fabiano Maciel, Brasilien 2004, Dok., OmE, 70’
Vorfilme: Vacancy R: Matthias Müller, D 1998, 15’
Brasilia - Pilotplan der Moderne R: Jens Dücker, D 1995, 14’
Der Film "Brasilia - Pilotplan zur Moderne" berichtet über die Entstehungsgeschichte der Hauptstadt Brasiliens. Die Retortenstadt Brasilia ist ein Musterbeispiel für moderne Stadtplanung und die Ästhetik der Architektur des 20. Jahrhunderts. In nur vier Jahren, von 1956 bis 1960, wurde die künstliche Metropole nach den Entwürfen des Stadtplaners Lucio Costa im brasilianischen Hinterland aus dem Boden gestampft. Die monumentalen Bauten des Architekten Oskar Niemeyer beeindrucken nicht nur durch ihre Formensprache sondern auch durch die Halleffekte. Ihr Klang mischt sich in den Sound von Brasilia, einer Stadt in der alles weit entfernt, gewaltig, sauber und unpersönlich wirkt.
Wolfsburg-Eisenhüttenstadt: Heimat vom Reißbrett, R: Thomas Grimm, D 1997, 45’
Bild aus Hunderttausend Steinen R: Lutz Köhlert, DDR 1958, 22’
Nach 900 Tagen R: Karl Gass, Joop Huisken, DDR 1953, 23’
Einführung: Jan Maruhn (Architekturhistoriker und Direktor der Berliner Bildhauerwerkstatt)

Geschichte der Nacht R: Clemens Klopfenstein, CH/BRD/F/I 1978, Dok., 63’
West- und osteuropäische Städte in der Nacht, aufgenommen von der "Stunde des Wolfs" bis zum Morgengrauen. Die unkommentierten Bilder nächtlich verödeter Straßen und Plätze, finsterer Fassaden und unheimlicher Kreuzungen ergeben, zusammen mit der Nachtmusik aus Geräuschen, Stimmen und Tönen, einen meditativen, radikal gegen alle Fernsehgewohnheiten gerichteten Film, der sich eilfertigen Interpretationen entzieht und vom Zuschauer verlangt, sich mit Hilfe der eigenen Fantasie und Einfühlung auf eine unwirklich-surreale Reise durch 150 Nächte (der Drehzeit entsprechend) zu begeben.

Der verlorene Sohn R: Luis Trenker, D: Luis Trenker, Eduard Köck, Maria Andergast, D 1934, 80’
Das Heimweh eines Auswanderers in New York treibt ihn zur Rückkehr in die Südtiroler Heimat. Ein mit Landschaftsaufnahmen aus den Dolomiten garnierter Heimatfilm, dessen überzeugende Kameraarbeit die majestätische Bergwelt mit den Häuserschluchten New Yorks kontrastiert und die Verlorenheit des einzelnen augenfällig macht.

Kurzfilmprogramm
Mieter R: Michael Rösel, D 2003, 1’
Die Familie sitzt zu Tisch im trauten Heim. Gemütlichkeit breitet sich aus. Da kündet ein fernes Grummeln Unheil an.
Kleingeld R: Marc-Andreas Bochert, D 1999, 15’
Der 15-minütige Spielfilm erzählt die Geschichte einer sonderbaren Beziehung zwischen einem Bettler und einem Nadelstreifenmann. Eines Tages steht der Bettler auf dem Bürgersteig zwischen Parkplatz und Bürohauseingang (Potsdamer Platz), stumm, mit einem leeren Pappbecher um Kleingeld bittend. Aus den ersten verlegenen Spenden des Krawattenträgers wird eine tägliche Gewohnheit. Als eines Tages der Bettler beginnt das Auto des Geschäftsmannes zu waschen, ist dem das gar nicht recht und die Dinge fangen an, kompliziert zu werden. Eine tragikomische, professionell erzählte Geschichte aus dem Berlin der neunziger Jahre.
Fenster mit Aussicht R: Vera Lalyko, D 2001, 9’
Haben auch Sie Ihre alten Gardinen satt? Seit Jahren die gleiche traurige Aussicht? Schluss damit! Gesteigerter Komfort durch technischen Fortschritt: Illusionsglasscheiben - das Fenster der Zukunft!
Arkar R: Karin Karlsson, Mita Moberg, S 2004, 13’
100 Meilen nördlich des Polarkreises fischen Menschen auf dem Torneträsk See. Sie sitzen in ihren "Archen" - kleinen, transportablen Kabinen, die allen Komfort vorweisen.
Regen R: Joris Ivens, NL 1929, 15’
Ein Tag im Leben eines Regenschauers. Joris Ivens filmt Amsterdam und seine Veränderung als Stadtsymphonie während eines Regenschauers. Ein sehr poetischer Film voller unterschiedlicher Stimmungen, er folgt dem sonnigen Amsterdam zu Regentropfen in den Kanälen und dem herabprasselnden Regen auf Fenster, Schirme, Trams und Straßen, bis es wieder aufklart und die Sonne erneut durchbricht. Obwohl es so scheint, als handele es sich um einen einzigen Tag, filmte Ivens fast zwei Jahre lang.
Raging Blues R: Vincent Paronnaud, Lyonnel Mathieu, F 2004, 6’
Weihnachtszeit in den 30ern. Im Rathaus stellt ein Bauträger dem Bürgermeister ein riesiges Immobilienprojekt vor. Auf der Straße, inmitten einer geschäftigen Menge, bettelt eine Frau in Lumpen um milde Gaben.
Blight R: John Smith, GB 1996, Experimentalfilm, OF, 14’
Der Bau der M11-Verbindungsstraße im Osten Londons provozierte einen langen und erbitterten Widerstand der Ortsansässigen, die ihre Häuser vor dem Abriss schützen wollten. Blight wurde gedreht, als das Land gerodet und die Häuser abgerissen wurden.
Das nächste Mal R: Corinna Schnitt, D 2002, 6’
Gesamtlänge: 79’

Hundstage R: Ulrich Seidl, D: Maria Hofstätter, Alfred Mrva, Erich Finsches, A 2001, 121’
In Ulrich Seidls Film Hundstage ist es die triste Umgebung der vorstädtischen Wohnblöcke, Reihenhaussiedlungen und properen, frei stehenden Eigenheime der Wiener Vorstadt und eine Hitzewelle, die den Handlungsspielraum vorgeben. So direkt wie in Seidls Filmen sieht man selten, wie Menschen sich selbst und den anderen zur Hölle werden. Aber Seidls Filme funktionieren da genau anders herum als gewohnt: Es geht nicht darum, Menschen und Verhältnisse zu entlarven. Es geht vielmehr darum, Menschen näher zu kommen, die sich selbst schnell vollständig enttarnen.

Platte mit Aussicht - Über das Neubaugebiet Dresden-Gorbitz R: Uta Hergert, Marcel Raabe, D 2006, Dok., 80’
Ein Dokumentarfilm über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Neubaugebietes: Interviews mit den Planern, Bewohnern und Verwaltern dieses Stadtteils, die Dokumentation der Entwicklungsetappen, zahlreiche Archiv-Fotos, Momentaufnahmen vom heutigen Gorbitz, Trickfilmanimationen und literarische Texte sowie eine eigens komponierte Filmmusik sollen ein Stück Geschichte lebendig machen.
Das Geheimnis von LE R: Anke Haarmann, Irene Bude, D 2005, Dok., 50’
Kann man Gemüse auf Brachen anbauen? Warum wird der Brühl abgerissen? Wofür mussten die Mieter im Wintergartenhochhaus kämpfen? Sind alternative Projekte und Hausbesetzungen eine Medizin gegen Leerstand? Ist das Waldstrassenviertel ein Vorbild für die Leipziger Stadtentwicklung? Kann man Geschichte in alten Häusern finden?
Das Geheimnis von LE ist eine inszenierte Dokumentation über Menschen in Leipzig, die mit Brachen, Leerstand, Abriss und Sanierung auf ihre eigene Art umgehen. Es ist ein Film über die Aneignung von urbanem Raum und es ist ein Film, der Szene für Szene in der Zusammenarbeit mit Leipzigern aus unterschiedlichen Stadtteilen entwickelt wurde. Die Beteiligten des Films sind Schauspieler ihrer selbst. Sie inszenieren die "Rollen", die sie im städtischen Raum spielen - oder spielen könnten.

Film und Diskussion:
NICHT-MEHR | NOCH-NICHT R: Daniel Kunle, Holger Lauinger, D 2004, Dok., 82’
Ökonomische und demographische Prognosen sagen den radikalen Wandel im zukünftigen Bild vieler Städte voraus. Abseitige Brachen werden alltäglich. Als physisches Zeichen des Nicht-Mehr und Noch-Nicht künden die städtischen Brachen von der situativen Offenheit und neuen Möglichkeitsräumen. Sie könnten Ausgangspunkte einer kulturellen Erneuerung der Stadt werden. Kann das Phänomen "Stadtbrache" in den Köpfen der Menschen positiv gewendet werden? Nicht-Mehr | Noch-Nicht reflektiert den Möglichkeitsraum von Brachen. Eine neue Generation kultureller Interventionen auf Brachflächen werden vorgestellt: unkonventionelle Akteure, Projekte und Visionen, die sich mit der Reaktivierung von "Urbanität" auf verschiedenen Terrains Vagues beschäftigen. Dem Zuschauer werden Anregungen und Inspirationen für entstehende Freiräume geboten. Was kann die Botschaft der städtischen Brache an den Citoyen sein?
Vorfilme: Wir haben eine ganze Stadt gebaut R: Volker Koepp, DDR 1968, Dok., 4’
Ein Kurzporträt der Bauarbeiterbrigade "Hans Eisler" mit Aufnahmen aus ihrem Alltag auf Großbaustellen, wo sie - wie in Ludwigsfelde - moderne Wohnblocks und Gesellschaftsbauten errichtet.
Wir haben eine ganze Stadt umgebaut R: Marcel Neudeck, D 2005, Dok., 10’
Orientiert an Volker Koepps Portrait dokumentiert dieser Film den Rückbau der "Platte" und die Gegenwart einer Baukolonne in Berlin-Ahrensfelde.
Anschließend: 1. Diskussion: "Luxus der Leere"
Verdichtung und Revitalisierung schrumpfender Städte, Innenstädte als sozialer Lebensraum mit einer Funktionsmischung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit.
Teilnehmer:
Holger Lauinger (Regisseur NICHT-MEHR | NOCH-NICHT), geb. 1971, arbeitet als freier Journalist in Berlin. Kontakt: holgerlauinger@web.de
Wolfgang Kil (Architekturkritiker), geb.1948 in Berlin, Architekturstudium in Weimar, Arbeit als Architekt in Ostberlin, 1978-82 und 1992-94 Redakteur von Fachzeitschriften, freiberuflicher Kritiker und Publizist, lebt in Berlin. Veröffentlichungen: "Werksiedlungen - Wohnform des Industriezeitalters", 2003 / "Luxus der Leere. Vom schwierigen Rückzug aus der Wachstumswelt", 2004
Prof. Ludger Brands (Potsdam School of Architecture, Lehrgebiet Entwerfen und materielle Identität, Lebenskultur), geb.1957 in Münster, Architekturstudium und Diplom bei Prof. Josef Paul Kleihues in Dortmund, ab 1983 Projektleiter bei Prof. Josef Paul Kleihues und bei James Stirling, seit 1991 selbständiger Architekt, seit 1993 Lehre an der FH-Potsdam im Lehrgebiet Baukonstruktion und Entwerfen, seit 1995 Professur für Entwerfen, materielle Identität und Lebenskultur
R. Dellmann (Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung)
Moderation: Michael Erbach (Geschäftsführer Potsdamer Neueste Nachrichten)

Die Strategie der Schnecke R: Sergio Cabrera, D: Frank Ramirez, Fausto Cabrera, Kolumbien 1993, OmU, 115’
In der Altstadt von Bogotá schrecken Spekulanten vor keinem Mittel zurück. Der wunderbaren, bunt zusammengewürfelten Hausgemeinschaft der Casa Uribe, Transvestit und Priester inklusive, droht der unrechtmäßige Rauswurf. Angesichts der herrschenden Korruption besteht keine Hoffnung, dass der Rechtsanwalt aus der Casa Uribe etwas bewirken kann. So wird der Anarchist zum Mann der Stunde, gefragt ist die "direkte Aktion", eben "die Strategie der Schnecke": Das Haus wird heimlich abgetragen, Stein für Stein, und an sicherer Stelle wieder aufgebaut. Die Spekulanten ernten Spott und die Fassade.

Der Komplex R: Fabienne Boesch, CH 2002, 30’
Rund 800 Menschen aus verschiedenen Nationen und sozialen Schichten bewohnen die Zürcher Hochhaussiedlung Lochergut. Der urbane Mikrokosmos spiegelt die Großstadt im Kleinformat und versprüht seine ganze geballte Ladung an Charme. Eine Liebeserklärung an kulturellen Austausch, nachbarliche Toleranz und liebenswertes Eigenbrötlertum.
Lift R: Marc Isaacs, GB 2001, 25’
Scheinbar ganz einfach. Ein Dokumentarfilmregisseur stellt sich mit seiner Kamera in einen Aufzug, zehn Stunden am Tag, mehrere Wochen lang. Die Menschen, die Marc Isaacs in dieser Zeit begegnen, blicken zuerst misstrauisch, ein wenig ängstlich. Nach und nach fangen sie an, von sich zu erzählen; fragen schließlich zurück. Die Fahrstuhltür öffnet sich, der Aufzug wird für einen Moment zu einer Bühne im Alltag, auf der die Menschen ihre kleinen und großen Geheimnisse preisgeben. Marc Isaacs‘ Blick auf die Menschen ist neugierig, aber niemals voyeuristisch. Er gibt ihnen Raum sich darzustellen, ohne sie vorzuführen - eine Begegnung auf Augenhöhe.
Hochhaus R: Nikias Chryssos, D: Paul Preuss, David Scheller, Daniel Fripan, D 2006, 40’
Ein Wochenende in Deutschland: Der 12-jährige Daniel wohnt zusammen mit seinem großen Bruder Patrick in einer Hochhaussiedlung. Der entführt gern Haustiere, um das Belohnungsgeld zu kassieren, oder schickt Daniel zum Spendensammeln "für die armen Kinder in Afrika" durch die Hausgänge. Als er immer mehr unter der Abhängigkeit zu seinem Bruder leidet, sucht Daniel in dem Junkie Bernd einen vermeintlichen Freund.

Film und Diskussion
Knallhart R: Detlef Buck, D: David Kroß, Jenny Elvers-Elvertzhagen, Erhan Emre, D 2006, 99’
An seinem 15. Geburtstag werden Michael Polischka und seine Mutter von deren neureichem Liebhaber vor die Tür gesetzt. In einem Hinterhaus Neuköllns müssen sich beide auf neue Verhältnisse einstellen. Während die Mutter einen neuen Gönner sucht, macht eine türkische Jugendgang Michael das Leben zur Hölle. Er sucht Schutz beim Drogenboss Hamal, wird dessen Drogenkurier und verdient ganz gut - bis ihm eine Lieferung verloren geht und er die volle Härte des Milieus zu spüren bekommt.
"Bezwingende Verfilmung eines wirklichkeitsnahen Jugendromans, die sich durch genaue Milieuzeichnung und authentische Darsteller auszeichnet. Vom Einzelfall abgesehen, porträtiert der raue Film das Bild einer ‚verlorenen Generation’, die der allgemeinen Verrohung der Verhältnisse ihrerseits durch Gewalt begegnet." (fd 5/06)
Vorfilm: Wedding 65 R: Mesut Lencper, D 2005, 15’
Jugendliche aus dem Migrantenviertel Berlin Wedding reflektieren über ihren Lebensalltag zwischen Kriminalität und sozialem Engagement. Sie erzählen wie sie sich ihren Weg in der Welt durch Hip Hop, Break Dance und Jobsuche erkämpfen.
Anschließend: 2. Diskussion: "Schlafstädte als sozialer Sprengstoff"
Ausbildung aktiver zivilgesellschaftlicher Handlungsmodelle, Förderung bürgerschaftlichen Engagements und demokratisch legitimierter Teilhabe, Entwicklung von Gestaltungskompetenzen und utopischen Visionen.
Teilnehmer:
Roozbeh Asmani (Regisseur Wedding 65), geb. 1983 in Shiraz, Iran; Abitur und Zivildienst in Köln, seit 2003 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
Prof. Helmut Knüppel (Professor für Sozialpolitik an der FH Potsdam), geb. 1942, Prof. Dr. phil., Wirtschaftswissenschaftler und Sozialarbeiter, 1976 - 1991 Professur für Sozialpolitik an der FH Bielefeld, 1991 - 2000 Gründer und Rektor der FH Potsdam, 1995 - 2000, seit 1991 Professur für Sozialpolitik an der FH Potsdam, Arbeitsschwerpunkte: Interkulturelles Projekt-Management, Stadtentwicklungsplanung, Politikberatung
Johanna Gernentz (LEWUS, Lernende Einrichtungen der Weiterbildung in Umbruchsituationen), geb. 1964 in Rostock, Ergotherapeutin und Beraterin, seit 2000 Mitarbeiterin in Modellprojekten der Erwachsenenbildung, derzeit im Projekt LEWUS
Prof. Dr. Claus Baldus (Potsdam School of Architecture, Lehrgebiet Architekturtheorie und Philosophie), geb. 1947 in Berlin, Studium der Philosophie, Politologie, Linguistik in Berlin und Hamburg, 1990 habilitiert für Architektur und Philosophie in Dortmund, zahlreiche internationale Projekte (teilweise in Verbindung mit diplomatischen Ebenen), seit 1991 an der FH Potsdam
Moderation: Michael Erbach (Geschäftsführer Potsdamer Neue Nachrichten)

Megacities R: Michael Glawogger, A/CH 1998, Dok., OmU, 90’
Dokumentation, die in Bombay, Mexiko Stadt, Moskau und New York Szenen abgrundtiefen Elends aufspürt und zu einer hochkomplexen Studie über die Armut sowie ihre Ursachen und Folgen arrangiert. Da der Filmemacher nicht davor zurückscheut, das vorgefundene Material zu stilisieren und sogar nachzuinszenieren, verlässt er die konventionellen Spuren des dokumentarischen Filmemachens. In dem allgemein "Globalisierung" genannten Spiel, in dem es wenige Gewinner und Millionen von Verlierern gibt, setzt er eindeutige Zeichen, wem seine Sympathien gehören. Sein Film ist unter diesem Gesichtspunkt ein ebenso mutiger wie innovativer Beitrag zur Film- und Sozialgeschichte.

Projektleitung:
Dorett Molitor (Filmmuseum Potsdam / Programmgestaltung)
Christiane Grün (freiberufliche Medienwissenschaftlerin)