Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Konrad Wolf. Deutschland und Europa

Oktober 2005
Veranstaltungen der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg und des Filmmuseums Potsdam
In Kooperation mit der DEFA-Stiftung Berlin und dem Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin
Unterstützt durch die Akademie der Künste Berlin und die Friedrich-Wolf-Gesellschaft e.V.
Dank an: Deutsches Rundfunkarchiv, Gesellschaft von Freunden der HFF, Museum Uranbergbau Schlema, Progress Filmverleih GmbH, Wall AG
Heft zum Symposium
Am 25.10.2005 wäre Konrad Wolf 80 Jahre alt geworden. Der Regisseur zählt nicht nur zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten der DDR, sondern auch zu den bedeutendsten Filmemachern des geteilten Deutschlands und Europas.
Eine umfassende Werkschau im Filmmuseum Potsdam zeigte Dokumentationen über und Filme von Konrad Wolf. Zu sehen waren inzwischen sein unbekannter Diplomfilm, die DEFA-Musik-Komödie "Einmal ist keinmal" (1955), und Gegenwartsfilme wie "Der geteilte Himmel" (1964), "Der nackte Mann auf dem Sportplatz" (1974) und "Solo Sunny" (1981). "Sterne" (1959), "Professor Mamlock" (1961) und "Ich war neunzehn" (1968) setzen sich mit seinen Hauptthemen, dem Faschismus und der Frage, wie es dazu kommen konnte, auseinander.
Aus dem von ihm initiierten Dokumentarfilmprojekt "Busch singt" (1981/82) zeigten wir die unter seiner Regie entstandenen Teile 3 und 5. In Gustav von Wangenheims sowjetischem Film "Kämpfer" (1936/38) war der 10-jährige Koni Wolf in einer Sprechrolle zu sehen.
Im Rahmen der Retrospektive im Filmmuseum Potsdam fanden zwei Podiumsgespräche statt, in denen u.a. die Rezeption von Wolf-Filmen im geteilten Deutschland und die Vermittlung von Wirklichkeitserfahrungen in Filmen angesprochen wurden.

Kämpfer Borzy
UdSSR 1936/38, RE: Gustav von Wangenheim, DB: Gustav von Wangenheim, KA: Boris Monastyrski, MU: Hans Hauska, PL: Jakob Freund, DA: Alexander Granach, Lotte Loebinger, Heinrich Greif, Gregor Gog, Ingeborg Franke-Wangenheim, Robert Trösch, Konrad Wolf, Ernst Busch, Fritz Erpenbeck, 85'
1933: In Deutschland haben die Nationalsozialisten die Macht übernommen. Der junge Arbeiter Fritz erlebt, wie entschlossen Georgi Dimitroff den Nazis im Reichstagsbrandprozess entgegentritt. Als sein Bruder ermordet wird, schließt sich Fritz dem antifaschistischen Widerstandskampf an.
Der erste antifaschistische Spielfilm, gedreht von deutschen Künstlern im Moskauer Exil. Der 10-jährige Konrad Wolf spielt Heinz, den Sohn von Fritz' Nachbarin, dargestellt von seiner Mutter Else Wolf. Mit Beginn der Stalin'schen Säuberungen und dem Verschwinden mehrer Beteiligter wird der Film von der Leinwand verbannt und erst 1962 wiederentdeckt. "Lieber Gustav von Wangenheim! Ich habe gestern [...] Ihren Film "Kämpfer" gesehen. Die Tonwiedergabe war schlecht, das Licht war zu schwach - aber der Film ist stark. So stark, dass ich als Kollege Ihnen Dank sagen muß." (Max Ophuels, 1936)

Ich war neunzehn
DDR 1968, RE: Konrad Wolf, DB: Wolfgang Kohlhaase, Konrad Wolf, KA: Werner Bergmann, SB: Alfred Hirschmeier, PL: Herbert Ehler, DA: Jaecki Schwarz, Wassili Liwanow, Alexej Ejboshenko, Jenny Gröllmann, Galina Polskich, Michail Glusski, Rolf Hoppe, Wolfgang Greese, 120'
Der junge Deutsche Gregor Hecker, der zu Beginn der faschistischen Diktatur mit seinen Eltern nach Moskau emigrierte, kehrt in den letzten Kriegstagen als Leutnant der Roten Armee in sein altes Heimatland zurück. Über Lautsprecher fordert er kämpfende Soldaten zum Überlaufen auf. Täglich begegnet er Deutschen, die er gern verstehen möchte - vom Mitläufer bis zum eingefleischten Faschisten. Doch langsam begreift er, dass es "die Deutschen" nicht gibt und dass es nicht reicht, nur von einer neuen, gerechteren Gesellschaft zu träumen. Als Fremder in der alten Heimat, der wie ein Russe denkt und fühlt, entschließt er sich, in Deutschland zu bleiben.
Kriegsende und Neubeginn aus der Sicht eines jungen Emigranten, der zwischen die Fronten gerät; eindringlich und psychologisch genau erzählt, ergreifend in seiner inneren Zerrissenheit und Selbstsuche. Das Drehbuch reflektiert Wolfs Erlebnisse bei seiner Annäherung an Deutschland, als der Emigrantensohn und Leutnant der Roten Armee 1945 in sein Vaterland zurückkehrte. Es ist Wolfs persönlichster Film. Besonderes Augenmerk legte Wolf auf eine möglichst wahrhaftige Inszenierung, um "beim Zuschauer das Gefühl zu erwecken, dass es hier wirklich um Authentizität geht, die sich wirklich so - bis ins Detail - abgespielt hat." (Konrad Wolf, 13.3.1977). Dieses Bemühen umfasst den gesamten Film, geht von der Sprache über die Ausstattung bis zum Kamerastil. Wolfs langjähriger Kameramann Werner Bergmann war Kriegsberichterstatter für die Deutsche Wochenschau. "[Wir] haben uns mit der Kamera so bewegt, wie sich ein Kriegsberichterstatter mit der Kamera unter den Bedingungen des Kriegs bewegen konnte, und wir hoffen, dass wir damit einen Stil gefunden haben, der diesem spezifischen Stoff gerecht wird." (Konrad Wolf)

Einmal ist keinmal
DDR 1955, RE: Konrad Wolf, DB: Karl-Georg Egel nach einem Szenarium von Paul Wiens, KA: Werner Bergmann, MU: Günter Kochan, BA: Alfred Tolle, PL: Alexander Lösche, DA: Horst Drinda, Brigitte Krause, Paul Schulz-Wernburg, Annemone Haase, Friedrich Gnass, Lotte Loebinger, Hilmar Thate, 98'
Komponist und Klavierspieler Peter aus Düsseldorf kommt nach Klingenthal im Vogtland, wo er beim Onkel und Leimfabrikanten Edeltanne geruhsame Urlaubstage verbringen möchte. Doch der Stadt des Instrumentenbaus steht das alljährliche Musikfest bevor, und so wird Peter mit zahlreichen Kompositionswünschen bedacht. Dem Onkel soll er kitschige Verse vertonen, das Akkordeonwerk bittet um eine Sinfonie, und die hübsche Anna möchte einen Schlager für ihre Jugendtanzkapelle. So wird der Urlaub stressig, aber musikalisch.
Die Musikkomödie mit lustspielüblichen Verwechslungen und Verwicklungen des Herzens war Wolfs erster DEFA-Film und gleichzeitig sein Diplomfilm am Staatlichen Unionsinstitut für Kinematografie (WGIK) in Moskau. Er studierte in der Regieklasse des Eisenstein-Mitarbeiters Grigori Alexandrow, der in den 1930ern und 1940ern auf dem Gebiet der musikalischen Komödie zu Hause war. Der Plot von "Einmal ist keinmal" liest sich eher wie aus einem Film der bundesdeutschen oder österreichischen Produktion der 1950er Jahre und gilt sicherlich nicht als typisch für die DEFA, vor allem jedoch nicht für Wolfs Werk. Es blieb sein einziger Ausflug in das Genre und der einzige Heimatfilm der DEFA.

Sterne
DDR/Bulgarien 1959, RE: Konrad Wolf, DB: Angel Wagenstein, KA: Werner Bergmann, MU: Simeon Pironkow, SB: Maria Iwanowa, Alfred Drosdek, PL: Siegfried Nürnberger, DA: Sascha Kruscharska, Jürgen Frohriep, Erik S. Klein, Stefan Pejtschew, Georgi Naumow, Iwan Kondow, 92'
1943 begegnet der deutsche Unteroffizier Walter in einem bulgarischen Dorf der griechischen Jüdin Ruth. Zwischen beiden wächst eine hoffnungslose Liebe. Walter, als Zeichner eher an Kunst als an Politik interessiert, muss schmerzhaft erkennen, an welchen Verbrechen er mitschuldig ist. Ruths Deportation nach Auschwitz kann er nicht verhindern. Doch die Liebe zu ihr lässt Walter nun einen anderen Weg gehen.
Ein leiser, poetischer Film. Ein Film über individuelle Verantwortung, die auch zur politischen Haltung führt. "Sterne" erhielt Preise auf Filmfestivals in Edinburgh, Wien und Cannes, was für Konrad Wolf internationale Anerkennung bedeutete. In Cannes konnte der Film 1959 nur als bulgarische Produktion laufen, da die BRD mit ihrem Protest gegen den Start eines Films aus einem nicht anerkannten Land Erfolg hatte. In Bulgarien wurde der Film zunächst nicht zugelassen. Die Vorwürfe: ein zu positives Bild der Deutschen und eine indifferente politische Haltung der Schöpfer. "Einer der beeindruckendsten Filme des DDR-Kinos." (Lexikon des Internationalen Films).

Genesung
DDR 1956, RE: Konrad Wolf, SZ: Karl Georg Egel, Paul Wiens nach ihrem Hörspiel, KA: Werner Bergmann, MU: Joachim Werzlau, BA: Willy Schiller, PL: Eduard Kubat, DA: Karla Runkehl, Wolfgang Kieling, Wilhelm Koch-Hooge, Wolfgang Langhoff, Eduard von Winterstein, Erika Dunkelmann, 106'
Sanitäter Friedel Walter wird nach dem Krieg durch ein Versehen für einen Arzt gehalten. Der ehemalige Medizinstudent, der als Gegner des nationalsozialistischen Regimes sein Studium nicht beenden konnte, arbeitet fortan erfolgreich als Dr. Philipp in einem Krankenhaus. Die komplizierte Behandlung eines ehemaligen Widerstandskämpfers konfrontiert ihn mit der Vergangenheit. In der Frau des Patienten begegnet er seiner früheren Freundin wieder, der er damals bei der Rettung des Mannes geholfen hatte. Getrieben von Gewissensbissen stellt er sich schließlich den Behörden. Das Gericht, das in ihm ein Opfer der Zeitläufe sieht, fällt ein mildes Urteil. Walter darf sein Medizinstudium an einer DDR-Universität nachholen.
"Genesung" gilt als Wolfs künstlerischer Durchbruch bei der DEFA. Eng verbunden mit seiner Auseinandersetzung mit Krieg und Faschismus, wird die gleichwohl dialektische wie schicksalhafte Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit fortan Hauptthema in Wolfs Filmen, das in "Genesung" erzähltechnisch durch eine komplexe Rückblendenkonstruktion präsentiert wird. Werner Bergmann, mit dem Wolf bereits bei seinem Debütfilm "Einmal ist keinmal" zusammengearbeitet hatte, schuf beeindruckende Schwarzweißbilder.

Der nackte Mann auf dem Sportplatz
DDR 1974, RE: Konrad Wolf, SZ: Wolfgang Kohlhaase, DB: Gerhard Wolf, KA: Werner Bergmann, MU: Karl-Ernst Sasse, SB: Alfred Hirschmeier, PL: Herbert Ehler, DA: Kurt Böwe, Ursula Karusseit, Martin Trettau, Elsa Grube-Deister, Dieter Franke, 101'
Bildhauer Kemmel macht es sich und anderen nicht leicht, weder als Mensch noch als Künstler. Mit fast 40 zweifelt er, befragt sein Leben nach sinnvollem Tun. Einige seiner Arbeiten werden nicht angenommen. Sein mäßig optimistisches Bodenreformrelief, angefertigt für ein Dorf, verschwindet in einem Abstellraum. Arbeiter Hannes, den er als Modell für eine Porträtplastik haben will, lässt sich erst nach langem Zögern darauf ein. Kemmel scheitert am Arbeiterschädel, aber die langen Sitzungen sind für beide ein Gewinn, ermöglichen sie doch das Eindringen in die Welt des jeweils anderen. Kemmel bekommt aus seinem Heimatdorf den Auftrag, die Skulptur eines Fußballers zu schaffen. Das Dorf erhält jedoch einen nackten Läufer. Die Leute sind peinlich berührt und hilflos, reagieren ablehnend. Aber die zusehends einsetzende Begegnung mit dem Werk lässt sie die Plastik schließlich annehmen.
Ein Film über die Schwierigkeiten des Lebens mit der Kunst und doch kein Künstlerfilm. Fiktive und reale Geschichten aus dem Leben des Bildhauers Werner Stötzer. Gedreht wurde in seinem Atelier, seine Plastiken bevölkern den Film, und er selbst ist in der Rolle des Bürgermeisters mit Parteiabzeichen zu sehen. "Es war eine "Lieb zwischen Füchsin und Hahn", heißt es im Gedicht, und so wurde es von beiden gemacht. Kohlhaase und Wolf schlachteten mich gewissermaßen aus. Und ich ließ mich gerne ausschlachten. [...] So wurde ein Film gemacht, und ich hatte die Freude, Freunde spielen zu sehen, ihre Einfälle überraschten mich und machten mich sprachlos." (Werner Stötzer, 1990) Daneben sind Werke anderer wichtiger, ungeliebter DDR-Künstler wie Albert Ebert und Will Lammert und wunderbare Fotos von Einar Schleef zu sehen.

Lissy
DDR 1957, RE: Konrad Wolf, DB: Alex Wedding, Konrad Wolf nach dem Roman von F.C. Weiskopf, KA: Werner Bergmann, MU: Joachim Werzlau, BA: Gerhard Helwig, PL: Eduard Kubat, DA: Sonja Sutter, Horst Drinda, Hans-Peter Minetti, Gerhard Bienert, Kurt Oligmüller, Else Wolz, 89'
Berlin kurz vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten: Lissy ist Tochter eines sozialdemokratischen Arbeiters im Wedding. Sie arbeitet als Verkäuferin an einem Tabakstand in der Nähe des Kurfürstendamms, träumt von einem besseren Leben. Durch die Heirat mit dem Angestellten Fromeyer hofft sie auf den Ausstieg aus ihrem Milieu. Ein Kind wird geboren. Doch die Massenarbeitslosigkeit bringt Fromeyer um seine sicher geglaubte Stellung. Mit seinem Eintritt in die SA beginnt der wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufstieg der Familie. Auch Lissys Bruder Paul, einst Kommunist, zieht die braune Uniform an. Doch seine moralischen Zweifel gefallen den Nazis nicht. Er wird von SS-Leuten ermordet. Lissys Zweifel führen zur Trennung von ihrem Mann und dessen Gesinnungsgenossen.
"Lissy" ist das Porträt eines unpolitischen, verführbaren Menschen: "Lissy und auch ihr Mann [...] stehen für Schicksale von einfachen Menschen aus der damaligen Zeit. Die Haltung Lissys unterscheidet sich vielleicht nur dadurch von den Schicksalen von Millionen anderer Deutscher, daß sie in [...] außergewöhnliche Auseinandersetzungen gerät, die eine Entwicklung andeuten, die nicht für die Mehrheit des deutschen Volkes typisch war. [...] Die tragischen Umstände waren zu untersuchen, die die geistige Entwicklung unseres Volkes unter dem Aspekt des Zusammenbruchs des Hitlerregimes begleiteten. Da sich unser Volk nicht aus eigener Kraft befreit hat, mußte dieser Befreiungsprozeß hauptsächlich auf geistiger Ebene [...] durchgeführt werden; ein Prozeß, der [...] über den heutigen Tag hinaus geführt werden muß." (Konrad Wolf, 13.3.1977)

Der geteilte Himmel
DDR 1964, RE: Konrad Wolf, DB: Christa Wolf, Gerhard Wolf, Konrad Wolf, Willi Brückner, Kurt Barthel nach dem Roman von Christa Wolf, KA: Werner Bergmann, MU: Hans-Dieter Hosalla, BA: Alfred Hirschmeier, PL: Hans-Joachim Funk, DA: Renate Blume, Eberhard Esche, Hans Hardt-Hardtloff, Hilmar Thate, Martin Flörchinger, Erika Pelikowsky, Petra Kelling, 110'
Die junge Rita verliebt sich in den 10 Jahre älteren Chemiker Manfred. Er holt sie aus dem Dorf in die Stadt, fördert sie. Sie beginnt ein Lehrerstudium. Doch die Beziehung des ungleichen Paares ist Belastungen ausgesetzt. Manfreds kleinbürgerliches, westorientiertes Elternhaus und Probleme im Betrieb lassen ihn zynisch werden. Als ein von ihm entwickeltes Verfahren ohne Begründung abgelehnt wird, verlässt er im Sommer 1961 die DDR und geht nach Westberlin. Rita, die ihn dort besucht, kehrt wieder zurück. Ihr Platz ist an der Seite ihrer Kollegen und Freunde.
Der Gegenwartsfilm zählt zu Konrad Wolfs Meisterwerken und ist sein formal interessantester Film. Vor allem die ineinander verschachtelte, nur teilweise chronologische Montage aus kurzen und mitunter grafisch anmutenden Einstellungen sowie die Bildgestaltung - schwarz-weiße Bilder, oft aus extremen Blickwinkeln aufgenommen - machten die zeitgenössische Modernität des Films aus. "Der geteilte Himmel" steht am Beginn von Wolfs langjähriger Zusammenarbeit mit dem Szenenbildner Alfred Hirschmeier. Aber vor allem inhaltlich beeindruckt der Film, indem er DDR-Probleme wie Republikflucht, Dogmatismus, Egoismus oder Kleinbürgertum nicht leugnet, sondern sich mit ihnen auseinandersetzt. Der Film sorgte für Aufruhr im Land und war ein großer Publikumserfolg. Zeitungen und Zeitschriften erhielten viele Zuschriften. Im gesamten Land debattierten Publikum, Kritiker und Verantwortliche auf zahlreichen Foren, ebenso in der BRD. In seinen Aussagen wirkt "Der geteilte Himmel" heute fast prophetisch, sein Idealismus hingegen mitunter naiv.

Professor Mamlock
DDR 1961, RE: Konrad Wolf, DB: Karl Georg Egel, Konrad Wolf nach dem Drama von Friedrich Wolf, KA: Werner Bergmann, MU: Hans-Dieter Hosalla, BA: Harald Horn, PL: Hans-Joachim Funk, DA: Wolfgang Heinz, Ursula Burg, Hilmar Thate, Lissy Tempelhof, Doris Abeßer, Ulrich Thein, Günter Naumann, 99'
1933 ist Mamlock Chef einer chirurgischen Klinik in Deutschland. Politik interessiert den ehemaligen Frontkämpfer im 1. Weltkrieg nicht. Der assimilierte Jude glaubt an die Institutionen des Staates, der Familie und an humanistische Prinzipien. Mamlock versorgt den verwundeten Kommunisten Walter medizinisch, aber verstehen kann er ihn nicht. Seinen Sohn verstößt er, als dieser zum Widerstandskämpfer wird. Seiner Tochter glaubt er nicht, dass man sie als "Jüdin" von der Schule geworfen hat. Dann aber verliert er seine Arbeit, wird von SA-Leuten aus der Klinik geführt. Sein Glaube an Recht und Ordnung bricht zusammen. Ein einflussreicher Unternehmer verschafft ihm eine Arbeitserlaubnis. Doch Mamlock weigert sich, die Entlassungsliste mit den Namen jüdischer Mitarbeiter zu unterschreiben. Als sich die Mehrheit der nichtjüdischen Kollegen von ihm distanziert, begeht Mamlock Selbstmord.
Friedrich Wolfs international erfolgreiches Stück "Professor Mamlock" (1933) gilt als Hauptwerk des Dramatikers. Sein Sohn Konrad Wolf versuchte bei der Verfilmung verschiedene Aufgaben zu lösen. Stellte die erste Verfilmung "Professor Mamlock" (RE: Herbert Rappaport, Adolf Minkin, UdSSR 1938) das Thema der Judenverfolgung in den Vordergrund, greift Konrad Wolf den "Mamlock-Stoff aus der spezifisch deutschen Sicht" auf. Ihm ging es um die Darstellung des zwangsläufigen Scheiterns des Einsatzes "für Demokratie [und] Freiheit nur im Rahmen des bürgerlichen Rechtsstaates"; er hielt den "Weg zur Arbeiterklasse" für "unerlässlich". Als eine weitere Herausforderung kann die optische Umsetzung eines Bühnenstoffes angesehen werden: "Die Personen sind alle erhalten geblieben. Ihre Handlungen wurden im Gegensatz zum Stück fast immer ins Filmische umgesetzt. [...] Wir wollten keine Bühneninszenierung verfilmen, sondern das Geschehen so auflösen, dass wir zu einer intensiven Bildsprache kommen." (Konrad Wolf, 8.1.1961)

Die Zeit die bleibt. Ein Film über Konrad Wolf
DDR 1985, RE: Lew Hohmann, DB: Wolfgang Kohlhaase, Lew Hohmann, Christiane Mückenberger, Regine Sylvester, KA: Christian Lehmann, Eberhard Geick, MU: Günther Fischer, PL: Charlotte Galow, Dok., 110'
Ein Film über Konrad Wolf, beginnend mit seiner Kindheit in Süddeutschland über die Jahre der Emigration in Moskau bis zu seiner Regiearbeit und seiner Tätigkeit als Präsident der Akademie der Künste der DDR. Das intime Porträt verbindet Erinnerungen von Verwandten, Freunden und Kollegen mit persönlichen Zeugnissen Wolfs, zeigt Bilder von Orten, die Wolf prägten, und Filmausschnitte. Der Film, eine Reflexion über Internationalismus, Antifaschismus und Völkerverständigung, erzählt die Geschichte der Troika, dreier befreundeter Emigrantenkinder aus Moskau, die auf verschiedenen Wegen durch das weitere Jahrhundert gingen, eine Geschichte, die Wolf verfilmen wollte.

Busch singt - Sechs Filme über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
DDR 1981/82, RE: Autorenkollektiv unter Leitung von Konrad Wolf (Reiner Bredemeier, Erwin Burkert, Ludwig Hoffmann, Peter Voigt), Dok.
"Als Arbeitersohn, Mitglied der SPD, USPD und KPD stand Ernst Busch in den Kämpfen der Zeit. Seine Arbeit am Theater, im Film und Kabarett und als Sänger war immer politisch - ob in Deutschland, Spanien oder im Exil - von der Novemberrevolution über die 1920er Jahre und die Zeit des Faschismus bis zu den Jahren in der DDR. Als Kämpfer für die "Sache des Proletariats" gehört er noch heute zum "Erbe" der Arbeiterbewegung. 'Ich geh mit dem Jahrhundert mit', war von Ernst Busch manchmal zu hören. Bei seinem Geburtsdatum kein Wunder. Wenn jemand dagegen hielt: "Aber Ernst, du bist doch kein Mitläufer", der konnte hören: "Mach's für einen Sechser billiger". Die sechs Filme folgen seinem Plan für eine Chronik mit Liedern über sein Jahrhundert." (Erwin Burkert) Eine das Jahrhundert erhellende Collage aus Gesang, Bild- und Dokumentarmaterial. Das Ende des von ihm initiierten Dokumentarfilmprojekts erlebt Konrad Wolf nicht mehr. Er stirbt am 7. März 1982, noch während er den 5. Teil schneidet. Wolfs Reflexion des "revolutionären Jahrhunderts" mit seinen Idealen, Hoffnungen, Niederlagen und Irrtümern wurde so zum Vermächtnis des Künstlers. Das Ausblenden der Schwierigkeiten, mit denen Busch in der DDR zu kämpfen hatte, kann man mit einigem guten Willen als Wolfs Hoffnung darauf interpretieren, dass zu Beginn der 1980er Jahre noch nicht alles verloren schien.
Teil 3: "1935 oder Das Faß der Pandora", RE: Konrad Wolf, 66'
1935 laufen in Deutschland die Vorbereitungen für den Krieg (Einführung der Wehrpflicht, Beginn der Aufrüstung). In Nürnberg werden die Rassengesetze entworfen. Bilder und Ereignisse des Jahres, kommentiert durch die Gesänge von Ernst Busch.
Teil 5: "Ein Toter auf Urlaub", RE: Konrad Wolf, 53'
1940 wird Busch in einem Lager in Südfrankreich interniert, kommt später ins Zuchthaus Brandenburg. Nach der Befreiung gibt er das erste Konzert vor Vertretern der Alliierten.

Goya
DDR/UdSSR 1971, RE: Konrad Wolf, SZ: Angel Wagenstein nach dem Roman "Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis" von Lion Feuchtwanger, KA: Werner Bergmann, Konstantin Ryshow, MU: Kara und Faradsh Karajew, SB: Alfred Hirschmeier, Waleri Jurkewitsch, PL: Herbert Ehler, Genrich Chochlow, DA: Donatas Banionis, Olivera Katarina, Fred Düren, Rolf Hoppe, Wolfgang Kieling, Tatjana Lolowa, Ernst Busch, 134'
Im Mittelpunkt steht der Weg des spanischen Malers Francisco de Goya y Lucientes vom Hofmaler Karls IV. zum patriotischen Künstler, dessen Werke die Ängste und grauenhaften Erlebnisse, die Gedanken und Empfindungen seines Volkes widerspiegeln. Goya glaubt an die gottgewollte Macht des Königs und der Kirche und genießt seine Stellung bei Hofe. Doch der Spanier liebt auch das Volk. Und je tiefer er in dessen Leben eindringt, umso größer wird seine innere Not angesichts der verheerenden Zustände im Land. Seine Werke bleiben davon nicht unberührt, und er gerät in die Fänge der Inquisition.
Künstler und Macht - das Hauptthema des Films reflektiert die Situation der Schöpfer. Goya wurde ein Film der Superlative: gedreht auf 70 mm, zweiteilig, über ein Jahr Vorbereitungszeit, 3000 Kostüme, Waggonladungen von Requisiten, Drehorte in Jugoslawien (Dubrovnik u.a.), Bulgarien, auf der Krim (Jalta), im Kaukasus, Schauspieler aus acht Ländern (die meisten spielten in ihrer Muttersprache), zwei Sprachfassungen, Musikaufnahmen in Leningrad, Synchronarbeiten in Berlin-Johannisthal. Das Werk des Künstlers wurde genau analysiert. Es entwickelte sich, in Analogie zu Goyas Erkenntnisprozess, von strahlend bunter Farbigkeit bis hin zu dunklen Tönen und krassen Bildgestaltungen. Requisiten und Kostüme sollten diese Entwicklung ebenso zeigen wie die 80 Gemälde Goyas, die in Originalgröße von Kunstmalern des Studios, vor allem von Alfred Born, kopiert wurden.

Leute mit Flügeln
DDR 1960, RE: Konrad Wolf, DB: Karl Georg Egel, Paul Wiens, KA: Werner Bergmann, MU: Hans-Dieter Hosalla, BA: Gerhard Helwig, PL: Siegfried Nürnberger, DA: Erwin Geschonneck, Wilhelm Koch-Hooge, Hilmar Thate, Mathilde Danegger, Franz Kutschera, Rosita Fernandez, Brigitte Krause, 121'
"Unsere Arbeiterklasse wird ihre Flügel bekommen", prophezeite der deutsche Kommunist Ludwig Bartuscheck nach dem Krieg, und nun steht auf dem Rollfeld ein neues Flugzeug, konstruiert und gebaut in der DDR. Das Volk strömt zusammen. Der Film erzählt in Rückblenden die Geschichte des Kommunisten Bartuscheck aus "Lied der Matrosen" (RE: Kurt Maetzig, Günter Reisch, DDR 1958) weiter. Am Ende der Weimarer Republik ist er Mechaniker in den Sperber-Flugzeugwerken. Generaldirektor Dehringer bietet ihm eine Ausbildung zum Flugzeugkonstrukteur und Schutz vor den neuen faschistischen Machthabern an, wenn er seiner politischen überzeugung abschwört. Bartuscheck lehnt ab, geht in den Untergrund. Seine Frau wird verhaftet, sein Sohn Henne vom Kollegen Otto Friedrich und dessen Frau aufgenommen. Fortan bekämpft Bartuschek die Faschisten überall, illegal in Deutschland, mit der Waffe in der Hand in Spanien und an der Seite der Sowjetarmee. Als französischer Fremdarbeiter getarnt, wird er 1944 mit dem Fallschirm nahe den Sperber-Werken abgesetzt. Er soll die Widerstandsbewegung organisieren, wird gefasst und ins KZ Buchenwald gebracht. Nur wenige Minuten nach dem Häftlingsaufstand und der Befreiung des Lagers übernimmt Bartuscheck seine Aufgabe beim Aufbau der antifaschistischen Gesellschaft. Das frühere Sperber-Werk wird wieder aufgebaut.
Leute mit Flügeln erscheint heute als Film der "reinen" Lehre des antifaschistischen Widerstandskampfes in Verbindung mit der DDR-Geschichtsschreibung und ist mitunter nur schwer erträglich. Es ist ein Männerfilm: Männer machen Geschichte.

Sonnensucher
DDR 1958/72, RE: Konrad Wolf, DB: Karl-Georg Egel, Paul Wiens, KA: Werner Bergmann, MU: Joachim Werzlau, SB: Karl Schneider, PL: Hans-Joachim Schoeppe, DA: Ulrike Germer (eigtl. Ulrike von Zerboni), Günther Simon, Erwin Geschonneck, Wiktor Awdjuschko, Willi Schrade, Manja Behrens, 116'
Wismut 1950: Im Goldgräbermilieu des unter sowjetischer Verwaltung stehenden Uranbergbaus in der DDR begegnen sich sowjetische Ingenieure, Parteivertreter, Antifaschisten und ehemalige Nazis, Abenteurer, Männer und Frauen mit lockeren Umgangsformen und Arbeiter, die zur "Bewährung in die Produktion" geschickt wurden. Konflikte sind vorprogrammiert. Knochenarbeit und Kneipe, Angst vor Sabotage, materielle Schwierigkeiten, Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die Kooperation mit sowjetischen Fachleuten, aber auch die Suche nach Liebe und Glück prägen diese Anfangsjahre.
Konrad Wolfs erster Versuch, DDR-Geschichte ungeschönt und drastisch ins Bild zu setzen, fand bei den Entscheidungsträgern wenig Zustimmung. Auch war der Uranabbau in der Wismut lange Zeit ein Tabu. Der Film wurde bis 1972 zurückgehalten - offiziell um die "intensiven Bemühungen der Sowjetunion um einen Atomwaffenstop" in keiner Weise zu stören. Sein Erscheinen kam auch für Konrad Wolf viel zu spät: "Als ich Sonnensucher drehte, war es noch Gegenwart. Als er herauskam, war er schon Geschichte."

Konrad Wolf
DDR 1977, RE: Gitta Nickel, DB: Gitta Nickel, Wolfgang Schwarze , KA: Niko Pawloff, PL: Heinz-W. Klünder, Dok., 61'
Einblicke in das Leben eines Künstlers und Kulturpolitikers. Zu sehen ist Wolf am Drehort und am Schreibtisch. Beobachtungen u.a. der Dreharbeiten zu "Mama, ich lebe".

Konrad Wolf - Dafür will ich gebraucht werden
DDR 1983, RE: Armin H. Liersch, DB: Lilo Vorwerk, Armin H. Liersch, KA: Herbert Kaulisch, Günter Theel, Manfred Pelikan, Wolfgang Lepke, Dok., 43'
"In den siebziger Jahren drehte ich einen Film über die Geschichte Bernaus. Der damalige Bürgermeister von Bernau bat mich, da ich Konrad Wolf kannte, bestimmte Ereignisse in Bernau als Reportage festzuhalten. Konrad Wolf war einverstanden, so dass wir diesen Film auf eigene Kosten, mit bescheidenen Produktionsmitteln, gedreht haben. Die Besuche von Konrad Wolf begleiteten wir mit der Kamera. Im Interview berichtete der Regisseur über seine Erlebnisse als junger Offizier der Sowjetarmee in Bernau. Zeitzeugen, insbesondere Bernauer Bürger, erinnern sich an diese Zeit. Der Film entstand mit Unterstützung des Amateurfilmzentrums Bernau. Das Fernsehen der DDR zeigte die Reportage im 1. Programm um 20 Uhr." (Armin H. Liersch, 2005)

Mama, ich lebe
DDR 1977, RE: Konrad Wolf, SZ: Wolfgang Kohlhaase, DB: Wolfgang Beck, Günter Klein, Klaus Wischnewski, Dieter Wolf, KA: Werner Bergmann, MU: Rainer Böhm, SB: Alfred Hirschmeier, PL: Herbert Ehler, DA: Peter Prager, Uwe Zerbe, Eberhard Kirchberg, Detlef Gieß, Donatas Banionis, Margarita Terechowa, Michail Wasskow, 103'
In einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager tauschen vier junge Deutsche ihre Uniform. Sie wollen an der Seite des ehemaligen Feindes helfen, den Krieg zu beenden. Doch der Wechsel der Identität gelingt nicht so leicht. Für einige gefangene Kameraden sind sie nun Verräter. Das Verhalten sowjetischer Soldaten ist unterschiedlich. Einige können nicht vertrauen, andere betrachten sie als Mitkämpfer. Doch auch sie selbst haben Probleme mit der neuen Identität. An der Front müssen sie entscheiden, ob sie einen Auftrag hinter den deutschen Linien übernehmen. Einer weigert sich. Während ihrer Ausbildung treffen die anderen auf abgeschossene deutsche Flieger. Nicht fähig, auf diese zu schießen, kostet es ihren russischen Betreuer das Leben. Schließlich entscheidet sich auch der Vierte, inzwischen in eine sowjetische Funkerin verliebt, für den Einsatz. Drei kommen bei ihrem Fronteinsatz ums Leben.
Der Film ist ein Psychogramm junger deutscher Soldaten beim Durchleben existentieller Konflikte. Wolf ist wieder zum Thema von "Ich war neunzehn" zurückgekehrt. Während der Film von 1968 heute immer noch als Meisterwerk bezeichnet werden kann, schwingt in "Mama, ich lebe" eine merkwürdige Resignation mit, die sich auch in der formalen Gestaltung bemerkbar macht. Die Darstellung der sowjetischen Schauspieler überzeugt dabei mehr, als die verhaltene der "unheldischen" Helden. Daneben stehen mitunter laute symbolische oder auch hölzern wirkende Szenen.

Solo Sunny
DDR 1980, RE: Konrad Wolf, Co-RE: Wolfgang Kohlhaase, SZ: Wolfgang Kohlhaase, DB: Dieter Wolf, KA: Eberhard Geick, MU: Günther Fischer, SB: Alfred Hirschmeier, PL: Herbert Ehler, DA: Renate Krößner, Alexander Lang, Heide Kipp, Dieter Montag, Klaus Brasch, Harald Warmbrunn, Johanna Schall, 102'
Sunny ist Schlagersängerin und lebt im Berliner Prenzlauer Berg. Mit ihrer Band tingelt sie über die Dörfer und durch die Kulturhäuser, träumt von einem Soloauftritt. Taxifahrer Harry himmelt sie an, doch sie verliebt sich in den Saxofon spielenden Philosophen Ralph, einen Intellektuellen, dessen "Blick auf das Leben verstellt ist durch Bücher". Und doch schreibt er ihr einen wunderschön einfachen und traurigen Text für ihren Soloauftritt. Während der Tourneen muss sie sich gegen die Nachstellungen von Saxofonist Norbert und die wenig schmeichelhaften und nur mäßig humorvollen Scherze des Conferenciers Benno Bohne wehren. Nach einer Auseinandersetzung fliegt sie aus der Band und dem Programm. Sie sucht Halt bei Ralph und findet eine andere Frau in seinem Bett. Schließlich scheitert noch ihr ersehnter Soloauftritt. Sunny betrinkt sich, nimmt Schlaftabletten und landet im Krankenhaus. Ihre Freundin Christine kümmert sich liebevoll um sie. Langsam schöpft Sunny wieder Lebensmut, und eines Tages fängt sie bei einer jungen Band neu an.
Sunnys Geschichte sollte "Mut zum Leben [machen], gerade am Rand der Verzweiflung und gerade am Beispiel des Alltäglichen. Wir müssen Mut machen auf solche Menschen; wir müssen sie ermutigen - und uns." (Komrad Wolf, 1980) Wolfs Sunny, eine ehemalige Arbeiterin, die gegen alle Widerstände Sängerin sein will, und die ungeschönte Darstellung der wenig attraktiven Rückseite der DDR-Hauptstadt überzeugten Zuschauer, Kritiker und Kollegen. Der Film verhandelt wichtige Fragen: Wie frei darf der Einzelne in einer sozialistischen Gesellschaft sein? Wie sehr muss er sich dem Kollektiv, den tatsächlichen oder verordneten Gemeinschaftsinteressen fügen? "Solo Sunny" ist ein wunderbar lakonischer und melancholischer Film. Er ist Wolfs letzter Spielfilm.