Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Finnischer Winter : Bilder von Timo Jakola + Melodramen von Teuvo Tulio

26. November 2004 - 27. Februar 2005
Finnischer Winter I
So weit die Nacht reicht - Bilder von Timo Jakola

"Die Stadt mit all ihren extremen Bedingungen ist mein liebster Motivkreis. Die neblige, schneebedeckte Straße mit ihren Passanten und Lichtern - diese Elemente zu malen fällt mir leicht." Der finnische Künstler Timo Jakola, Jahrgang 1957, hatte sich in den 1980er Jahren zunächst mit der "Visualisierung von Rockmusik" beschäftigt, bevor er für die Seelenverwandtschaft zu seinem Landsmann Aki Kaurismäki Bilder fand. An dessen Filmen liebte er den reduzierten Ausdruck, das Malerische der unwirtlichen Orte, das schmucklose Leben seiner Figuren. Er bat den international angesehenen Regisseur um die Erlaubnis, Bilder nach seinen Filmen malen und veröffentlichen zu dürfen. Aki Kaurismäki zögerte lange, gab dem Maler aber schließlich seinen Segen. Jakola war zudem befreundet mit Akis Bruder Mika, ebenfalls Regisseur, und widmete sich auch dessen Oeuvre.
2003 stellte Jakola im Finnland-Institut Berlin erstmals einige Bilder zu Filmen Aki Kaurismäkis vor. Das Filmmuseum Potsdam präsentierte nun neue Arbeiten des Künstlers, die exklusiv für die Potsdamer Ausstellung entstanden waren, und verband die Schau mit einer Retrospektive der Filme beider Kaurismäki-Brüder.
Kuratorin: Bärbel Dalichow (FMP)
Plakat: Kerstin Barkmann (FMP)

Finnischer Winter II
Im Banne der Leidenschaft - Melodramen von Teuvo Tulio


Der Filmregisseur Teuvo Tulio (1912 - 2000), von Aki Kaurismäki wegen seiner meisterhaften Melodramen verehrt, ist eine Legende des finnischen Kinos, außerhalb seiner Heimat jedoch weitgehend unbekannt. Tulio wurde zunächst als Schauspieler berühmt, als "finnischer Valentino" spielte er Hauptrollen in vier Filmen eines Schulfreundes. Mitte der 1930er Jahre gelang ihm der Durchbruch als Regisseur mit stilistisch ungewöhnlichen Melodramen, die zu seinem Markenzeichen wurden. Wegen ihrer erotischen Färbung wurden sie immer wieder von den Zensurbehörden mit Auflagen und Verboten abgestraft. Um sich seine Unabhängigkeit zu bewahren, produzierte Tulio seine Filme stets selbst, bis ihn in den 1970er Jahren große Produktionsfirmen ins Abseits drängten und daraufhin das Publikum ausblieb. Der Regisseur hatte sich nie von künstlerischen Moden vereinnahmen lassen, seine Filme blieben unverwechselbar. In metaphorischen Bildern kreisten sie fast ausnahmslos um die Hauptdarstellerin Regina Linnanheimo (1915 - 1995), Tulios einstige Mitschülerin und Freundin, die mit ihrem expressiven Stil zur Ikone seiner Kinogeschichten wurde. Auch in seiner Treue zu Themen und Menschen folgte Aki Kaurismäki Teuvo Tulio. Das Filmmuseum präsentierte mit Unterstützung des Finnland-Instituts eine kleine Ausstellung mit Filmstills und Plakaten aus Teuvo-Tulio-Filmen sowie eine kleine Filmreihe mit einem einführenden Vortrag.

Filmreihe zur Ausstellung


November 2004 - Februar 2005
FILME: Der Mann ohne Vergangenheit / Ten Minutes Older - The Trumpet / Karin und der Fremde / Juha / Arvottomat / Crime and Punishment / Klaani - Tarina Sammakoitten Suvusta / Calamari Union / Schatten im Paradies / Eggs / Das Lied von der feuerroten Blume / So wie du mich wolltest / Hamlet Goes Business / Kaurismäki Kaurismäki / Ariel / Leningrad Cowboys Go America / Das Mädchen aus der Streichholzfabrik / Nordlichter / Kitchen Stories / Das Leben der Bohéme / Tatjana - Take Care of Your Scarf / Die Leningrad Cowboys treffen Moses / Wolken ziehen vorüber / Finnisches Dreigestirn
Der Mann ohne Vergangenheit Mies vailla menneisyyttä
RE: Aki Kaurismäki, FIN 2001
Bei einem Überfall wird ein Mann zusammengeschlagen, als Folge davon verliert er seine Erinnerung. Die Ärzte erklären ihn wenig später für tot, doch kaum dass sie das Zimmer verlassen haben, erwacht er und flieht. Erinnerungslos wandelt er durch die leeren Strassen Helsinkis, bis er in einem ausrangierten Müllcontainer am Flussufer ein bescheidenes Domizil findet. Dort knüpft er erste soziale Kontakte. Bei der Heilsarmee verliebt er sich in die ebenso traurige wie zugeknöpfte Irma. Mit Zähigkeit, Phantasie, Überlebenswillen und nicht zuletzt durch die zarte Liebe zu Irma kehrt der Gedächtnislose ins Leben zurück.

Ten Minutes Older - The Trumpet
RE: Aki Kaurismäki, Victor Erice, Werner Herzog, Jim Jarmusch, Wim Wenders, Spike Lee, Chen Kaige, D 2002
In sieben Kurzfilmen drehen oder raffen namhafte Autorenfilmer die Minuten nach allen Regeln der Kunst, mal bunt und aufgeregt, mal spröde und beiläufig. Als verbindendes Element fungiert die Trompeten-Improvisation des afrikanischen Musikers Hugh Masekela und seinem Trio, das mit den Bildern von Lichtreflexen auf einem Fluss in Cambridge nach impressionistischer Manier gemäss dem Motto "Die Zeit ist ein Fluss" kombiniert wird.

Karin und der Fremde Vieras mies tuli taloon
RE: Wilho Ilmari, FIN 1938
Sie sind Außenseiter: die spröde, verschlossene Karin und ihr Mann, ein jähzorniger Alkoholiker. Ihrem abgelegenen Hof droht der Verfall. Eines Tages bittet ein Fremder um Arbeit. Karin engagiert ihn gegen den Willen ihres Mannes, und ein düsteres Drama um Eifersucht, Vergewaltigung und Mord nimmt seinen Lauf ... Dieser Film überrascht durch stilistische Eigenheiten, die wir aus Werken Aki Kaurismäkis kennen: Dramatische Begebenheiten treten uns unterkühlt und in schmuckloser epischer Erzählweise entgegen; aus der genauen Zeichnung der Figuren und ihrer Lebensräume erwächst eine bedrückende Atmosphäre; die Menschen wechseln kein Wort zuviel miteinander. Dieser Filmklassiker, dem ein Roman des populären finnischen Autors Mika Waltari zugrunde liegt, entstand 1938 unter der Regie des bekannten finnischen Theaterschauspielers Wilho Ilmari.

Referenz an den Stummfilm
Juha
RE: Aki Kaurismäki, FIN 1998
Dieser Film kommt - sieht man von den Zwischentiteln ab - ohne Worte aus; ein moderner Stummfilm nur mit Musik und in schwarzweiß. Juha und Marja lieben sich, sie bauen Kohlköpfe an und verkaufen sie auf dem Markt. Abends kochen sie Eintopf, essen und schlafen eng aneinander gekuschelt ein. Doch in diese Welt bricht das Böse in Gestalt des Verführers Shemeikkas ein, und nichts ist mehr, wie es war. Die leichte Parodie des Stummfilms geht über in das Melodram. Shemeikka wird Marja verführen und aus ihr eine Hure machen. Juha schleift seine Axt.

Arvottomat The Worthless
RE: Mika Kaurismäki, FIN 1982
Ein Kleinkrimineller namens Manne und Veera, seine Ex-Geliebte, müssen aus Helsinki flüchten. Unterwegs stößt Harri dazu, ein alter Kumpel Mannes, der sich sofort in Veera verliebt. Eine Gangstergruppe verfolgt die drei aufgrund eines gestohlenen Gemäldes und alten Schulden. In dieser sehr finnischen Geschichte, die sich um Gewalt, Romantik und um das Leben dreht, wird viel mit Autos durch die Landschaft gefahren. Melancholie und Trübsinn bestimmen diesen Road Movie, der auch von der Kluft zwischen den traditionellen Lebenswelten der ländlichen Provinz Finnlands und dem großstädtischen Treiben in der Hauptstadt berichtet.

Crime and Punishment Rikos Ja Rangaistus
RE: Aki Kaurismäki, FIN 1983
Der an Dostojewskis "Schuld und Sühne" angelehnte Erstlingsfilm von Aki Kaurismäki erzählt die Geschichte des jungen Rahikanen, der nach Abbruch seines Studiums im Schlachthof arbeitet und ein Zimmer in einer schäbigen Pension bewohnt. Eines Abends sucht er nach Feierabend einen offensichtlich gutsituierten Mann auf und erschießt ihn in dessen Wohnung. Als er dessen Taschen durchwühlt, steht plötzlich Eeva, eine junge Frau vor ihm. Es kommt zu einem kurzen Wortwechsel, in dem Rahikanen als Motiv für seinen Mord angibt: "Er hat es verdient." Während der folgenden Tage unternimmt er nichts, um seine Tat zu vertuschen. Im Gegenteil. Er behält nicht nur die Pistole, sondern auch ein Tuch mit dem Blut des Opfers, erscheint ohne Erklärung nicht mehr zur Arbeit, verbringt die Tage in seinem düsteren Zimmer und streunt abends durch die Stadt. Das folgende Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei kann er denn letztlich auch nicht gewinnen.

The Clan - Tale of the Frogs Klaani - Tarina Sammakoitten Suvusta
RE: Mika Kaurismäki, FIN 1984
Die "Frösche" sind ein Familienklan aus Kleinkriminellen, die von Einbruch und Diebstahl leben. Aleksanteri Sammakko (Sammakko heisst auf finnisch Frosch) ist der jüngste Sohn. Als er versucht, sich seinen Platz in der Gesellschaft zu suchen und aus der Familientradition auszubrechen, spitzen sich die Konflikte zu. Schlussendlich merkt er trotz aller Vorbehalte, dass er seine verschrobene Familie liebt und so tritt er letztlich doch in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Das Werk ist im Stil der finnischen Filme der 30er und 40er Jahre gedreht, in denen eine Liebesszene in einer Scheune Standard war.

Calamari Union
RE: Aki Kaurismäki, FIN 1985
"In einer Kneipe am Stadtrand von Helsinki fassen 17 Männer, die alle Frank heißen, außer einem namens Pekka, den Entschluss, ein gelobtes Land am anderen Ende der Stadt zu suchen. Ihre gefährliche Fahrt führt sie vom Arbeiterviertel der Stadt zu den paradiesischen Gefilden des Eira-Distrikts, der am Meer liegt. Doch ihre Odyssee durch die Großstadt endet für die meisten tödlich. Eine abstruse Mischung aus Farce und existentialistischem Drama, die mit spröder Poesie und in kühlen Bildern die finnische Alltagswelt als groteskes "Schlachtfeld" eines täglichen Überlebenskampfes zeichnet." (fd 16/92)

Schatten im Paradies Varjoja Paratiisissa
RE: Aki Kaurismäki, FIN 1986
In das triste Leben des Müllwagenfahrers Nikander und der arbeitslosen Supermarktkassiererin Ilona kommt plötzlich so etwas wie Licht und Glanz. Die beiden verlieben sich im regnerischen Helsinki ineinander, auch wenn ihre Annäherung recht verkrampft ist. Nikander und Ilona haben sich im Schatten der Gesellschaft noch immer die Hoffnung auf ein mögliches Paradies bewahrt. "Schatten im Paradies" ist der erste Film der "Proletarischen Trilogie" ("Ariel" und "Das Mädchen aus der Streichholzfabrik"), mit der sich Kaurismäki von der allgemeinen "Kulturscheisse" abgrenzen wollte und die seinen Ruf begründete.

Zur Ausstellung FINNISCHER WINTER "Nordlichter"
Eggs Varjoja Paratiisissa
RE: Bent Hamer, N 1995
Moe und Far sind Brüder und Mitte 70. Ihr ganzes Leben haben sie gemeinsam in ihrem abgeschiedenen Haus auf dem Land verbracht. Die Rollen sind verteilt, der Alltag voller Gewohnheiten und Rituale. Nur einmal ist Far für ein paar Tage ausgebrochen, mit dem Moped war er in Schweden. Das ist nicht ohne Folgen gewesen. Nun, 25 Jahre später bricht sein Sohn Konrad in das gewohnte Leben der beiden Brüder ein: Fremd, groß und unförmig, sprachlos und mit einer Kiste geheimnisvoller Vogeleier auf dem Schoß, wird er im Rollstuhl direkt vor ihrer Tür abgesetzt.

Das Lied von der feuerroten Blume Laulu tulipunaisesta kukasta
RE: Teuvo Tulio, FIN 1938
Tulios erste Regiearbeit, deren Geschichte auf einem Roman beruht, dreht sich um einen Landstreicher, der seine Liebschaften häufig wechselt, um so vor dem Gefühl der Leere in seinem Leben zu fliehen. Thematisch kreist der Film um Erotik, Sünde und Jungfräulichkeit, um Religiosität, den Zusammenstoß von unterschiedlichen Moralansichten und um die verheerenden Folgen standesbedingter Vorurteile. Tulios Inszenierung schwelgt in Wildwasserfahrten, leidenschaftlichen Liebesszenen in Nahaufnahme und der bezaubernden finnischen Sommerlandschaft.

So wie du mich wolltest Sellaisena kuin sinä minut halusit
RE: Teuvo Tulio, FIN 1944
Der Film handelt von einem Mädchen, das aus dem Schärengebiet kommt, in die Großstadt gerät und dort verführt und ins Verderben gestürzt wird. Die Schären werden als Paradies der reinen Liebe vorgestellt. Die Stadt hingegen ist die Höhle des Verfalls, hier herrschen Trunksucht, Völlerei und zweifelhafte Vergnügungen, und arglose Frauen geraten unverschuldet auf Abwege.

Retrospektive
Hamlet Goes Business Hamlet Liikemaailmassa
RE: Aki Kaurismäki, FIN 1987
Kaurismäki verlegt in seinem Film den klassischen Stoff ins moderne Finnland: Hamlets Vater ist nicht König von Dänemark sondern ein erfolgreicher Großindustrieller. Klaus, ein karrieresüchtiger Untergebener, vergiftet ihn und übernimmt seinen Betrieb. Er heiratet Hamlets Mutter und will den Betrieb auf die Produktion von Gummienten umstellen. Der getötete Konzernchef erscheint seinem Sohn im Traum als Geist und bittet ihn, den Mord zu rächen. Hamlet selbst ist ein lebensuntauglicher Träumer, der auf Vorstandssitzungen Comics liest und den die Massenproduktion von Gummienten nicht interessiert. Als er sich für die Ermordung seines Vaters rächt, beschwört er damit mehr Unheil herauf als beabsichtigt.

Kaurismäki Kaurismäki
RE: Alexander Bohr, D 1994
Die Dokumentation beschäftigt sich mit dem umfangreichen filmischen Werk der Brüder Kaurismäki - von den gemeinsamen Anfängen bis zum Jahr 1994, als beide noch ein Geheimtipp waren. Mika, der ältere hat Film studiert. Sein Abschlussfilm "Der Lügner" entstand nach einem Drehbuch von Aki, der mittlerweile der bekanntere und erfolgreichere der beiden ist. Dies ist nicht zuletzt auf die gezielte Imagepflege des Autodidakten zurückzuführen, der sich bei Pressekonferenzen und in Interviews gerne als versoffener Raufbold gibt. Der Film macht aber auch neugierig auf die weniger bekannten und trotzdem herausragenden Arbeiten von Mika.

Ariel
RE: Aki Kaurismäki, FIN 1988
Der arbeitslose Bergarbeiter Taisto fährt im Cabriolet seines verstorbenen Freundes nach Helsinki. Bei einer Rast wird er ausgeraubt und zusammengeschlagen. Da er kein Geld hat, arbeitet er als Hilfsarbeiter am Hafen. Abends betrinkt er sich. Eines Tages trifft er die Politesse Irmeli und verliebt sich in sie. Seine Pechsträhne bricht aber nicht ab: Er kommt ins Gefängnis, kann aber wieder ausbrechen und flieht am Ende mit dem Schiff "Ariel" in eine Märchenzukunft. "Melo-komödiantische Glückssuche vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die von Schmutz und Misstrauen geprägt ist. Voller Poesie, knapp und schnörkellos erzählt und zugleich einem schonungslosen Realismus bei der Beschreibung gesellschaftlicher Zustände verpflichtet." (Lexikon des Internationalen Films)

Leningrad Cowboys Go America
RE: Aki Kaurismäki, FIN 1989
In den Weiten der endlosen russischen Tundra haust die schlechteste Rock-'n'-Roll-Band der Welt. Perfekt gestylt mit überdimensionierten Haartollen und auffallenden Schnabelschuhen, fehlt ihnen nur eins: Publikum. Der Bassist hat zu lange im Schnee geprobt und ist eingefroren. In einem Sarg mit vier Löchern - eins für die Bassgitarre, zwei für die spitzen Schuhe und eins für die Haartolle - begleitet der Tote die Band auf ihre ungewöhnliche Tournee durch die USA. Statt großer Auftritte in New York erhalten die Musiker jedoch nur ein Engagement für eine Hochzeitsfeier in Mexiko ...

Das Mädchen aus der Streichholzfabrik Tulitikkutehtaan Tyttö
RE: Aki Kaurismäki, FIN/S 1990
Tag für Tag steht Iris am Fließband in der Streichholzfabrik. Sie lebt in einer kleinen Wohnung bei ihrer Mutter und deren Freund. Wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt, kocht, putzt und bügelt sie für die beiden, die die ganze Zeit schweigend vor dem Fernseher sitzen. Eines Tages kauft sich Iris ein Ballkleid, um damit in eine Disko zu gehen. Dort lernt sie den Geschäftsmann Aarne kennen und verbringt eine Nacht mit ihm. Als sie feststellt, dass sie schwanger ist, wird sie von ihrer Mutter aus dem Haus geworfen, und Aarne verlangt eine Abtreibung. So entschließt sich Iris, Rattengift zu kaufen ...

"Nordlichter"
Zugvögel ... Einmal nach Inari
RE: Peter Lichtefeld, D/FIN 1997
Der Dortmunder Bierfahrer Hannes lässt sein tristes Leben hinter sich, um im nordfinnischen Inari am 1. Wettbewerb für Eisenbahnexperten und Kursbuchverbindungen teilzunehmen. Unbeschwert genießt er die schöne Zugfahrt, und ganz nebenbei trifft er seine große Liebe. Hannes weiß jedoch nicht, dass er von Kommissar Franck in einem Mordfall verdächtigt wird. Viele unterkühlt-skurrile Szenen erinnern an die Filme der Brüder Kaurismäki. So entwickelt sich die Handlung zu einem mal träumerisch-verschmitzten, mal subtil-poetischen Spiel um das Reisen und damit verbundene Begegnungen.

Kitchen Stories
RE: Bent Hamer, N 2003
Für einen Werbefeldzug für moderne Küchen werden vom schwedischen Forschungsinstitut eingehende Studien vorgenommen. Bei seinen Erhebungen hat das Institut eine weitgehend unerforschte Zielgruppe im Auge: den Junggesellen. 18 Beobachter werden in ein kleines norwegisches Dorf geschickt, um an freiwilligen Probanden deren Küchenroutine zu studieren. Dem Interviewer Folke wird der kauzige Junggeselle Isak zugeteilt. Von einem Hochsitz in der Ecke der Küche beobachtet er Isak tagein tagaus. Dabei darf kein persönlicher Kontakt entstehen, schon gar nicht miteinander gesprochen werden, harte Regeln in der Einsamkeit Norwegens.

Das Leben der Bohéme
RE: Aki Kaurismäki, FIN/F/D/S 1992
"Der Autor Marcel, der Komponist Schaunard und der Maler Rodolfo leben in Paris und teilen das wenige Geld, das sie verdienen, untereinander auf. Auch Frauen spielen in ihrem Leben eine Rolle. Alle drei lernen sie ihre große Liebe kennen, und versuchen diese über alle Hindernisse hinweg zu bewahren. Eine lakonisch erzählte, hervorragend fotografierte und von Melancholie durchtränkte Meditation über Kameradschaft und die Macht der Liebe im Überlebenskampf gegen Entfremdung und Kälte." (fd 5/92)

Tatjana - Take Care of Your Scarf Pidä Huivista Kiinni, Tatjana
RE: Aki Kaurismäki, FIN/D 1994
Der kaffeesüchtige Heimarbeiter Valto schließt seine Mutter in den Wandschrank und fährt mit seinem Freund, dem wodkatrinkenden Automechaniker Reino, im klapprigen Wolga gen Osten. Unterwegs nehmen die beiden zwei Anhalterinnen aus der Sowjetunion mit und versprechen, sie nach Hause zu bringen. Zwar können sie mit der schüchternen Tatjana und ihrer Freundin kaum einen Satz wechseln, dennoch nähern sie sich bald an. Als sie schließlich in Tatjanas Heimatdorf ankommen, entschließt sich Reino, bei ihr zu bleiben.

Die Leningrad Cowboys treffen Moses Leningrad Cowboys Meet Moses
RE: Aki Kaurismäki, FIN/D/F 1994
Fünf Jahre nachdem die Leningrad Cowboys Mexiko erreicht haben, ist die Hälfte der Musiker dem Tequila zum Opfer gefallen. Die noch übriggebliebenen erhalten ein Telegramm des totgeglaubten Managers Vladimir, der sich inzwischen für Moses hält und die Band ins "Gelobte Land" zurückführen möchte. Es folgt ein Road Movie von Mexiko über Deutschland, Polen nach Sibirien - mit spontanen Konzerten auf der Strecke.

Wolken ziehen vorüber Kauas Pilvet Karkaavat
RE: Aki Kaurismäki, FIN/D/F 1996
Ilona arbeitet als Oberkellnerin im Restaurant "Dubrovnik" und wird entlassen, als die Besitzerin das Lokal verkaufen muss. Ihr Mann Lauri ist ebenfalls seit kurzem ohne Arbeit, da er als Straßenbahnfahrer der Rationalisierung zum Opfer gefallen ist. Für die beiden beginnt eine deprimierende Zeit der Arbeitsuche: Täglich machen sie frustrierende Bittgänge, von denen sie abends erschöpft in ihre karge Wohnung zurückkommen. Langsam geht ihnen das Geld aus, und dass Lauri zu stolz ist, Arbeitslosenunterstützung zu beantragen, macht die Sache nicht besser. Dann trifft Ilona eines Tages einen früheren Arbeitskollegen, der ihr vorschlägt, doch selbst ein Restaurant zu eröffnen.

"Nordlichter"
Junk Mail - Wenn der Postmann gar nicht klingelt BUDBRINGEREN
RE: Pal Sletaune, N 1996
"Der nicht sonderlich diensteifrige Postbote Roy öffnet gern die Briefe seiner Kunden oder hortet sie gar in einem Versteck. Als die schwerhörige Line ihren Wohnungsschlüssel am Briefkasten hängen lässt, wittert der Postbote ein zärtliches Abenteuer. Sein Hausfriedensbruch rettet ihr das Leben, das sie sich mit Tabletten nehmen wollte. Roy zieht das bewusstlose Mädchen aus der Badewanne und verstrickt sich in ein Abenteuer ganz anderer Art. Eine mit skurrilem Humor gewürzte Tragikomödie mit liebenswerten, unkonventionellen Figuren." (Lexikon des Internationalen Films)

Finnisches Dreigestirn
Märkische Allgemeine Zeitung, Peer Straube, 26.11.2004
Es ist ein seltsames Triumvirat. Aki Kaurismäki, der extravagante finnische Regisseur, dann Teuvo Tulio,
sein Landsmann, der in den 30ern mit Melodramen Furore machte, der einzige, den Kaurismäki als "wirkliches Vorbild" gelten lässt. Und schließlich Timo Jakola, der Maler, der mit seinen Bildern die Stimmung von Kaurismäkis Filmen einfängt. Gestern wurde im Filmmuseum eine Ausstellung eröffnet, die sich den Früchten dieser ungewöhnlichen Symbiose widmet und zu der sogar der finnische Botschafter erwartet worden war. Auf genau 101 Bildern erzählt Jakola in oft dunklen, gedeckten und auf mysteriöse Weise verwaschenen Farben Geschichten von Einsamkeit, von Flucht und Tristesse. Ihn habe das "Reduzierte" an Kaurismäkis Filmen zum Malen gereizt, sagt Jakola. Vor zehn Jahren holte er sich die Erlaubnis des Regisseurs, dessen Werke als Grundlage für seine Inspiration zu nehmen. Kaurismäki, sonst eher als öffentlichkeitsscheu bekannt, soll sogar bewundernd ausgerufen haben: "Das ist meine Welt." (...)
Selbstverständlich werden parallel zur Schau auch Filme von Kaurismäki zu sehen sein. Die Ausstellung mit dem Titel "Finnischer Winter" läuft noch bis zum 27.2.2005.