Karl Gass zum 100. Geburtstag

Geboren am 2. Februar 1917 in Mannheim. Abitur 1936 in Köln, danach kaufmännischer Volontär bei einer Wohn- und Siedlungsgemeinschaft. Werkstudent der Betriebs- und Volkswirtschaft in Köln. 1941 Deutscher Meister im Rudersport (Achter). Einberufung zur Wehrmacht 1940. 1945 britische Gefangenschaft, ab Juni 1946 Wirtschafts-Redakteur beim NWDR, Sender Köln. Im Februar 1948 Übersiedlung nach Berlin, Arbeit beim Berliner Rundfunk, Leiter der Wirtschaftsredaktion, Kommentator und Reporter, Initiator und Leiter der Sendung »Wir schalten uns ein«. Von 1949 bis 1954 Vizepräsident der Sektion Rudern der DDR. Von 1951 bis 1954 im DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme als Szenarist, Autor und Regisseur, 1951/53 Textautor des Augenzeugen. Autor u.a. bei Andrew Thorndike (»Von Hamburg nach Stralsund«), Co-Regisseur und Autor bei Joop Huisken (»1952 - Das entscheidende Jahr«, »Turbine I«). Von 1954 bis 1960 Künstlerischer Leiter des DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme, Autor und Regisseur. 1955 Mitbegründer der Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche und Mitglied des Ehrenpräsidiums bis 1966. 1961 Gründung der Künstlerischen Arbeitsgruppe Gass, später umbenannt in Gruppe Effekt. Von 1965 bis 1968 Leiter der Dokumentarfilmklasse an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg. 1955 und 1956 Jury-Mitglied in Karlovy Vary. Ab 1965 Mitglied der AID (Association International des Documentaristes), von 1968 bis zur Auflösung 1972 Vizepräsident. Von 1964 bis 1973 Moderation von 52 Fernsehquizsendungen »Sind Sie sicher?«. Von 1972 bis 1988 Vorstandsmitglied des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR, von 1972 bis 1978 Vorsitzender der Sektion Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik, von 1978 bis 1988 Vorsitzender des Bezirkszentrums Potsdam des VFF. 1978 und 1979 Präsident des Nationalen Filmfestivals für Dokumentar- und Kurzfilme Neubrandenburg. Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilme bis 1990. 1998/99 drehen der Westdeutsche Rundfunk und 3sat das Porträt »Karl Gass - Filmdokumentarist im Sozialismus«. 1999 erscheint sein Buch »Der Militärtempel der Hohenzollern. Aus der Geschichte >unserer lieben< Garnisonkirche zu Potsdam«. 2000 publiziert Gass den Band »Schießt gut, Brüder. Das kurze Leben des Max Dortu«.

Karl Gass prägte mit seinen 74 populärwissenschaftlichen und dokumentaren Filmen die DEFA vom Beginn bis zu deren Ende. Politisch konforme Filme, Kompilationsfilme, die sich mit dem Geschehen während der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen, Filme über Arbeit und Arbeiter, Algerien, das geteilte Deutschland - ein breitgefächertes Werk. 1990 erhielt er ein "Entlassungsschreiben" aus dem Studio, in dem er seit 1951 gearbeitet hatte. Die wenigen Sätze lassen die Unbeholfenheit und Ratlosigkeit einer solchen Situation gegenüber erkennen.

Ab dem 23.01.2017 zeigt das Filmmuseum Potsdam im Rahmen seines kleinsten Ausstellungsformats dieses Schriftstück der Studioleitung von 1990 als besonderes Objekt im Foyer des Museums.