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Die Fragen sind einfach, die Antworten schockierend. Wenn die junge Filmemacherin Passanten in der Fußgängerzone einer deutschen Stadt fragt, was sie mit dem Wort "Jude" verbinden, fallen ausschließlich Schlagwörter wie "KZ", "Holocaust" und "Hitler". Einigen fällt noch "geizig" ein oder sie lassen offenem Hass freien Lauf. Die Zahl der in Deutschland lebenden Juden schätzen die Befragten zwischen einer und 40 Millionen! Der Begriff "Kontingentflüchtling" ist allen fremd. Wie Tanja Grinberg kam der größte Teil der heute in Deutschland lebenden Juden in den 1990er Jahren aus der ehemaligen UdSSR. Im Film porträtiert die Regisseurin ihre Altersgenossen Ilia, Swetlana und Lena. Sie kamen als Kinder oder Jugendliche nach Deutschland, haben sich eingelebt, fanden sogar erst hier zu ihrer jüdischen Identität und Kultur. Die Generation ihrer Eltern fremdelt dagegen bis heute. Was oft daran liegt, dass ihre Diplome und Abschlüsse nicht anerkannt wurden und sie ihren Berufen nicht nachgehen konnten, aber auch an ihrer Wahrnehmung Deutschlands als Land der Täter.
Der Filmemacherin gelingt es, die ganze Bandbreite an Empfindungen, Erfahrungen und Realitäten von russischsprachigen Juden in Deutschland darzustellen. Das ist sehenswert, stimmt nachdenklich und ist hoch informativ. Am Ende wird auch die Frage beantwortet, wie viele Juden tatsächlich in Deutschland leben.

18. Jüdisches Film Festival Berlin und Potsdam 6/12