Gojko Mitic in "Der Scout", für den Karl Ernst Sasse die Filmmusik schrieb. Foto: DEFA-Goldmann
Gojko Mitic in "Der Scout", für den Karl Ernst Sasse die Filmmusik schrieb. Foto: DEFA-Goldmann

» Bestände / Bereiche

Gedenkveranstaltung für Karl-Ernst Sasse

Rede auf der Gedenkveranstaltung zum Tode von Karl-Ernst Sasse im Filmmuseum Potsdam am 14. Januar 2007
von Christa Koźik


Liebe Freunde, liebe Kollegen und Weggefährten von Karl-Ernst Sasse, liebe Inge Sasse!

An einem Sonntag im November 2006 ist Karl-Ernst Sasse von uns gegangen, an einem Sonntag im Januar 2007 haben wir uns hier im Potsdamer Filmmuseum versammelt, um uns an ihn zu erinnern - in Musik, Bild und Wort.
K. E. Sasse gehört für mich zu den überlebensgroßen Menschen, deren Lebens- und Künstlerkraft so stark waren und sind, dass man ihren TOD noch lange nicht begreifen kann.

Leibhaftig erscheint er mir, als säße ei hier unter uns: das graugelockte Haar aufgetürmt, mit wachen, neugierigen Augen, die vollen Lippen des offenen Mundes immer in Bewegung, als intoniere er eine unhörbare Melodie, dazu die wippenden Füße im Takt und das Gesicht lächelnd in der Spannung des Lauschens. Dieser ganze Mensch atmete und bewegte sich, als sei die MUSIK sein LEBENSSTROM, als sei sein Blutkreislauf von musikalischen Strömen begleitet. Eine Aura der I Lebens- und Sinnenfreude umgab ihn fast immer. lch kenne kaum einen Künstler, bei dem Leben und. Werk se sehr eins, so sehr in Harmonie verbunden waren.
Das war an Karl- Ernst Sasse das Wunderbare und machte ihn aller Liebe und Verehrung wert, dass er eine sich verschwendende Natur war, immer bereit, sich herzugeben an die Musik und an Menschen, um andere zu bereichern.
Von dieser liebenswürdigen Eigenschaft kam sein Reichtum, seine Künstlerkraft. Karl-Ernst Sasse war ein hoch gebildeter Musiker. Er schuf leicht, es war eine Art Atmen in Tönen, das er beherrschte, ob als Komponist, als Dirigent oder als Pianist. Man hatte den Eindruck, dass ihm alles zuflog, aber wer Ihn genauer kannte, der wusste, welche enorme Denkleistung und Denkleidenschaft hinter dem scheinbar Leichten stand. Wer über eine solche Fülle verfügte, der musste nicht sparen, der konnte großherzig, großmütig und Verschwenderisch sein. Und das war er bis an sein Ende.
MUSIK machen war ihm wie ATMEN. Diese Fähigkeit war das innerste Geheimnis seiner Musikalität.
Das war vielleicht von Anbeginn so, denn der kleine Karl-Ernst schrieb mit fünf Jahren schon Noten, bevor er das Alphabet lernte. Geboren zwischen den Kriegen des vorigen Jahrhunderts, kam er 1923 in Bremen in einer Musikerfamilie zur Welt. Die Vorfahren waren Lehrer und Kantoren. Mit zehn Jahren schuf er spielerisch kleine Musikstücke für die Schule und Familie. Er war ein bezaubernder Knabe, den ich da im Fotoalbum sehen konnte. Mit übergroßen wachen Augen, darüber die üppig dunklen Haare, den Mund mit vollen Lippen ahnungsvoll geöffnet, den schmalen Hals übers Klavier gebeugt.
Spielend leicht lernte er auch Klavier und Saxophon. Ein strahlendes Glückskind, so will es scheinen. Ob es so war, wissen wir nicht. Musiklehrer, wie es die Eltern wünschten, wollte er nicht werden.
1943 nach dem Abitur musste er in den Krieg. Er machte eine Fliegerausbildung und kam ins Musikcorps. Und als die Fliegerausbildung endete, ging auch der Krieg zu Ende. Er war davongekommen. Ein Glück, das ihm sicher lebenslang bewusst war. Musiklehrer wollte er nicht werden, kreativ wollte er sein. Es zog Ihn ans Konservatorium nach Sondershausen in Thüringen zum Studium von Klavier, Dirigat, Gesang und Komposition, was er glänzend bestand. Nach dem Studium war er von 1946 - 48 Dirigent am Landestheater Sondershausen. Bald zog es ihn ans Meininger Theater. Die Orchestermusiker stellten ihrem jungen Chefdirigenten bald den roten Sessel von Max Reger vors Pult - als Ehrenbezeigung.
Meinigen erwies sich als eine sehr gute Ortswahl im doppelten Sinne, denn dort verliebte er sich am Theater in die bezaubernde Soubrette Ingeburg Arnold. Beim Opernball des Theaters 1948 kam er werbend in ihre Garderobe. Die junge Dame aus Dresden war anfangs reserviert, aber wer konnte auf Dauer diesem Mann widerstehen? Eine romantische Liebe begann und schon 1949 wurde geheiratet. In aller Heimlichkeit, weil kein Geld und auch kein Ort für eine Feier vorhanden war. Man wohnte möbliert, zur Miete kamen 2,50 Mark Möbelgeld dazu, und das Brautkleid war aus Fallschirmseide. Einige Freunde bekamen doch etwas von der Trauung mit. Ein Korb mit Obstweinen rettet die Feier. Hochzeitsgeschenk war ein winzigschwarzer Hund. Das alles war Nachkriegs-Glück in reinster Form. Es gibt ein bezauberndes Foto aus dem Jahre 1950 von Inge und Karl-Ernst, einige Freunde werden es von der Einladungskarte zum 80. Geburtstag kennen. Da stehn sie beide, blutjung und liebevoll zueinandergeneigt, Inge im weißen Sommerkostüm, Karl-Ernst im schicken weißen Anzug mit schwarz-weißen Samba-Schuhen. Ein schönes Paar. Die schicken Klamotten waren aus weißen Bettlaken in der Theaterschneiderei genäht. Und an der Leine hält Inge den kleinen schwarzen Hochzeitshund.
Ich bin Inge Sasse dankbar, dass sie mir diese kostbaren Erinnerungen erzählt hat und mir Einblick ins Fotoalbum gewährte.
Die junge Soubrette war der Liebling des Meiniger Publikums und der junge Dirigent dirigierte mit Leidenschaft. Man war verliebt, lebte weiter bescheiden, schlief auf einer Seegrasmatratze, stillte den Hunger mit künstlerischem Enthusiasmus und lebte vom Morgen bis in den späten Abend im Theater. Es war eine Zeit des Aufbruchs und der Hoffnung, wie Inge Sasse erzählt.
1951 kam der Ruf nach Wernigerode, 1956 nach Halle und 1959 nach Potsdam zur DEFA. Fünf Jahre war Karl-Ernst Chefdirigent des DEFA-Sinfonieorchesters. Und Inge Sasse gab weiter Konzerte als Sängerin. Nach kurzen Umwegen über Halle kehrten beide 1968 nach Potsdam Babelsberg zurück und wurden sesshaft. Karl-Ernst Sasse arbeitet nun als freischaffender Komponist und es begann seine kreativste Schaffenszeit für den Film als Komponist für über fünfhundert DEFA-Spielfilme, Fernsehfilme, Stummfilme, Dokumentar-, Trick- und Werbefilme.
Sein musikalisches Archiv im Kopf und sein Gedächtnis waren gigantisch. Er beherrschte alle Stilrichtungen von den Anfängen der Musik, der Gregorianik, Barock, Klassik, Romantik, bis zur seriellen Musik und zu Jazz und Rockmusik. "Morricone der DDR" wurde er genannt. Diesen Titel verlieh ihm sein Musikerkollege Christian Koźik.
Lassen Sie mich nun einen REIGEN von DEFA-FILMTITELN nennen, die Sasse mit seiner Musik beseelt und bereichert hat. Bei vielen hier im Saal werden Erinnerungen aufblitzen:
Die Verlobte und Der Dritte, Lotte in Weimar und Lots Weib
Martin Luther und Sachsens Glanz und Preußens Gloria
Schüsse unterm Galgen und Mir nach, Canaillen
Hauptmann Florian von der Mühle und Don Juan - Liebknechtstr. 78
Fleur Lafontaine, Ich und du und Klein-Paris und Fräulein Schmetterling
Die Schlüssel und Der Baulöwe, Ulzana und Weiße Wölfe
Der Scout, Blutsbrüder, Die Spur des Falken, Kit und Co. und Alaskafüchse
Junge Frau von 1914 und Die Wahlverwandtschaften
Die Stunde der Töchter und Laut und leise ist die Liebe
Seine Hoheit, Genosse Prinz und Der Mann mit dem Ring im Ohr
Im Staub der Sterne, Das Luftschiff und Signale - ein Weltraumabenteuer
Ein Katzensprung, Der Haifischfütterer, Tiefe Furchen und Der Hut
Licht unterm Galgen und Zum Teufel mit Harbolla
Zwei schräge Vögel und Zwischen Nacht und Tag
Unterwegs zu Lenin und Wolz - Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten sowie zahlreiche zauberhafte Musiken für DEFA-KINDERFILME, wie
Moritz in der Litfaßsäule und Weiße Wolke Carolin
Isabell auf der Treppe und Der lange Ritt zur Schule
Gevatter Tod und Euch werd ich’s zeigen
Die Reise nach Sundevit und Mein Vater Alfons
Konzert für Bratpfanne und Orchester und Verflixtes Mißgeschick und andere.
Von den Stummfilmen, die ihm besonders Spaß machten, nenne ich
Der Golem, Der dritte Mann und Der müde Tod.

Dokumentar-, Trick- und andere Filme kann ich nicht nennen, wir säßen bis nachmittags hier. Zählt man seine Orchester-, Chor- und Bühnenwerke, seine Ballettmusiken, Lieder und Gesänge nach Brecht, Bobrowski und anderen, seine Kammermusiken, Hörspielmusiken und ca. 300 Chansons dazu, ergibt das einen musikalischen Kosmos, der drei Lebenswerke ausmachen könnte.
Karl-Ernst Sasse war stets engagiert und dicht am Puls der Zeit. Sein künstlerisches Werk wurde zu DDR-Zeiten gewürdigt und mit Preisen bedacht. So erhielt 1980den Fontane-Preis der Stadt Potsdam, 1984 den Preis des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR und 1986 als höchste Auszeichnung des Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur.
Mit seinem filmmusikalischen Werk hat Sasse ein Stück DEFA-Filmgeschichte mitgeschrieben. Regisseure und Orchestermusiker bewunderten sein Können und seine Präzision beim Dirigieren und bei den Filmmusik-Aufnahmen. In der Zusammenarbeit begegnete er Filmstudenten nicht anders als bekannten Regisseuren. Nie war er dozierend, immer voll Charme, Geduld und heiterem Geist, der ansteckend wirkte. Es brachte sich ein im Kreise der Kollegen vom Komponistenverband und im Verein Neue Musik Brandenburg, der nun einen großen Altmeister verliert.

Nach der WENDE 1990geriet er mit dem Verlust seiner künstlerischen Heimat, dem DEFA-Spielfilmstudio, wie so viele seiner Künstlerkollegen ersteinmal in ein schwarzes Loch. Jammern gab’s für ihn nicht, nur ein Vorwärts. Es kamen weiter Aufträge für Fernsehen und Film; zwar nicht mehr so zahlreich. Er schrieb jetzt viele Lieder und Chansons, machte zunehmend Chansonabende und begleitete Sänger und Sängerinnen am Klavier.
Die Vertreibung aus dem Haus in der August-Bier-Straße in Babelsberg verkrafteten Karl-Ernst und Inge schweren Herzens, waren sie doch neide schon weit über sechzig Jahre und dort im Haus verwurzelt.
Das Haus der Sasses in der August-Bier-Straße in Babelsberg war jahrzehntelang ein offenes, fröhliches Haus, ein Ort der Gastlichkeit und heiteren Geselligkeit, offen für Freunde und Freunde der Freunde, Kollegen, Bekannte, Nachbarn, später auch für die Kinder der Freunde und Kollegen.
Was waren das für herrliche Feste inmitten von schönen alten Möbeln und Kunstwerken. Die Bibliothek glich einem Bücherwald, in dem man sich verlaufen konnte. Das Ton-Studio von Karl-Ernst, schon legendär in der 80er Jahren, war ein magischer Ort, ein Labyrinth geheimnisvoller Töne und Schaltkreise , deren Rätsel nur der Meister durchschaute. Hier erwies er sich wieder als Künstler mit Denkleidenschaft, der sich mithilfe der Technik das mühsame Notenschreiben ersparte.
Glocken erklangen an der Flurtür beim Eintreten, schwarzgelockte Hunde begrüßten die Besucher. Das Büfett war üppig, die Weine und Liköre erlesen, die Gastgeber stets gutgelaunt und verschwenderisch. Bezaubernde Hausherrin war Ingeburg, die es schaffte, das Haus zum Ort der Freundschaft, der Kunst und Lebensfreude zu machen. Die Freunde ersetzten ihnen die Familie.
"Ich konnte auf die Dauer nicht zwei Herren dienen", sagte sie und entschied sich, auf diese Weise seine zweite Hälfte zu sein: als Beraterin, Sekretärin, Botin, Managerin, Chauffeurin, Gastgeberin, Hausfrau, Garderobiere, Gärtnerin und vieles andere. Das Werk von Sasse wäre bei weitem nicht so umfangreich, wenn er nicht diese kluge und starke Frau an seiner Seite gehabt hätte.
Er hat es ihr immer gedankt. Seine schönste Liebeserklärung an sie las ich in einem Interview im Juni 2003 in der MAZ. Gefragt, was er mit auf eine einsame Insel nähme, erwiderte er: meine Frau Inge, einen Hund und alle Romane von Simenon. Und das nach fünfzig Ehejahren. Vielleicht war er ja auch zunehmend ein Macho. Nur eine wird das wissen. Und wenn ja, dann war ein liebenswerter Macho.

An diesem wunderbaren Paar Inge und Karl-Ernst Sasse, das 55 Jahre zusammenlebte, habe ich begriffen, dass das gefürchtete Altwerden nicht so schlimm ist, wenn man sich auf den Partner verlassen kann. Und den kostbarsten Stoff, den Stoff LEBEN gemeinsam ganz bewusst genießt, mit Freunden und Kollegen in tätiger Harmonie. Alte Liebe rostet nicht... alte Liebe wird zu Gold.

"Alter ist die Leidensmiene des Körpers, die der Geist weglächeln will", sagte der französische Dichter Louis Aragon vor seinem Tode. Wie wahr! Karl-Ernst Sasse hat sein Leben lang gelächelt, auch gegen das Altern. Und zuletzt gegen die Krankheit, den Schmerz. Lächeln und lautes Lachen waren seine Markenzeichen. Es gibt hundert komische Geschichten um ihn. Ich beschränke mich auf drei. Er sitzt bei einer Feier an unserem Flügel, in der einen Hand eine große Kleiderbürste. Er spielt die Ouvertüre zu "Tristan und Isolde" und die Kleiderbürste ersetzt brillant die Streichinstrumente.
Die Geschichte vom verschlossenen Klavier hat mir Gisbert Terhorst erzählt: Chansonabend in einer Provinzstadt. Die beiden Künstler haben sich verfahren, kommen zu spät. Das Publikum sitzt vorwurfsvoll schweigend. Gisbert begrüßt die Zuschauer entschuldigend, will singen. Karl-Ernst sagt spitz: Das Klavier ist abgeschlossen. Ein Ober kommt, verkündet, der Schlüssel sei verloren. Der Pianist ist plötzlich verschwunden, er ist nicht geflüchtet, er liegt auf dem Rücken unterm Klavier, haut mit beiden Handflächen von unten mehrmals auf den Klavierboden. Ein Brett löst sich, dann nach weiteren Hieben der verschlossene Klavierdeckel. Der Pianist setzt die Teile vor dem staunenden Publikum wieder zusammen, das jetzt herzlich lacht, weil ein so seltsames Vorspiel ungewöhnlich ist und von hoher handwerklicher Perfektion des Pianisten zeugt. Wo hat er das gelernt? Es wurde noch ein sehr heiterer Abend.
Und vor ca. vier Jahren erlebten wir ihn im Babelsberger Kulturhaus in der Reihe "Babelsberger Köpfe". Man zeigte Ausschnitte seiner Filme und befragte ihn auf der Bühne im Gespräch. Auf die Frage, wo und wie er seine Ideen fände, sagt er: "Och, eigentlich überall. Zum Beispiel beim Kartoffelschälen. Da sehe ich eine Kartoffel, zwei Kartoffeln, drei Kartoffeln... (mit den Händen demonstriert er ein Rauf und Runter, als wären es Noten) ...und schon ist die Melodie da." Er lacht schelmisch ins Publikum. Aus dem Zuschauerraum kommt die bezaubernd sächsische Stimme seiner lieben Frau: "Der wees garnich, wo der Kartoffeleimer steht."

Angesichts des Todes bekommen alle Worte Leichtgewicht, und alle Worte der Welt können eine lieben Toten nicht lebendig machen.
Wie viel geistiges Blut versiegt, wenn ein großer Künstler stirbt! Wie viel Musik wäre noch in die Welt gekommen, hätte Karl-Ernst Sasse einige Jahre länger gelebt. Viele, viele Monate hat er den Tod zurückgewiesen, mit tapferem Lächeln und voller Ideen. Bis er ihn an jenem 12. November 2006 in seinem 82. Lebensjahr angenommen hat. Es war kein sanfter Tod, aber ein müder Tod. Am Ende ist er entschlafen, ins Jenseits der Schmerzen.
Als ich das vorletzte Mal im Oktober an seinem Krankenbett in der Klinik in Potsdam saß, habe ich ihm aus meinem Kinderbuch "Der Engel mit dem goldenen Schnurrbart" vorgelesen, um ihn zu erheitern. Er hat gelächelt, auch herzlich gelacht. Und als ich ihn fragte: Wollen wir nicht beide danach eine Kinderoper oder ein Musical machen?, funkelten seine Augen, als sähe er schon kleine Noten aufblitzen. "Ich hab noch soviel Melodien im Kopf", sagte er. Damals glaubte ich noch an ein Wunder: dass sein starker Geist den geschwächten Körper tragen und stärker machen würde.
Wie aktiv er noch auf dem Krankenbett war und welchen Anteil er am Potsdamer Kulturgeschehen nahm, beweist seine Unterschrift für einen öffentlichen Brief zum Erhalt des Theaterschiffes Potsdam im September 2006.
Und seine allerletzte Filmmusik schrieb er kurz vor seinem Tod im Oktober für Rolf Losanskys Kinderkurzfilm "Schneewittchen und die 21 Zwerge"". Er wollte zu Hause sterben, in Inges Nähe und sie hat ihn mit Liebe und Geduld getreulich begleitet, bis zuletzt, wie auch ein Großteil seiner treuen Freunde und Freundinnen.
Inge Sasse ist keine gebrochene Witwe. Sie lebt mit ihm weiter und bleibt die kluge und starke Gefährtin, die es als Aufgabe sieht, sein Lebenswerk zu wahren und großherzig an den richtigen Ort zu geben. Auch dabei helfen gute Freunde. Der künstlerische Nachlass und sein Tonstudio finden im Filmmuseum Potsdam eine würdige Heimstatt. Hier ist der beste Ort, um seiner zu gedenken und ihn weiter, über den östlichen Teil unseres Landes hinaus bekannter zu machen. Denn als "Morricone der DDR" zählt er ohne Zweifel zu den bedeutendsten Filmkomponisten Deutschlands. Dass das voll erkannt wird, ist uns allen eine Aufgabe. Und mehr und mehr werden ja DEFA-Filme in Filmotheken und Kinos von USA bis Japan gezeigt. Wer schreibt die erste Biografie über Karl-Ernst Sasse?

Ein genialer und herrlicher Mensch hat uns verlassen. Mit seinem großen musikalischen Werk hat er den Tod überlistet, denn dadurch bleibt er uns und allen lebendig. Was einmal war, bleibt in der Welt.
Ich verneige mich vor Karl-Ernst Sasse in Verehrung, Freundschaft und Dankbarkeit. Wenn meine Rede zu lang war, verzeihen Sie mir. Aber über einen so überlebensgroßen Menschen kann man sich nicht kurz fassen.

Ich danke Ihnen!