Film still from "Antonio Negri - Eine Revolte, die nicht endet" (2004)
Film still from "Antonio Negri - Eine Revolte, die nicht endet" (2004)

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Globale 05

Januar 2005
2. Globalisierungskritisches Filmfestival in Potsdam

Die Welt in Nahaufnahme: Ausbeutung und Unterdrückung, Widerstand und Hoffnung, Krieg und Konzernherrschaft. Mutige, z.T. Low-Budget-Produktionen dokumentieren die Auswirkungen der globalisierten kapitalistischen Ökonomie und den wachsenden Widerstand. 13 Filme sollen mit den Mitteln der Beobachtung, der Reflexion und der Kritik zur Diskussion über mögliche Auswege und zu politischem Handeln motivieren. Angeregt durch die Regionalgruppe attac Potsdam zeigt das Filmmuseum Potsdam Teile des durch die Globale A.G. Berlin initiierten 2. Globalisierungskritischen Filmfestivals "Globale 05". Bilder "formen die Wunschproduktion der Menschen gemäß den Interessen der Industrie" (Passadakis, attac Berlin). attac will mit seiner Auswahl von Filmen die wirtschaftliche Deutungshoheit des transnationalen Medienkomplexes durchbrechen. Film soll kritisches Medium sein, Kino politischer Ort. Mehr zu www.attac.de/potsdam

Die Helfer und die Frauen
RE: Karin Jurschick, D 2003
"Es gibt Dörfer in der Ukraine, in Moldawien und Rumänien, in denen alle Frauen unter 40 Jahren verschwunden sind", sagt die Autorin zu Beginn des Films. Die Kamera begibt sich auf die Suche, entlang der Straßen des "Arizona Marktes" in Bosnien, wo Frauen ebenso eine Ware sind wie Autoersatzteile und Baustoffe. Karin Jurschick sieht einen Zusammenhang zwischen dem gewinnträchtigen Frauen-Geschäft, Trafficing genannt, und der Präsenz internationaler Hilfstruppen wie UNO, KFOR und NATO.

Struggle
RE: Haolun-Shu, RC 2001
Podiumsdiskussion unter dem Thema:
"Reich an Armut - arbeiten um jeden Preis? Sozialabbau im internationalen Kontext"
Moderation: Prof. Dr. Helmut Knüppel (FB Sozialwesen / FH Potsdam).
Shenzen ist eine Metropole in Südchina. In Scharen gehen junge Leute auf der Suche nach Arbeit dorthin. Cui Qi findet einen Job in einem der Sweatshops, wo an desolaten Maschinen Billigware für die Auftraggeber aus Übersee produziert wird. Bis zu 16 Stunden arbeitet Cui Qi. Dann passiert es: Er schläft an der Maschine ein und verliert eine Hand. 10.000 Menschen verlieren pro Jahr bei Arbeitsunfällen Hände, Arme oder Füße, ohne eine Entschädigung zu bekommen. Der Anwalt Zhou Litai nimmt sich der Leute an und kämpft für ihre Rechte.

Performing the Border
RE: Ursula Biemann, CH 1999
Mexiko, Ciudad Juarez: Eine Wüstenstadt, die sich mit der Freihandelszone 1994 plötzlich gewandelt hat. Seither siedeln sich US- Firmen an, um vom zollfreien Handel und den billigen Arbeitskräften zu profitieren. Das Ergebnis ist ein völlig neuer sozio-ökonomischer Raum, die neoliberale Zone. Besondere Kennzeichnen: Ausbeutung, Gewalt, Anonymität, Entrechtung und Überwachung. Der Film portraitiert Frauen, die zum Teil als Schmugglerinnen oder Prostituierte in der Zone arbeiten müssen und von einer Mordserie bedroht sind. Ursula Biemann nähert sich der gespenstischen Wirklichkeit mit einem klaren, analytischen Blick.

Let the Lords Do What Want
RE: Andrea Plöger, Sabine Weber, D 2003
Die Reportage berichtet vom Weltsozialforum in Mumbai (Indien), Brennglas der Globalisierung. Auf überraschend deutliche Weise rückte das Weltsozialforum die Situation der Frau in den Brennpunkt. Sexarbeiterinnen demonstrieren gegen ihre Unterdrückung als "Unberührbare". Alleinerziehende berichten von ihrem Leben auf der Strasse. Sie wünschen sich nichts mehr, als genügend zu essen und ein Dach über dem Kopf. 60% der Landarbeit wird in Indien von Frauen erledigt, doch Männer haben die Kontrolle über die Produkte.

Railroad of Hope
RE: Ning Ying, VR China 2001
Sie warten auf den Zug und reisen drei Tage quer durch China. Tausende Bauern machen sich auf den Weg in die riesigen Baumwollplantagen von Xinjiang, um für drei Monate im Jahr mehr zu verdienen als zu Hause. Die Regisseurin löst Einzelschicksale aus der anonymen Menge der Migranten. Sie geht ganz nah an die Menschen heran, die über ihren Schmerz und ihre Hoffnungen erzählen.

Geschichte einer Plünderung Memoria Del Saqueo
RE: Fernando E. Solanas, RA/CH/F 2003
21.1.2005, 22.00 Uhr u. 24.1.2005, 20.00 Uhr
Von einem Dollar pro Tag lebt die Hälfte der argentinischen Bevölkerung. Das Land gehört zu den größten Schuldnern des tatenlos zusehenden Internationalen Währungsfonds, dessen wirtschaftliche Programme einen maßgeblichen Anteil zur desolaten Finanzsituation des Landes beigetragen haben. Viele Argentinier wurden sozial entrechtet und große Wut und Verarmung griff um sich. Wie in anderen Ländern, wo die Rezepte der internationalen Organisationen angewandt wurden, kam es zu zahlreichen sozialen Tragödien.

The Price of Gold
RE: Camille de Vitry, F/RMM 2003
In den Goldminen in Mali atmen die Arbeiter ungeschützt den cyanidhaltigen Staub ein. Rings um die Goldminen sterben Pflanzen und Tiere. Was wird aus den Menschen? Die Dorfbewohner von Sadiola erzählen von Krankheiten und Fehlgeburten. Umweltschützer aus aller Welt unterstützen sie in ihrem Kampf gegen die Verseuchung des Landes. Mit Erfolg. Die Goldsucher ziehen weiter, aber sie verschwinden nicht.

Wo der Himmel die Erde berührt
RE: Frank Müller, D 1999
Der Film fängt das Leben einer Schäferfamilie in einem hochgelegenen kirgisischen Bergdorf ein. Er zeigt die Menschen bei der Arbeit, beim Feiern, beim Beten und vermittelt so das Bild einer Region, die ihre Traditionen bewahrt und sich aus dieser Kraft heraus neuen Herausforderungen stellt. Ein beeindruckendes Arrangement von Bildern, Farben und Tönen. Als Rahmen zu den verschiedenen Schauplätzen und Zeiten trägt ein kirgisischer Episodenerzähler das nationale Epos "Manas" im Sprechgesang vor.

L'AFRANCE
RE: Alain Gomis, SN/F 2001
El Hadj studiert in Paris. Später will er in seine Heimat Senegal zurückkehren und beim Aufbau helfen. In Frankreich ist er "der Fremde", aber auch seiner Heimat entfernt er sich zunehmend. Als El Hadjs Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wird, soll er abgeschoben werden. Jetzt begegnet ihm die ganze Härte des französischen Repressionssystems. Alain Gomis, selbst senegalesischer Franzose, zeichnet ein sensibles Porträt, voller Zerrissenheit, nah dran an seinen AkteurInnen, die von sich selber sagen, sie seien "wie Flamingos, ein Fuß im Wasser, einen in der Luft, die Flügel gefaltet"; halb Afrika, halb Frankreich.

Bolivia
R: Roberto Ferro, RA 2001
Freddi muss seine Familie in La Paz verlassen. Die Plantage, auf der er sein Geld verdient hat, wurde von den amerikanischen Besitzern gerodet. Jetzt schuftet er in Buenos Aires in einem Grill, um das Überleben seiner Familie zu sichern. Eine Arbeitserlaubnis hat er nicht, und die Polizei lauert überall. Nachts schläft er auf der Straße. Tagtäglich wird er bei seiner Arbeit mit der Armut und dem Rassismus der Menschen konfrontiert. An seinen Traum, für das Auskommen der Familie sorgen zu können, hält er dennoch fest, bis es zum Verhängnis kommt.

Antonio Negri - Eine Revolte, die nicht endet
RE: Alexandra Weltz und Andreas Pichler, D 2004
"Empire" und "Multitude" haben ihn weltweit bekannt gemacht, doch Antonio Negri ist mehr als der Erfolg der letzten beiden Bücher. Er ist ein lebendiges und höchst vitales Geschichtsbuch der Kämpfe für eine gerechte Gesellschaft. Seit über 40 Jahren gibt er als Theoretiker wichtige Impulse, war aber auch als Aktivist vor den Werkstoren von Fiat und Alfa Romeo. Auf diese Weise hat er es in den 70er Jahren bis zum "Staatsfeind Nummer 1" in Italien gebracht. Der Film folgt chronologisch seiner Biografie, lässt Negri selbst zu Wort kommen und zeigt eine Traditionslinie vom Operaismus der 70er Jahre bis zu aktuellen Konzepten wie der Prekarisierung.

Globalization and the Media
RE: Paul O'Connor, USA 2002
Seit drei Jahren läuft der "war on terrorism". Die einflussreichsten Medienkonzerne machen sich dabei zu den Erfüllungsgehilfen der politischen und militärischen Kriegstreiber: Sie liefern durch die Verbreitung von Angst und Unsicherheit die propagandistische Legitimation für Krieg und Aufrüstung.

Das Erbe ARVEN
RE: Per Fly, DK/N/S/GB 2003
Einführung: Christian Klischat (Schauspieler Hans Otto Theater)
Christoffer und Maria leben glücklich in Stockholm. Bis zu dem Tag, an dem sich Christoffers Vater erhängt. Nun muss er sich zwischen seinem privaten Glück und der Loyalität zum Familienunternehmen entscheiden. Ab sofort soll er das wirtschaftlich angeschlagene Stahlunternehmen mit über 1000 Angestellten führen. Die Sanierungsaufgaben verlangen Christoffers Härte. Zu Beginn hat er noch Skrupel. Doch Stück für Stück versteinert er. Maria leidet darunter, die Ehe zerbricht. Per Fly erzählt, wie unternehmerische Strategie und Gewinnorientierung das Leben von Menschen unumkehrbar zerstören.