Jürgen Böttcher "3 x nach Giorgione"
Jürgen Böttcher "3 x nach Giorgione"

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3 x Venus von Jürgen Böttcher/Strawalde

Böttcher ist Maler, Filmemacher, Experimentalfilmer - ein Meister, ein Inspirator, ein Wegweisender in all seinen Professionen. Nach dem Studium der Malerei in Dresden und - malt man wie er - nicht überraschenden Formalismus-Vorwürfen, studiert er in Babelsberg Film und ist bei der DEFA bis zu deren Auflösung 1991 angestellt. Nach Jahrgang 45 (1966/1990) (noch im Rohschnitt verboten) und Barfuß ohne Hut (1965/2009) (wird nicht verboten sondern dem Publikum schlicht durch Nichtzeigen vorenthalten) darf er jedoch das DEFA Studio nicht betreten, hat er Hausverbot im eigenem Betrieb. Böttcher dreht dennoch viele, darunter äußerst erlesene, eindrucksvolle Filme, auch über Arbeit und Arbeitende in der DDR, die mit zum Besten der DDR-Dokumentarfilmgeschichte zählen: Wäscherinnen (1972), Rangierer (1984), Die Küche (1986). Im Dampf, im Nebel des mitunter erschreckend harten Arbeitsalltags stellt sich Böttchers Achtung der Schwere und dem Tun dieser modernen Helden gegenüber als Klang, als Schönheit im Raum dar. Bewegungen am Rande zum Schattensein, Intensität und Eindringlichkeit im Nichtsichtbaren des Gegenlichts, eine Reduzierung auf Geräusche - Böttchers Filme sind Experimente geschärfter Wahrnehmung, Hinführungen zu körperlich erfahrbaren Filmen. Schienenklirren, Schieben, Klatschen, Wabern, ein archaisch grummelnd Rollendes - mit nachhaltiger Wirkung.

In Venus nach Giorgione (1981) münden Böttchers Malerei und die Filmerei im Experimentalfilm: er übermalt Postkarten großer Meister - in einem Film seiner Trilogie eben die Venus von Giorgione. Der unbekleidet Schlafenden werden Punkte, Striche, Farbklänge über den Körper gelegt, Teile der Vorlage verschwinden, andere werden ins Licht gestoßen: Böttcher formt, knetet - und es schält sich eine Strawalde-Schönheit aus der Schlafenden von Giorgione oder - ein Dunkles, nur zu Vermutendes. Ein freies und freimütiges Experiment von 1981.

Wir präsentieren im Rahmen des kleinsten Ausstellungsformt "Das besondere Objekt" drei schwarzweiß Fotos aus dem Film Venus nach Giorgione (1981) aus den Sammlungen des Filmmuseums Potsdam.