Werner Peters in "Der Untertan" - DEFA-Neufeld
Werner Peters in "Der Untertan" - DEFA-Neufeld

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Ernstfall Demokratie - 2. Teil

November 2005

Programm III: Das Scheitern der Geschichte in der Gegenwart

FILME: Vortrag: Lord Ralf Dahrendorf / Das Jahr 48 / Kampf um die Zukunft / Und wieder 48 / Der Untertan / Nachtwache / Stresemann / Podium 2: Soviel Staat war nie: Krise und Zukunft / Ein Jahr später / K.R.O. / Die Brücke / Botschafter des Friedens / Zwei Gesichter einer Stadt / Begegnung an der Elbe / A Foreign Affair

Vortrag:
Lord Ralf Dahrendorf: 40 Jahre "Gesellschaft und Demokratie in Deutschland"
(Text: siehe pdf)

Das Jahr 48
RE: Curt Oertel, Prod.: Curt Oertel Film-Studien GmbH Wiesbaden 1948, 25’
"Ein Dokumentarbericht mit Bildern und Texten der Zeit", wie der Film verspricht. Er nimmt Methoden vorweg, die später das Bild der "Features" prägen sollten. Zitiert er aus Dokumenten, dann sind die auch zu sehen und werden auf Lesedistanz gebracht. Was langweilig anmutet, schafft im Gegenteil Spannung, die Dokumente sind vom Feinsten, die Bildquellen sind es auch. Wer eine tour de force durch ein Jahrhundert Geschichte aushält, wird gut bedient. Wird er auch gut geführt?

Der Film beginnt mit der US-Verfassung und der französischen Erklärung der Menschenrechte: Wir, das Volk. Damit markiert er nicht nur den Beginn der modernen Geschichte, sondern auch den Anspruch, an dem Nachdenken über Revolution und Demokratie in Deutschland sich zu orientieren hat. Von Napoleon über die Befreiungskriege und Fürstenherrschaft, die Arbeiterfrage und das Kommunistische Manifest umgreift er das Vorfeld der Entscheidungen, die auf die deutschen Patrioten und Liberalen zukommen. Dann rollen die Geschehnisse ab. Der Film reportiert sie, versagt sich aber ein Urteil, bevor nicht die Sachen ihr Ende finden, und da sie das nicht finden, bleibt das Urteil über das Versagen des deutschen Bürgertums im "Mittelbaren" ausgedrückt und eine Nuss, die es durch eigenes Denken zu knacken gilt, was ja nicht schlecht ist, aber zu wenig angesichts des Fazits: Im Geiste fand der Anschluss an die amerikanische Verfassung von 1787 und an die Erklärung der Menschenrechte von 1789 statt, in der Wirklichkeit fügte man sich der Gewalt.

Oertels Kulturfilm reflektiert, wie unabgegolten dieser deutsche Revolutionsaufbruch auch hundert Jahre danach noch war. Für die aus einer Ruine neu aufgebaute Paulskirche von 1948 und das Versprechen auf "Frieden, Freiheit und Recht" hat der Film nur noch eine halbe Minute übrig: keine Zeit für den Parlamentarischen Rat und den symbolträchtigen Beginn der Ausarbeitung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland an diesem Ort.

Kampf um die Zukunft
RE: Erich Freund, KA: Heinz Jaworsky ua., DEFA-Bildbericht VIII, Prod.: DEFA 1948, 10’
Reportage über den 2. Volkskongress für Frieden, Einheit und Demokratie und die Kranzniederlegung auf dem Berliner Friedhof der Märzgefallenen von 1848.
Wo Oertel halt machte, ging Freund weiter: in der Vereinnahmung der Erinnerung für den tagesaktuellen Bedarf und beim Übergang von der Argumentation zur Agitation. Dagegen ist nichts einzuwenden, sollen doch die Lehren aus der Geschichte in einen neuen Anlauf hinein genommen werden, allein die Ausschließlichkeit der geistigen und praktischen Zuordnung der Geschehnisse von 1848 und ihres Gedenkens 1948 an ostzonales / -sektorales Verständnis von Geschichte und Politik ist ein Widerspruch in sich.
Freund, ein Theatermann, war 1933 in die Tschechoslowakei, dann nach Polen und England emigriert, von wo er nach Berlin zurückgekehrt war. Er hatte Gründe für sein Engagement. Das sollte in Anschlag gebracht werden, auch wenn man sie nicht teilt.

Und wieder 48
RE / DB: Gustav von Wangenheim, KA: Bruno Mondi, PL: Kurt Hahne, Prod.: DEFA 1948, 100’
DA: Inge von Wangenheim, E.W. Borchert, Viktoria v. Ballasko, Josef Sieber, Willi Rose, Robert Trösch, Harry Hindemith, Eduard von Winterstein, Paul Bildt, Ernst Legal, Lotte Löbinger
Der Film spielt im Milieu der Berliner Humboldt-Universität im Jahre 1948. Studenten wirken als Statisten in einem Kostümfilm zum Geschehen von 1848 mit, dessen Klischee-Lösungen sie veranlassen, sich tiefer mit der Revolution von 1848 auseinander zu setzen. Über die Hauptfiguren, eine fortschrittliche Studentin der Geschichte und ein Medizinstudent bürgerlicher Herkunft, der von der "preußischen Tradition" her kommt und vom Erlebnis des Krieges belastet ist, wird das Ringen um einen neuen Blick auf 1848 geschildert und um die Aneignung einer fortschrittlichen Weltanschauung erweitert. Der Film changiert zwischen Argumentation und Agitation, eine tatsächlich geistige Auseinandersetzung mit Fairness gegenüber den Figurenpositionen findet nicht statt.
Die kommunistische Sicht auf den Problemkreis 1848/1948 ist insofern von Bedeutung, als sie vor der Aufkündigung der demokratischen Geschäftsgrundlage der SED von 1946 durch die "Partei neuen Typus" erfolgt und aus reformkommunistischem Geist gespeist ist. Der Problemkreis spielte in nahezu allen Publikationen zum deutschen Schicksal im Exil und nach 1945 eine herausragende Rolle. Ging es doch um die Frage, ob das wiederholte Versagen in historischen Entscheidungssituationen als ein deutsches Fatum hingenommen werden müsse oder ob es Wege aus der deutschen Misere gibt.
Die Planungen der DEFA zum "Jahrhundertgedenken der 48er Revolution" begannen schon 1946, der ideelle Vorlauf bereits im Moskauer Exil. Wangenheim schrieb für Mosfilm eine Skizze über einen der Revolutionäre von 1848, den er für den DEFA-Film wieder aufgriff. "Für uns war der bürgerliche Humanismus der 48er Revolution eine Plattform, von der aus wir über eine Alternative zum Faschismus nachdachten. Denn uns war klar, daß wir in Deutschland nach dem Ende der Nazis nicht dort weitermachen konnten, wo wir einmal mit der "Mausefalle" aufgehört hatten." (Inge von Wangenheim, 1993) Der Einbau einer politischen Revue als Studentenkabarett in den Film war eine Reverenz an Wangenheims "Truppe 31" und das Agitprop-Theater am Ende der Weimarer Republik. Doch die Nabelschnur war durchgetrennt. Das Publikum wusste nichts mehr von diesem Kapitel deutscher Geschichte.
"Die Jugend hat keine lebendige Beziehung zur Geschichte mehr. Sie neigt zu dem nihilistischen Versuch, alle Geschichte und die aus ihr erwachsenen Bindungen beiseite zu schieben, sich außerhalb der Geschichte zu stellen. Ihr Misstrauen spiegelt sich in ihren persönlichen Beziehungen. Hier greifen meine künstlerischen Absichten ein. Ich gestalte die Beziehungen zwischen heutigen Menschen im Schatten dieser geistigen Situation."
(Gustav von Wangenheim, 1948)
Unterm Strich bleibt ein Versuch über ein schwieriges Thema, an das kein anderer heranging. Auch wenn die Antworten nicht ausreichen mögen: Die Fragen, die der Film stellt, brennen, und der Weg, sich ihnen zu stellen, ist tendenziell richtig eingeschlagen, wenn auch tendenziös abgekürzt. Es steckt mehr in dem Film, als Vorurteil glauben machen mag.

Der Untertan
RE: Wolfgang Staudte, DB: Wolfgang Staudte, Fritz Staudte nach dem Roman von Heinrich Mann, KA: Robert Baberske, MU: Horst Hanns Sieber, PL: Willi Teichmann, Prod.: DDR 1951, 108’
DA: Werner Peters, Paul Esser, Blandine Ebinger, Carola Braunbock, Friedrich Maurer, Friedel Nowack, Sabine Thalbach, Eduard von Winterstein
"Nach der Feststellung, daß es mir immer noch fruchtbarer erscheint, mit der Direktion der DEFA in heftige politische Auseinandersetzungen zu geraten und echte Meinungen zu vertreten, als mich ernsthaft darüber zu unterhalten, ob Herr Prack oder Herr Borsche in der "Försterchristel" die Hauptrolle spielen soll, habe ich mit Freuden das Angebot der Defa angenommen, den "Untertan" bei ihr zu inszenieren." (Wolfgang Staudte, 1952)
Staudte verfolgt, kongenial zum Roman Heinrich Manns, das Leben des Dietrich Heßling, Untertan seines Vaters, Lehrers, Hauptmanns, Vorgesetzten, seiner Frau und seines Kaisers in einem grotesken Spektakel vom deutschen Ungeist. Der Film braucht den Verweis auf die Vorlage nicht, er steht für sich selbst ein. Ein filmisches Meisterwerk.
"Die Figur ist nicht bösartiger als sie grotesk ist. Und für Augenblicke (...) läßt der Regisseur etwas von jener unheimlichen Beklemmung sichtbar werden, die immer unter der Oberfläche des Grotesken lauert. (...) Der Film wurde bei der DEFA gemacht, die Satire vom Untertanen gerade in der Sowjetzone gedreht. (...) Im Übrigen stelle man sich einmal die Gesichter der westdeutschen Produzenten vor, wenn jemand wagen sollte, ihnen einen solchen Stoff anzubieten." (Wilfried Berghahn, 1952)
Die Groteske war grotesk genug: ausgerechnet während des Übergangs zum neostalinistischen Obrigkeitsstaat, in dem Menschen auf "Rädchen und Schräubchen" reduziert wurden und die Gesellschaft, zumindest zeitweise, um ihr gerade in Gang gekommenes demokratisches Eigenleben gebracht wurde, erschien dieser Film auf der Leinwand. Über seine historische Zuordnung hinaus konnte er vom Zuschauer zur Abrechnung mit dem Typus des Untertanen aufgenommen und zur Selbstachtung beansprucht werden, und zwar, wie sich herausstellte, im Osten wie im Westen.
"Er kam just in einer Epoche, in der allgemein Ausschau gehalten wurde nach neuen Maßstäben der Orientierung, in der zögerlich die kritische Beschäftigung mit der jüngsten deutschen Geschichte in Gang kam. Im Gegensatz zur kommerzialisierten damaligen westdeutschen Filmproduktion, die entweder eine naive Fortsetzung des Unterhaltungskinos aus der Nazizeit betrieb oder aber, sofern sie seriöse Absichten verfolgte, ihren Kurs noch nicht gefunden hatte, erschien dieser Film als die Inkarnation dessen, was man vom Kino erwartete: ein kämpferischer Beitrag zur Analyse eines nationalen Wertsystems, das in der Geschichte schreckliche Folgen haben sollte, ein Film schonungsloser Schärfe in seiner Attacke gegen Nationalismus, Militarismus, Autoritarismus, Opportunismus, der gnadenlos die Waffe der Satire und der Ironie gebrauchte, dazu gleichzeitig in brillanter Form die Möglichkeiten einer authentisch filmischen Sprache zu nutzen verstand. Was uns damals zentral wichtig erschien: im Mittelpunkt stand die "autoritäre Persönlichkeit", wie sie Adorno und Horkheimer als movens der deutschen Geschichte erkannt hatten. (...) Wenn man bis in die Jetztzeit die Produktionen der DEFA zumeist mit Sympathie und Hoffnung betrachtet hat, dann hängt das auf eine gewisse Weise immer noch mit dem Bild zusammen, das die DEFA-Filme der ersten Nachkriegsjahre erzeugten, und zu ihnen gehörten eben an vorderster Stelle die Filme von Wolfgang Staudte." (Ulrich Gregor, 1991)

Nachtwache
RE: Harald Braun, DB: Harald Braun, Paul Alverdes, KA: Franz Koch, MU: Marc Lothar, PR: Harald Braun, Prod.: Neue Deutsche Filmgesellschaft München / Filmaufbau Göttingen, 1949, 110’
DA: Luise Ullrich, Hanns Nielsen, René Deltgen, Dieter Borsche, Käthe Haack, Gertrud Eysoldt
"Eine Ärztin, die in einer Bombennacht ihr Kind verlor und nur erbarmungslose Sinnlosigkeit in der Welt sieht, hat sich abgewendet von Gott. Ein ehemaliger Kampfflieger, voller Unrast nur die Mächte der Zerstörung erkennend, ist zum höhnenden Rebell gegen Gott geworden. (...) Ein evangelischer und ein katholischer Geistlicher, beide, bei allem konfessionell Trennenden, einander verbunden in der gemeinsamen Idee des Christentums, haben mit ihren Worten kaum Einfluss auf die Zweifelnde und den Höhnenden. Erst was geschieht, erschüttert die Glaubenslosigkeit dieser Menschen. Dem evangelischen Geistlichen verunglückt das einzige Kind, während er am Altar steht. Auch er gerät in Anfechtung, aber er wird wieder unerschütterlich sicher im Glauben, als er neu die Aufgabe erkennt, hilfreich da zu sein für andere, Nachtwache zu halten im Dunkeln. Der Film schließt mit dem Gesang des Hosianna." (Der Spiegel, 1949)
Der Film gilt als ein Zeugnis für die Verbindung von privater Innerlichkeit und gesellschaftlicher Restauration in der Frühphase der Bundesrepublik und steht stellvertretend dafür, wie Film sich seiner Anteilnahme an der demokratischen Erneuerung der Gesellschaft entzog. Mag das nachfolgende Urteil auch Zeitgeist atmen, dürfte es in seinem Kern doch zutreffend sein.
"Das "christliche Dutzendpublikum", dessen Mentalität nach Wolfdietrich Schnurre der erste religiöse Film der Nachkriegszeit, Harald Brauns "Nachtwache" (1949), zufrieden stellt, ist eben diese imaginäre "christliche Volksgemeinschaft", die der Film propagiert, indem er an sie sich zu wenden vorgibt. (...) Gleichwohl tritt in der Geschichte des deutschen Films nach 1945 der Klerikalismus als Mittel sozialer Pazifizierung selten so offen in Erscheinung wie in "Nachtwache". (...) Klerikalismus als Ideologie der Ausbeuterordnung und Religiosität als Bereitschaft zur Unterwerfung (...) dringen in dem Maße, in dem sich die Staatspartei auf die Suche nach "abendländischen" Grundlagen für ihre aggressive Politik begibt, auch in fast alle Genres der herrschenden Filmproduktion ein." (Klaus Kreimeier, 1973)

Stresemann
RE: Alfred Braun, DB: Axel Eggebrecht, Ludwig Berger, Curt Johannes Braun, KA: Friedel Behn-Grund, MU: Boris Blacher, PR: Heinrich Jonen, Prod.: Berliner Meteor, 1956, 105’
DA: Ernst Schröder, Anouk Aimée, Wolfgang Preiss, Leonard Steckel, Susanne von Almassy, Paul Dahlke
"Der historische Stresemann war ein Politiker, dessen große Tugend es war, seine Gegner durch Argumente überzeugen zu können; er scheute nie die Mühe der Diskussion, des Zuhörens und Verhandelns. Der Film gibt ihn indessen als Alleinherrscher, dem seine "Persönlichkeit" zum Erfolg verhilft, der sich nicht erst ein Urteil bilden muß, weil er von vornherein im Besitz der Wahrheit ist - der, wie das gedruckte Programm des Films vermeldet, "das Werk vollendete, zu dem er berufen war". (...) Auf derselben Linie liegt es, wenn das Parlament als "Schwatzbude" erscheint, als lästiges Hindernis für den alleindenkenden Kanzler und Minister, seltener auch als Bühne für seine Erfolge. Auf solche Weise macht der Film aus einem demokratischen Minister einen Autokraten reinster deutscher Filmprovenienz. (...) Der Kult des "starken Mannes" und die Perspektive des Unpolitischen kommen jeweils der gerade am imposantesten in Erscheinung tretenden Autorität zustatten. Das aber kann heute, wie die Dinge nun mal liegen, nur "der Kanzler" sein. In den Dienst an seinem Mythos stellt sich dieser Film noch nachdrücklicher, als er es durch seine unausgesprochene Haltung sowieso schon tut. Überhaupt scheint dies kein Film zu sein, der Geschichte darstellen, sondern einer, der Geschichte machen will. (...) Der Verleih hat denn auch nicht versäumt, in seinem Pressematerial darauf hinzuweisen, daß es ein Foto von Stresemann gibt, das ihn beim Rosenschneiden zeigt." (Filmkritik 3/1957)

Podium 2
Soviel Staat war nie: Krise und Zukunft
Gesellschaft und Demokratie in Deutschland: Entstehung, Krisen, Zukunft - unter besonderer Würdigung und Problematisierung US-amerikanischer und europäisch-deutscher Leitbilder
Teilnehmer: Prof. Dr. Ulrich K. Preuß, Dr. h.c. Friedrich Schorlemmer, Edgar Most,
(Text: siehe pdf)

Programm IV: Deutsche Erfahrungswelten

Ein Jahr später
Prod.: F / G.M.Z.F.O. 1946, 16’
Bilanz des ersten Jahres französischer Militärverwaltung mit einem Panorama konfliktloser Gegenwart voll uneigennütziger Fürsorge der Besatzungsmacht und unter Hervorhebung der Mentorrolle Frankreichs als des Landes, "das der Welt die Erklärung der Menschenrechte geschenkt hat".

K.R.O. Germany 1947
RE: Graham Wallace, KA: Arndt v. Rautenfeld, Prod.: Crown Film Unit / Junge Filmunion, 1947, 22’
Der Alltag eines Kreis Resident Officers (K.R.O.), des für die Ausübung der britischen Besatzungsmacht in den deutschen Kreisen zuständigen Beamten. Der Film war ausschließlich für Vorführungen in Großbritannien zur Information über die Tätigkeit der Besatzungsbehörden in Deutschland bestimmt. Erster britisch-deutsch-produzierter Dokumentarfilm.

Die Brücke
RE: Stuart Schulberg, KA: Peter Zeller, Prod.: ZiF München 1949, 19’
Die Westalliierten überwinden mit der Luftbrücke die sowjetische Blockade Westberlins (1948 - 1949) und begründen die deutsch-amerikanische Freundschaft. Die Rahmenhandlung erzählt von der Freundschaft eines amerikanischen Piloten und eines deutschen Flughafen-Arbeiters. Die musikalischen Variationen auf das Lied "Die Gedanken sind frei" übernehmen eine zusätzlich kommentierende Funktion.

Botschafter des Friedens
RE: Marion Keller, Max Jaap, Richard Groschopp, KA: Heinz Jaworsky u.a., MU: Alexandrow-Ensemble, Prod.: DEFA 1948, 28’
Bildbericht vom ersten Auftreten des Alexandrow-Ensembles der Sowjet-Armee in Berlin und Dresden. Der Film stellt die erste öffentliche Sympathieerklärung an die Russen als Besatzungsmacht dar, ohne sogleich ein Freundschaftsbündnis daraus zu schmieden. Der Film überrascht durch die Lebendigkeit der filmischen Darstellung und den frischen, "unideologischen" Ton des Kommentars. Allein der Titel verdankt sich politischer Einmischung, welche die Produzentin und Autorin des Films, die Chefredakteurin des Augenzeugen Marion Keller, mit der Streichung ihres Namens aus der Titelliste beantwortete.

Zwei Gesichter einer Stadt
RE: W.E. Breithaupt, KA: Ernst Kalinke, MU: Horst Hanns Sieber, Prod.: BKW-Film 1950, 13’
"Impressionen aus Garmisch, (...) nach Kriegsende einer der Orte in Bayern, in dem amerikanische Truppen stationiert wurden. Scheinbar unberührt hiervon bleiben das Leben und Treiben der Einheimischen und das Treiben der Touristen und Wintersportler. Eine ganz normale Stadt, wären da nicht der amerikanische Wachposten oder die Schilder, die auf "Recreation Center" und "Barber and Beauty Shop" hinweisen. Auf Kommentar verzichtet der Film. Volkstümliche bayerische Musik und amerikanischer Swing begleiten die Bilder.
(Marianne Kleinert, 1992)

Begegnung an der Elbe Wstretscha na Elbe
RE: Grigori Alexandrow, DB: Gebrüder Tur, Lew Schejnin nach ihrem Schauspiel "Oberst Kusmin", KA: Eduard Tisse, MU: Dmitri Schostakowitsch, Prod.: Mosfilm 1949, 104’
DA: W. Dawydow, K. Nassonow, B. Andrejew, M. Naswanow, L.Orlowa
Eine Stadt an der Elbe, geteilt durch den Fluss, der gleichzeitig die Grenze zwischen den Besatzungszonen bildet. Im sowjetischen Teil regiert Oberst Kusmin, im amerikanischen Major Hill. Beide verstehen sich gut. Hills Antifaschismus und seine verständnisvolle Sicht auf die sowjetische Politik bringen ihn in Konflikt mit dem amerikanischen Geheimdienst, an dem die Politik der Zusammenarbeit und Versöhnung scheitert. Zwischen den Fronten hat sich ein deutscher Professor zu entscheiden, und er entscheidet sich für das bessere, östliche Deutschland.
"Begegnung an der Elbe (ist) in einem vollkommen ideologischen Raum angesiedelt, in den die Realitäten der Zeit und des Ortes eigentlich gar nicht hineindringen. (...) Wenn sich durch besondere Umstände in einem Teil des Landes eine neue Gesellschaftsordnung bildet, während der andere in der alten verharrt, bedürfen die neuen Grundsätze und Methoden der Erläuterung, während die alten für "selbstverständlich" gehalten werden. Der Film tut nun etwas, wodurch er allerdings an einer der schlimmsten Folgen des Stalinismus, der Verkümmerung der Dialektik, teilhat: Er dreht den Sachverhalt einfach um, indem er die dem westlichen Betrachter altvertrauten amerikanischen Zustände von einem die Fronten wechselnden Wissenschaftler als fremdartig, grell und abstoßend erfahren läßt." (Peter Nau, 1990)

A Foreign Affair Eine auswärtige Affaire
RE: Billy Wilder, DB: Charles Brackett, Billy Wilder u. a. nach einer Vorlage von David Shaw, KA: Charles Lang jr., PR: Charles Brackett, MU: Friedrich Hollaender, Prod.: Paramount 1948, 120’
DA: Jean Arthur, Marlene Dietrich, John Lund
Zeitbild nach den Spielregeln des Genres: Eine Kongressabgeordnete begibt sich aus den Staaten nach Berlin, um das Fraternisierungsverbot zu kontrollieren. Aus diesem Plot entwickelt Billy Wilder eine Komödie um das Besatzerleben zwischen den Welten in der Vier-Sektoren-Stadt.
"Seine Filme schicken den Amerikanischen Traum auf Brautsuche nach Europa. Viele seiner Helden brechen mit der Energie von Pionieren vom Leistungskampf in den Hedonismus auf, um sich auch darin mit Wut zu verstricken. Sie missionieren die Neue Welt mit der Skepsis der Alten. Sie arbeiten, oft zum Verzweifeln komisch, daran, ein Fenster zum besseren Leben aufzureißen, in dessen Wärme sie aufblühen, in dessen Licht der Zwang der Tradition, der Schatten der tüchtigen Väter sich verflüchtigt. (...) Wo immer sie auftreten, verlassen Wilders Figuren das vertraute Territorium, um in auswärtige Affären hineinzuschlittern, die sie als diplomatische tarnen. Wilder, als Exilant nach Frankreich, Mexiko und schließlich in die USA vertrieben, rächt sich, indem er der Gesellschaft das Parkett einseift." (Karsten Witte, 1985)
1948 von der US-Militärregierung für den Kinoeinsatz in Deutschland gesperrt, wurde der Film erstmals 1977 im Fernsehen gezeigt. Seine deutsche Leinwand-Premiere hatte er 1991.

Postskriptum

Quellenliteratur

Wir danken Heiner Roß von der Kinemathek Hamburg und der Akademie der Künste.