Eröffnung der Foyerausstellung

Foyerausstellung vom 11. Dezember bis 28. Februar 2010

"Eines Tages betrat Brecht das Atelier, sah sich um, ging auf den Sand zu, stellte den Fuß in den Sand, rutschte mit seinen schiefen Absätzen darauf herum und sagte ganz trocken: ‚Ich hatte die ‚Courage’ nicht auf Sand gebaut!’"
"In den riesigen und hervorragend ausgestatteten Ateliers hatte Max [Douy] wunderschöne, fremdartige und trostlose Dekorationen aufgebaut, Kriegsbilder, Bilder von allen Kriegen überhaupt."
So erinnern und beschreiben Erwin Geschonneck und Simone Signoret ganz widersprechend die Dekors für das groß angelegte Filmprojekt "Mutter Courage und ihre Kinder" des Pariser Filmarchitekten in den Babelsberger Ateliers und verweisen damit auf eines der vielen Konfliktfelder bei der Produktion. Von den parallel entstandenen Entwürfen des DEFA-Szenenbildners Oskar Pietsch wussten beide offenbar nicht.
Ein großer, internationaler Film soll es werden: Regisseur Wolfgang Staudte denkt an CinemaScope, Farbe und internationale Besetzung mit den französischen Stars Simone Signoret und Bernard Blier. Brecht will einen Schwarz-Weiß-Film im Stil seines epischen Theaters mit seinen Schauspielern und mit Helene Weigel in der Hauptrolle.
Nach langwierigen, mühsam ausgehandelten Kompromissen beginnt Wolfgang Staudte im August 1955 zu drehen. Im September, nach nur 14 Drehtagen, muss er abbrechen, da die offenbar diametral entgegenstehenden künstlerischen Absichten von Staudte und Brecht unvereinbar waren.
Die Ausstellung präsentiert erstmalig - im spannenden Vergleich - die Szenenbildentwürfe von Pietsch und Douy und Kostümfigurinen von Walter Schulze-Mittendorf und Heinrich Kilger. Parallel wird die Chronologie der Ereignisse dieses außerordentlichen, fast einem Krimi gleichenden Filmprojektes dokumentiert.

Termine

Zur Foyerausstellung "Eine Eifersuchtstragödie zwischen Wort und Bild. Mutter Courage und ihre Kinder - Der Film 1955"