"Dieses Scheusal Stroheim!" Der Regisseur und Schauspieler Erich von Stroheim

Blick in die Ausstellung:"Dieses Scheusal Stroheim!" Der Regisseur und Schauspieler Erich von Stroheim (2007); Foto: h neun, Berlin
Plakatmotiv
3. Februar - 13. Mai 2007
Hollywood schien genau das Richtige für den gebürtigen Österreicher Erich von Stroheim: Hier drehte er den ersten Millionen-Dollar-Film, in Bankettszenen wurde echter Kaviar gereicht, für eine Handvoll Einstellungen ließ er die gesamte Promenade von Monte Carlo in Kalifornien nachbauen und lieferte neunstündige Rohschnitte ab. Aber der Regisseur erwies sich nicht als der Richtige für Hollywood, denn alle großen Produzenten feuerten ihn, oftmals während die Dreharbeiten noch in vollem Gange waren. In Erich von Stroheims Filmen ist die Welt ein Schlachthaus. Figuren und Konflikte sind so sehr ins Monströse übersteigert, bis eine schockierende Wahrhaftigkeit sichtbar wird. Seinen Zeitgenossen verschlug es den Atem und auch heute noch ist es unmöglich, den Blick von einem Stroheim-Film abzuwenden. Erich von Stroheim - Gigant, Exzentriker und Moralist. Ihm widmete das Filmmuseum eine Ausstellung. Sie wurde aus seinem Nachlass, der sich in der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles befindet, zusammengestellt. Einige Exponate wurden zusätzlich in den USA und England entliehen. Die Schau entstand in Kooperation mit dem Rheinischen LandesMuseum Bonn - Landschaftsverband Rheinland. Gastkurator war der Stroheim-Spezialist Rick Schmidlin (Vancouver). Das Kino des Filmmuseums zeigte die verfügbaren Regiearbeiten Stroheims und ausgewählte Filme, in denen er als Schauspieler auftrat.
Kuratoren: Rick Schmidlin (Vancouver), Guido Altendorf, Ugla Gräf (Filmmuseum Potsdam)
Gestaltung und Plakat: h neun (Berlin)
Ausstellungsfotos folgen.

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Mehr zur Ausstellung
Prinz und Prinzessin von Wildeliebe-Rauffenburg wälzen sich schwitzend aus ihren Betten, unrasiert (beide!), mit Bart- und Kinnbinden im Gesicht, voneinander angeekelt. Ihr morgendlicher Dialog: "Widerlicher Idiot - es ist erbärmlich!" - "Du solltest dich selbst sehen!" (The Wedding March, 1928)
Über das Sterbebett einer Puffmutter hinweg wird die Trauung ihrer Nichte, einer ehemaligen Klosterschülerin, vollzogen. Ihr Bräutigam: ein zitternder, alter Krüppel. Sein Gesicht, voller Vorfreude auf die Hochzeitsnacht, ist zur lüsternen Fratze verzerrt. Sein Speichel, mit Kautabak versetzt, tropft auf die Hand der jungen Braut ... (Queen Kelly, 1929)
Ein Lotteriegewinn ist Trinas Lebensinhalt. Kein Penny davon darf ausgegeben werden. Sie ernährt sich von Abfällen und lebt in einem Abstellraum. Ihre Finger müssen amputiert werden, da sie mit giftiger Farbe Kinderspielzeug bemalt. Nachts poliert sie Golddollars, breitet sie im Bett aus und hat Sex mit ihrem Geld ... (Greed, 1924)
Der Zuschauer scheint die Filme riechen zu können. Der Gestank von Fäulnis und Verwesung kriecht von der Leinwand herunter in den Zuschauerraum. Und doch ist es unmöglich, sich von der barocken Pracht der Bilder abzuwenden. Bauten von unvorstellbarer Dimension und prächtig kostümierte Menschenmassen sind der Rahmen für den großen Totentanz, dessen Choreograph Erich von Stroheim ist. Billy Wilder, Jean Renoir, Orson Welles, Sergej Eisenstein beteten ihn dafür an.

Die Ausstellung mit zahlreichen, bislang noch nie gezeigten Exponaten erzählte die Geschichte eines unbeugsamen Moralisten, großen Scharlatans und begnadeten Künstlers. Hunderte, zum Teil unbekannte Fotos zeigten Regisseur Erich von Stroheim, aber auch den Ehemann und Vater. Sie erzählten von unvergesslichen oder nie für die Öffentlichkeit zugelassenen Momenten seiner Filme. Dokumente und Schriftstücke waren zu sehen, Prosatexte und Drehbuchseiten belegten seine Meisterschaft als Autor. Kostüm- und Requisitenskizzen wiesen Stroheim als begabten Zeichner und Detailfanatiker aus. Gratifikationen erzählten von seinen Erfolgen, Kündigungen, Gesuchen um Engagements und von seinem Karriereabsturz.
Wenige Requisiten und Kostümteile, die Stroheim für seine Filme entwarf, haben die Zeiten überdauert - sie waren in der Ausstellung zu sehen: Ein Paradehelm, die Uniformkappe eines russischen Offiziers, eine künstliche Apfelblüte - von denen 1928 in "The Wedding March" tausende auf das Liebespaar herabregneten ...

Eine Retrospektive von Stroheim-Filmen bedeutet, einen grandiosen Trümmerhaufen auf die Kinoleinwand zu bringen. Keiner seiner Filme wurde jemals in der von ihm konzipierten Form dem Publikum gezeigt. Produzenten und Verleiher verstümmelten und entstellten sie. Oft wurden andere Regisseure engagiert, Stroheims Werken verbindliche Szenen und neue Schlüsse hinzuzufügen. Doch selbst das Stückwerk Stroheimscher Filme, die erhaltenen Fragmente seiner Arbeit, lohnen die Entdeckung!

Biografie Erich von Stroheim
Erich Oswald Stroheim wurde am 22. September 1885 in Wien geboren und wuchs als Sohn eines jüdischen Hutmachers im Ghetto auf. 1909 wanderte er nach Amerika aus und schuf sich bei seiner Ankunft auf Ellis Island eine neue Identität: Von der Einwanderungsbehörde nach seinem Namen gefragt, gab er vor, Erich Oswald Hans Carl Maria Stroheim von Nordenwald zu heißen, und stellte sich als frommer Katholik und Nachkomme einer vornehmen österreichischen Offiziersfamilie vor. Diese Erfindung hielt er Zeit seines Lebens aufrecht.

Nach einigen Jahren in New York zog Stroheim nach Kalifornien und kam 1914 nach Hollywood. Er erhielt bald Arbeit beim Film, arbeitete als Statist und als Assistent in verschiedenen Bereichen und gelangte in den Umkreis des Regisseurs David W. Griffith. In dessen Filmen «The Birth of a Nation» (Geburt einer Nation, 1915) und «Intolerance» (Intoleranz, 1916) spielte er kleine, nicht ausgewiesene Rollen und war einer unter mehreren Regieassistenten für die spektakuläre Babylon-Episode in «Intolerance». Als Amerika 1917 in den ersten Weltkrieg eintrat, bekam die Schauspielkarriere Erich von Stroheims Aufwind. Durch seine bedrohliche Erscheinung und seinen vermeintlichen militärischen Hintergrund schien er wie geschaffen für die Rollen des verabscheuungswürdigen deutschen «Hunnen», ohne den die propagandistischen Kriegsmelodramen nicht auskamen. Seine Rollen als Bösewicht wurden zu seinem Markenzeichen, die Presse titulierte ihn als den «Mann, den man gern hasst». Dieses Etikett begleitete ihn auf Lebenszeit.
Stroheims vermeintliche Erfahrung als Kavallerieoffizier der österreichischen Armee brachte ihm auch eine Stelle als technischer Berater für den Kriegsfilm «Hearts of the World» (1918) von David W. Griffith ein.

Weil er selbst Filme drehen wollte, überredete Stroheim 1919 Carl Laemmle, dem Chef der UNIVERSAL, ihm die Regie zu einem Film zu übertragen, für den er selbst die Geschichte geschrieben hatte: «The Pinnacle». Der fertige Film, «Blind Husbands» (Du sollst nicht begehren), in dem Stroheim auch eine Hauptrolle übernommen hatte, war ein Erfolg sowohl bei der Kritik als auch an der Kinokasse.

Ebenso erging es seinem nächsten Film, «The Devil’s Passkey» (1920).

Mit Laemmles Unterstützung ging Stroheim an sein drittes Regieprojekt, «Foolish Wives» (Närrische Frauen, 1922), ein aufwändiges, komplexes Drama, dessen Dreharbeiten sich beinahe ein Jahr lang hinzogen. Die Presse kündigte den Film schließlich als den «ersten Millionen-Dollar-Film» an. Mit dieser Produktion machte sich Stroheim einen Namen als extravaganter Regisseur, der auf fanatische Weise detailbesessen war und gleichgültig gegenüber Zeit und Geld. Als sich im Lauf der Dreharbeiten die Kosten türmten, kam der Regisseur regelmäßig mit dem von Carl Laemmle eingesetzten jungen Produzenten Irving Thalberg in Konflikt, der die Dreharbeiten ultimativ begrenzte. Auch die Arbeit am Schneidetisch war konfliktbeladen und als Stroheim sich weigerte, die Filmlänge auf unter fünf Stunden zu kürzen, wies Thalberg trotz der Einwände Stroheims an, den Schnitt fortzusetzen. Bei der Premiere im Januar 1922 war «Foolish Wives» 14 Rollen lang, für den nationalen Verleih wurde der Film noch einmal auf 10 Rollen gekürzt.

Trotz all dieser Schwierigkeiten wurde «Foolish Wives» ein riesiger Kassenerfolg und die Universal übertrug Stroheim die Regie von «Merry-Go-Round» (Rummelplatz des Lebens, 1923). Während der ersten Wochen der Dreharbeiten zirkulierten Gerüchte von Stroheims angeblichem Größenwahn und seiner Detailbesessenheit. Nach fünf Wochen feuerte Thalberg den Regisseur und ersetzte ihn durch Rupert Julian. Das beendete Stroheims Verbindung zu UNIVERSAL, doch der künstlerische und finanzielle Erfolg der drei Filme, die er für das Studio gedreht hatte, machten ihn zu einem der begehrtesten Regisseure in Hollywood. Nicht lange und er hatte einen Vertrag mit der Goldwyn Produktionsgesellschaft in der Tasche.

Stroheims erstes Projekt für Goldwyn war die Adaption eines Romans von Frank Norris, «McTeague». Entschlossen, das Buch in Gänze auf die Leinwand zu bringen, begann Stroheim eine Produktion, deren Dreharbeiten im Atelier und an Außenschauplätzen neun Monate dauern sollten, der Schnitt sogar noch länger. Während dieser Zeit fusionierte das Studio zu Metro Goldwyn Pictures und bekam mit Louis B. Mayer einen neuen Produktionschef. Als Stroheim den Rohschnitt seines Films beendet hatte, der nun «Greed» (Gier nach Geld, 1924) hieß, war er 42 Rollen lang, was einer Vorführzeit von rund 10 Stunden entsprach. In dieser Fassung wurde er ein einziges Mal vorgeführt, im Januar 1924, vor einem kleinen Kreis von Freunden und Mitarbeitern im Studio. Diese legendäre Version des Films, die komplette, ungekürzte Fassung von »Greed», wurde zum berüchtigtsten «verschollenen» Film der Filmgeschichte. Auf Verlangen des Studios musste Stroheim «Greed» auf 24 Rollen kürzen, doch sowohl Mayer als auch seinem neuen Assistenten Irving Thalberg missfiel der Film in jeglicher Länge. Sie befürchteten ein Desaster an den Kinokassen, denn nach ihrer Meinung mangelte es «Greed» an Stars und Unterhaltungswert. Schließlich nahmen sie Stroheim den Film weg und ließen ihn auf eine Länge von 10 Rollen kürzen. Diese Version, deren Premiere im Dezember 1924 stattfand, wurde später von Stroheim als «dürftiger, zerfetzter, verstümmelter Rest» des «einen wirklichen Films», den er jemals gemacht habe, bezeichnet.

Noch einmal drehte Stroheim für MGM, eine Adaption der Operette «Die lustige Witwe» von Franz Lehar. Obwohl sich herausstellte, dass «The Merry Widow» zum größten Kassenerfolg des Jahres 1925 wurde, klangen die persönlichen Spannungen zwischen Stroheim und dem Mayer-Thalberg-Team nicht ab und der Regisseur wechselte für seinen nächsten Film zu Paramount Pictures.

«The Wedding March» (Hochzeitsmarsch, 1928) war wie gewohnt extravagant und nach monatelangen Aufnahmen stoppte das Studio die Produktion. Doch Stroheim hatte bereits so viel Material zusammen, dass er dem Studio vorschlug, den Film in zwei Teilen herauszubringen. Der erste Teil, «The Wedding March», war ein mäßiger Erfolg, als er im Oktober 1928 in den USA herauskam. Eine gekürzte Fortsetzung unter dem Titel «The Honeymoon» lief 1929 mit wenigen Kopien in Europa, wurde jedoch in den USA niemals gezeigt.

Stroheims nächstes Projekt war «Queen Kelly», ein aufwändiges historisches Drama, das von der Schauspielerin Gloria Swanson produziert wurde, die selbst auch die Hauptrolle spielte. Der Film wurde nie beendet, denn als der Koproduzent Joseph P. Kennedy begriff, dass die Erfindung des Tonfilms dem Stummfilm zum Verhängnis wurde, stellte er die Produktion ein.

Stroheims erster und einziger Tonfilm und seine letzte Bemühung als Regisseur war eine kleine Produktion für die Fox unter dem Titel «Walking Down Broadway». Obwohl der Film ohne zeitliche Verzögerung gedreht wurde und die Kosten überschaubar blieben, mochte das Studio den Film nicht wegen seines nüchternen, schonungslosen Blicks auf die romantischen Verwicklungen zweier Provinzmädchen in der Großstadt. Er wurde völlig überarbeitet und 1933 unter dem Titel «Hello, Sister!» herausgebracht.

Stroheim fand in Hollywood hin und wieder Gelegenheitsarbeiten als Schauspieler oder Autor, hervorzuheben sind hier vor allem seine Rollen in «The Lost Squadron» (1932) und «As You Desire Me» (Wie Du mich wünschst, 1932). Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten reiste er nach Frankreich, um in Jean Renoirs Klassiker «Le Grande Illusion» (Die große Illusion, 1937) zu spielen. Seine Rolle machte ihn in Europa berühmt und er spielte daraufhin in mehr als einem Dutzend französischer Filmproduktionen. Als der Zweite Weltkrieg begann, kehrte er in die USA zurück. In Hollywood spielte Stroheim vor allem in B-Produktionen. Eine bemerkenswerte Ausnahme war sein Auftritt als Feldmarschall Rommel in «Five Graves to Cairo» (Fünf Gräber bis Kairo, 1943) unter der Regie von Billy Wilder. Auf der Bühne übernahm er in dem erfolgreichen Stück «Arsen und Spitzenhäubchen» die Rolle des Boris-Karloff-Doppelgängers Jonathan Brewster.
Nach Kriegsende ließ sich Stroheim in Frankreich nieder und setzte seine Schauspielkarriere fort. 1950 reiste er ein letzte Mal in die Vereinigten Staaten, um neben Gloria Swanson in dem Billy-Wilder-Film «Sunset Boulevard» (Boulevard der Dämmerung) eine Hauptrolle zu übernehmen. Sie brachte ihm seine einzige Oscar-Nominirung ein, für den besten Nebendarsteller.

Während seiner letzten Lebensjahre in Maurepas bei Paris bekam Stroheim oft Besuch von Freunden und Bewunderern. Trotz nachlassender Gesundheit trat er noch bis 1955 in Filmen auf. Einige Wochen vor seinem Tod am 12. Mai 1957 wurde er von der französischen Regierung zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Filmografie

FILME DES REGISSEURS
Blinde Ehemänner Blind Husbands
1919, Regie, Drehbuch, Hauptrolle
Ein amerikanischer Arzt und seine junge Frau verbringen ihren Urlaub in den Dolomiten. Ein draufgängerischer Leutnant (Erich von Stroheim) bemüht sich um ihre Gunst. Vom Ehemann allzu oft allein gelassen, sucht die junge Frau das Abenteuer mit ihrem schneidigen Verehrer. Auf einer Bergtour kommt es zur Konfrontation zwischen dem Arzt und dem Leutnant, der seine ehebrecherischen Absichten mit dem Leben bezahlt.

The Devil's Passkey (verschollen)
1920, Regie, Drehbuch
Die gelangweilte Gattin eines amerikanischen Dichters lässt sich im Sündenpfuhl Paris die Bekanntschaft eines attraktiven jungen Herrn vermitteln. Die Hautevolee zerreißt sich die Mäuler über den Seitensprung der Dame. Lediglich der Dichter selbst ahnt nicht, dass seine eigene Frau Mittelpunkt dieser Klatschgeschichte ist, die er als Vorlage für ein erotisches Theaterstück benutzt. Das Publikum, das um die pikanten Hintergründe weiß, kommt in Scharen um das Werk des gehörnten Autors zu feiern...

Törichte Frauen Foolish Wives
1922, Regie, Drehbuch, Hauptrolle
Sergius Karamzin (Erich von Stroheim) lebt in unzüchtiger Weise mit zwei Cousinen an der Riviera in einer Villa. Er finanziert sein ausschweifendes Leben mit Glücksspiel und Erpressungen. Keine Frau ist vor seiner sexuellen Gier sicher. Sogar ein schwachsinniges Mädchen wird von ihm vergewaltigt. Ihr Vater ermordet den Schänder und stopft seine Leiche in einen Gully.

Rummelplatz des Lebens Merry-Go-Round
1923, Regie, Drehbuch (fertiggestellt von Rupert Julian)
Wien vor dem 1. Weltkrieg. Der verwöhnte Aristokratenspross Franz von Hohenegg verliebt sich in die jungfräuliche Agnes, die auf einem Prater-Karussell die Drehorgel bedient. Franz ist allerdings nicht der einzige Mann, der Agnes begehrt. Ein Krüppel liebt sie resignierend und ein agressiver Schausteller versucht, sie zu vergewaltigen, worauf er von einem wilden Orang Utan seine gerechte Strafe erhält.

Gier Greed
1924, Regie, Drehbuch
Nach einem Lotteriegewinn bekommt Trinas Geiz krankhafte Züge. Sie und ihr Mann McTeague sinken Stufe um Stufe auf der sozialen Leiter, da sie sich weigert, ihr Vermögen anzutasten. Schließlich haben sie die Entwicklungsstufe von Raubtieren erreicht. Verelendung, Fäulnis, Gewalt und Lüge bestimmen ihr Leben. Am Ende ist Mord der einzige Ausweg...

Die lustige Witwe The Merry Widow
1925, Regie, Drehbuch
Sally O’Hara heiratet den senilen Baron Sedoja von Monteblanco. Als der sich in der Hochzeitsnacht statt an seiner jungen Frau lieber an deren Schuhen delektiert, erliegt er vor Entzücken einem Herzinfarkt. Sally ist nun die "lustige Witwe". Aus Angst, Sally könnte ihr erheiratetes Vermögen außer Landes bringen, bemühen sich die beiden Prinzen des Zwergenstaates um die hübsche Frau, von denen der unangenehme Mirko schließlich sein Ende im Rinnstein findet.

Der HochzeitsmarschThe Wedding March
The Honeymoon (Teil 2 von Der Hochzeitsmarsch, verschollen)
1928, Regie, Drehbuch, Hauptrolle
Wien, kurz vor dem 1. Weltkrieg. Nicki von Wildeliebe-Rauffenburg (Erich von Stroheim) verliebt sich die kleine Harfenistin Mitzi, die wiederum von dem brutalen Schani bedrängt wird. Der alte Prinz von Wildeliebe-Rauffenburg handelt im Bordell mit einem Hühneraugenpflasterproduzenten aus, dass sein Sohn Nicki mit der verkrüppelten Fabrikantentochter Cecilia verheiratet werden soll. So fließt wieder Geld in das alte Adelshaus und die Neureichen gewinnen an Renommee. Heimlich wohnt Mitzi der pompösen Trauungszeremonie bei.

Queen Kelly
1928, Regie, Drehbuch (unvollendet)
Prinz Wolfram verliebt sich heftig in die Klosterschülerin Kitty. Er entführt sie auf das Schloss, wo sie mit Wolframs Braut, der Königin zusammentrifft. Diese peitscht Kitty brutal aus dem Palast. Einem Telegramm ihrer Tante folgend, bricht sie nach Deutsch-Ostafrika auf. Dort wird sie mit einem lüsternen Krüppel verheiratet und erbt von ihrer Tante ein Bordell. Wolfram, von der Königin in Festungshaft genommen, meldet sich schließlich freiwillig zu den Schutztruppen in die Kolonie, um Kitty zu finden...

Hello, Sister Walking Down Broadway
1933, Regie, Drehbuch (fertiggestellt von Raoul Walsh, Alfred L. Werker, Alan Crosland)
Peggy und Millie kommen aus der Kleinstadt nach New York. Zwar finden sie Arbeit in einer Schachtelfabrik, fühlen sich aber sehr einsam. Eine abgebrühte Nachbarin rät ihnen, einfach nur den Broadway hinunter zu schlendern und die Bekanntschaften würden sich schon einstellen. Gesagt, getan. Die auserwählten Männer verlieben sich allerdings beide in die hübsche Peggy. Als die verschmähte Millie den Gashahn öffnet, kommt es zu einer schrecklichen Explosion.

STROHEIM ALS DARSTELLER IN FILMEN (Auswahl)
1915 - Alt Heidelberg (Old Heidelberg), Nebendarsteller, Assistent
1916 - Intoleranz (Intolerance), Regieassistent, Statist
1918 - Herzen der Welt (Hearts of the World), Regieassistent, Nebenrolle
1918 - Das Herz der Menschlichkeit (The Heart of Humanity), Hauptrolle
1929 - Der große Gabbo (The Great Gabbo), Hauptrolle
1932 - The Lost Squadron Hauptrolle
1932 - Wie Du mich wünschst (As You Desire Me), Hauptrolle
1934 - Crimson Romance Hauptrolle
1937 - Die große Illusion (La Grande Illusion), Hauptrolle
1937 - Alibi (L'Alibi), Hauptrolle
1937 - Under Secret Orders (aka Mademoiselle Docteur), Hauptrolle
1938 - Les Pirates du Rail Nebenrolle
1938 - Les Disparus de Saint-Agil Hauptrolle
1939 - Die Spielhölle von Macao (Macao, l'enfer du jeu), Hauptrolle
1940 - Pieges Nebenrolle
1940 - I Was An Adventuress Hauptrolle
1943 - Fünf Gräber bis Kairo (Five Graves to Cairo), Hauptrolle
1943 - The North Star Nebenrolle
1945 - The Great Flamarion Hauptrolle
1945 - The Mask of Diijon Hauptrolle
1947 - Totentanz (La Danse de mort), Regieassistent, Drehbuch, Hauptrolle
1950 - Boulevard der Dämmerung (Sunset Boulevard), Hauptrolle
1952 - Alraune Hauptrolle
1953 - L'Envers du paradis Hauptrolle
1955 - Napoleon Nebenrolle als Beethoven

Vita Rick Schmidlin

Rick Schmidlin (b. 1954, Paterson, New Jersey) is a producer/director/silent film scholar, whose work has focused on restorations, reconstructions and documentaries.

Rick Schmidlin produced a Special Theatrical Edition of _Elvis, That's The Way It Is for Turner Entertainment and Turner Classic Movies. This film was completely re-cut and remixed. Included in this new version are nine additional new musical performances and many personal moments of Elvis working with his band that have been never been seen before. It premièred before 2,500 screaming fans in Memphis on August 12, at The Orpheum Theater as the main theme of "Elvis Week 2000". During 1979 through 1980 Rick was the assistant light director at The Whiskey A Go Go on the Sunset Blvd. West Hollywood. Later as a lighting director Rick toured the U.S. and Europe numerous times with the bands X, The Blasters and The Cramps. In 1982 Rick produced music videos for the celebrated punk band X ‘Hungry Wolf’ ‘Motel Room’ and later ‘True Love Part 2’. Rick then developed a career in film full time and he became assistant to the producer on David Cronenberg's Fly, Theand location manager on the feature film Hoosiers.
After working on those films Rick produced the long form home video _The Doors Live At The Hollywood Bowl which was voted #1 non-theatrical of 1987 by Video magazine. He also later produced four other major projects for The Doors and MCA Home Video including Doors Collection, The (1999) a special edition Laserdisc/ DVD. During 1987 Rick was personal assistant to Frank Zappa, helping him develop his video enterprise. From 1987-1992 Rick created ‘Easyriders Video Magazine the first subscription based video publication and produced, directed and wrote 13 hour-long Harley Davidson videos.
One project Rick is very proud of is that he produced and directed two documentaries on the breaking of the motorcycle land speed record (322 mph) at the Bonneville Salt Flats, Utah, narrated by Peter Fonda.
In 1996 Rick produced The Third Mind narrated by Peter Coyote, which was the first original documentary ever commissioned for The Sundance Channel.

In 1998 Rick produced the re-edit of ‘Orson Welles’Touch Of Evilwhich premiered at the Telluride Film Festival and Toronto Film Festivals. He received special awards from The National Society of Film Critics, The New York Film Critics Circle, The Boston Society of Film Critics and The Los Angeles Film Critics Association for "scholarship and integrity".
In 1999 Rick produced the reconstruction of the ‘Erich von Stroheim’1924 classic _Greed for Turner Entertainment and Turner Classic Movies. The American premier was at the Telluride Film Festival and the European premiere Venice Film Festival. Special presentation where at the Pordenone Silent Film Festival, Italy, The Berlin Film Festival and the Moscow International Film Festival. Rick received from The National Society of Film Critics their ‘Film Heritage Award’ and from the Los Angeles Film Critics Association a special award for a "meticulous reconstruction".
Rick is the only filmmaker to ever receive awards for two consecutive years from The National Society of Film Critics and The Los Angeles Film Critics Association.

In recent years Rick Schmidlin has worked as a exbition curator on the following projects:
2006- 2007
CURATOR for an expanded German exhibition ERICH VON STROHEIM: A LIFE DISCOVERED for the Filmmueum Potsdam, Potsdam Germany. This project is done with the partnership of Academy of Motion Picture Arts and Sciences. 2005
CURATOR: ERICH VON STROHEIM: A LIFE DISCOVERED for the Rheinisches Landesmuseum Bonn, Germany.This project was done with the partnership of Academy of Motion Picture Arts and Sciences.
GUEST CURATOR: ERICH VON STROHEIM: A LIFE DISCOVERED for the Academy of Motion Picture Arts and Sciences
2001
CURATOR of the special exhibition LO SPIRITO DI ERICH VON STROHEIM: FRAMMENTI DAI SUOI ARCHIVI PRIVATI ("Erich von Stroheim: A Life Revealed Through His Private Archives") for LE GIORNATE DEL CINEMA MUTO, 19th PORDENONE SILENT FILM FESTIVAL in Sacile, Italy
1995
CURATOR: CELEBRATING 100 YEARS OF CINEMA for the Everhart Museum, Scranton, PA.

From 1979 to 1985 Rick Schmidlin was a lighting director and designed lights for the following bands: X, The Blasters, The Cramps, The Gun Club, Los Lobos, The Go Gos, The Dead Kennedys, PIL, The Germs, Romeo Void, The Mutants, The Circle Jerks, DOA, The Subhumans, The Plugz, The Cruzados, The Untouchables, Ultravox, Top Jimmy and The Rhythm Pigs, Chuck Berry, Big Joe Turner and Jennifer Holiday.

Vita Kevin Brownlow

Kevin Brownlow was born on June 2, 1938 in Crowborough, Sussex. A filmmaker, film historian, television documentary-maker, and author, Brownlow is best known for his work documenting the history of the silent era. Brownlow developed an interest in silent film at the young age of eleven. This interest grew into a life-long passion for the cinema and a career spent documenting and restoring film. He is without question one of the most respected and admired historians of the early cinema and has rescued many a silent film and its history from oblivion. His initiative and interest in seeking out and interviewing many largely forgotten, elderly film pioneers in the 1960s and 1970s is credited with preserving a priceless legacy of cinema that would have otherwise been lost.
It Happened Here (Film)
His fascination for World War II prompted the creation of an alternate-history film, It Happened Here, in which the Nazis defeated the Allies. An ambitious an optimistic youth, Brownlow began work on this film at the age of 18, and soon began to collaborate with his friend Andrew Mollo, who was 16. After 8 years of struggling against many a set-back, during which the film's content changed dramatically, it was finally completed in 1964 with the last minute aid of Tony Richardson, but not released until 1966. After this cinematic feat Mollo and Brownlow plunged into another project, Winstanley, about a Digger commune following the English Civil War. The duo spent several years trying to gain support and, following a long and difficult shooting schedule, the film was released in 1975.
The Parade's Gone by...
In 1968 Brownlow's first book about silent film, The Parade's Gone By..., was published. The book, which relied heavily on interviews with the leading actors and directors of the silent era, launched him on his career as a film historian. Brownlow spent many years garnering support for the restoration of Abel Gance's 1927 French classic, Napoleon, a "lost" epic film that used an early example of the split screen or widescreen format. Brownlow's championing of this masterpiece eventually succeeded, and the restored, re-scored version was shown in London and New York in 1980 and 1981, with the director Gance just living to see the acclaim for his restored film. Even today Brownlow continues to add newly discovered footage to this film.
During this period Brownlow began his successful collaboration with David Gill with whom he would produce several award winning documentaries on the silent era. The first of these was Hollywood, a 13-part history of the silent era in Hollywood, produced for Thames Television in 1979. This was followed by Unknown Chaplin (1983) (Charlie Chaplin), Buster Keaton: A Hard Act to Follow (1987) (Buster Keaton), Harold Lloyd: The Third Genius c. (1989) (Harold Lloyd), and Cinema Europe: the Other Hollywood (1996), among others. They also restored and released a large number of classic silent films through the Thames Silents series in the 1980s and 1990s, generally with new musical scores by Carl Davis.
Since David Gill's death in 1997, Brownlow has continued to produce documentaries and conduct film restoration, in collaboration with Patrick Stanbury, at Photoplay Productions. The most recent of these are Garbo, a documentary produced for Turner Classic Movies to mark the centenary of the actress' birth, and I Am King Kong (2005), about filmmaker Merian C. Cooper.
How It Happened Here (The Book)
There is a book titled How It Happened Here (now re-issued by The UKA Press) about the making of It Happened Here, and the subsequent reception that the film received. Not only does it explain how two teenage boys made a feature film, it also explores the provocative social issues raised by the movie. Brownlow had allowed genuine British Fascists to play themselves in the film, which raised the hostility of Jewish organizations. The book contains almost 100 pictures, mostly stills from the film, and an introduction by David Robinson.

Filmography
I'm King Kong!: The Exploits of Merian C. Cooper (2005)
Garbo (2005)
So Funny It Hurt: Buster Keaton MGM (2004)
Cecil B. DeMille: American Epic (2004)
The Tramp and the Dictator (2002)
Lon Chaney: A Thousand Faces (2000)
Universal Horror (1998)
Cinema Europe: The Other Hollywood (1996)
D.W. Griffith: Father of Film (1993)
Harold Lloyd: The Third Genius (1989)
Buster Keaton: A Hard Act to Follow (1987)
Unknown Chaplin (1983)
Millay at Steepletop (1983)
Hollywood (1980)
Winstanley (1975)
Abel Gance: The Charm of Dynamite (1968)
It Happened Here (1966)
Nine, Dalmuir West (1962)
Bibliography
How It Happened Here. Doubleday, 1968.
The Parade's Gone By.... Alfred A. Knopf, 1968.
The War, the West and the Wilderness. Alfred A. Knopf, 1979.
Hollywood, the Pioneers. William Collins, 1979.
Napoleon: Abel Gance's Classic Film. Alfred A. Knopf, 1983.
Behind the Mask of Innocence. Alfred A. Knopf, 1990.
David Lean. Faber and Faber, 1996.
Mary Pickford Rediscovered. Harry N. Abrams, 1999.

Filmreihe zur Ausstellung


Februar - Mai 2007
FILME: Greed / Hello, Sister! / Blind Husbands / Foolish Wives / Die große Illusion / The Merry Widow / Queen Kelly / Sunset Boulevard / Alraune / Storm Over Lisbon

Greed Gier
USA 1924, R: Erich von Stroheim
D: Gibson Gowland, Zasu Pitts, Jean Hersholt; engl. ZT, 243’, rekonst. Version mit Musik
1924 kürzte MGM die fast sechsstündige Verfilmung des naturalistischen Romans von Frank Norris ohne Stroheims Zustimmung auf 2 Stunden. Schmidlins Fassung erzählt mit zusätzlich eingefügten Standfotos die Geschichte mit all ihren Nebenhandlungen und Episoden. Sie vermittelt einen Eindruck von der Kraft, Unbarmherzigkeit und Präzision dieses Stroheimschen Meisterwerks über das Thema Geldgier.
Film-Kritik zu "Greed" von Willy Haas im Film-Kurier, 15.05.1926
"Ein furchtbarer Film; ja, der furchtbarste, der entsetzlichste Film, der je gemacht wurde. Eine Hassorgie; eine Symphonie des Ekels, ein kaltes, heißeres Teufelsgelächter. Dreitausend Meter Magenindigestionen über die menschliche Gemeinheit. Dieser Erich von Stroheim ist ja ein kranker Mensch. Kein Karikaturist wie George Grosz - dem er in diesem Film oft sehr ähnelt. Und kein dumpfer seelischer Ringer wie Strindberg. Von beiden hat er anscheinend den Hassfanatismus. In Wirklichkeit hat er auch diesen nicht. Er hat diese flackernde Interessantheit des Hysterikers - die durch kein geistiges Material gedeckt ist. Ich hatte den sehr starken Einsruck: er ist einfach dumm. Ein großer Hasser; ein erschreckender, dämonischer Kerl, aber auch ein schlichter dummer Mensch. (...) Auch er hat diese wilden und oft wie genialen Bildvisionen. Manche Szenen zwischen Mann und Frau am Ehebett sind unerhört großartig, noch nie dagewesen; und gigantisch, wahrhaft gigantisch sind die Szenerien in der Schlussszene in der Salzwüste. (...) Wenn Träume, schlichte, körpergeborene, aus Körpers Urgründen ausbrechende Szenerien genial sein könnten, so wäre dieser Film genialer als Michelangelo; aber sie können überhaupt nicht genial sein, weil ihnen jeder leiseste Schein des Lebens fehlt, weil sie nirgendwo tief, tiefgreifend, zusammenfallend, deutend, unbedeutend sind - so wenig wie eine platzende schillernde Seifenblase."

Hello, Sister! Walking Down Broadway
USA 1933, R: Alfred L. Werker, Erich von Stroheim, Alan Crosland
D: James Dunn, Boots Mallory, Zasu Pitts; OF, 61’
Ein letztes Mal führte Erich von Stroheim 1932 Regie bei "Walking Down Broadway". Die Fox-Film befand den Film um zwei Freundinnen im Großstadtdschungel New Yorks als zu ungefällig und moralisch bedenklich. Mehrere Regisseure wurden verpflichtet, Teile des Films neu zu drehen. Von Stroheims Szenen fanden nur wenige Eingang in die endgültige Fassung, die 1933 unter dem Titel "Hello Sister!" (11.2.) verliehen wurde und mit seiner Konzeption kaum noch etwas zu tun hatte.

Blind Husbands Die Rache der Berge
USA 1919, R: Erich von Stroheim
D: Erich von Stroheim, Gibson Gowland; dt. ZT, rest. Fassung, 99’
Nach einigen Jahren im Filmgeschäft, in denen Stroheim als Schauspieler, Stuntman und Assistent arbeitete, erhielt er 1919 zum ersten Mal Gelegenheit, Regie zu führen. "Blind Husbands", eine Geschichte über amerikanische Touristen in den österreichischen Alpen und ihre erotischen Verwicklungen, wurde ein großer Kassenerfolg. Jahre später wurde der Film in gekürzter Fassung wieder in die Kinos gebracht. Diese Kurzfassung galt bislang als die einzig überlieferte Version, bis in Österreich eine Kopie des Filmes auftauchte, die auf das Jahr 1921 zurückgeht und somit das älteste erhaltene und vollständigste Material ist. Michael Loebenstein vom Österreichischen Filmmuseum Wien berichtet am 14.2. von seiner Arbeit an "Blind Husbands", der von Günter A. Buchwald musikalisch begleitet wird.

Foolish Wives Närrische Weiber
USA 1920/21, R: Erich von Stroheim
D: Erich von Stroheim, Madge George, Mae Busch; engl. ZT, 120’
"Foolish Wives" (1920/21) war Hollywoods erster Millionen-Dollar-Film, die Darsteller verspeisten vor der Kamera echten Kaviar und für eine Handvoll Einstellungen ließ Stroheim die gesamte Promenade von Monte Carlo in Kalifornien nachbauen. Universal erwog immer wieder, die Dreharbeiten zu stoppen. Da aber Stroheim nicht nur Regie führte, sondern auch die Hauptrolle spielte, war er nicht zu ersetzen. Der fertige Film war ein Riesenerfolg und ein Tabubruch mit amerikanischer Moralheuchelei. Ebenso zynisch wie drastisch illustriert Stroheim, dass Sex mit Liebe nichts zu tun haben muss. Er spielt einen Hochstapler, der die Frauen dutzendweise verführt. Nachdem er sich an einem schwachsinnigen Mädchen vergangen hat, wird er von deren Vater umgebracht. Am Ende des grandiosen Films wird seine Leiche in einem Gully entsorgt - Die Welt als Kloake! Freuen Sie sich auf weitere Stroheim-Filme bis Mai 2007!

Die große Illusion
F 1937, R: Jean Renoir
D: Jean Gabin, Erich von Stroheim, Pierre Fresnay; 114’
Unter Jean Renoirs Regie spielte Erich von Stroheim erstmalig in einem europäischen Film. Er verkörpert in diesem pazifistischen Klassiker einen deutschen Offizier. In Erinnerung an die Dreharbeiten sagte er: "Alle Arbeit, die ich mit Renoir geleistet habe, war ein Abbild unserer ersten Begegnung: herzlich."

The Merry Widow Die lustige Witwe
USA 1925, R: Erich von Stroheim
D: Mae Murray, John Gilbert; engl. ZT, 128’
Aus der klassischen Operrette "Die lustige Witwe" wird in der Verfilmung ein echter ‚Stroheim’. Im Gegensatz zur Vorlage erzählt er z.B., wie die Heldin zur Witwe wird: Sally heiratet einen senilen Baron. Als der sich in der Hochzeitsnacht statt an seiner jungen Frau lieber an deren Schuhen delektiert, erliegt er vor Entzücken einem Herzinfarkt...

Queen Kelly
USA 1928/29, R: Erich von Stroheim
D: Gloria Swanson, Seena Owen; engl. ZT, Musikversion von 1985, 101’
1928 übertrug die Stummfilmdiva Gloria Swanson Erich von Stroheim die Regie für einen Film, den sie selbst produzierte und in dem sie die Hauptrolle übernahm: "Queen Kelly". Die Geschichte stammte von Stroheim: Prinz Wolfram verliebt sich heftig in die Klosterschülerin Kelly. Er entführt sie auf das Schloss, wo sie mit Wolframs Braut, der Königin, zusammentrifft. Die peitscht Kelly brutal aus dem Palast. Dem Telegramm einer Tante folgend, bricht Kelly nach Deutsch-Ostafrika auf. Hier wird sie mit einem lüsternen Krüppel verheiratet und erbt von der Tante ein Bordell. Wolfram, von der Königin in Festungshaft genommen, meldet sich freiwillig zu den Truppen in die Kolonie, um Kelly zu finden ...
Wäre "Queen Kelly" wie geplant fertiggestellt worden, hätte der Film eine Länge von über fünf Stunden gehabt. Doch der Produzentin missfiel zunehmend, dass ihr Regisseur Geld zu verschwenden schien, und vor allem, wofür - die bereits fertigen Bordellszenen würden niemals durch die Zensur kommen und waren nach Meinung Swansons für den Papierkorb produziert. Kurzerhand stoppte sie den Film und widmete sich anderen Aufgaben. Von dreißig geplanten Filmrollen waren lediglich zehn gedreht worden, doch diese rund einhundert Filmminuten sind eine filmhistorische Kostbarkeit. Wir präsentieren die restaurierte Filmversion von 1985. Mit Standfotos, Zwischentiteln und sämtlichem verfügbaren Filmmaterial ist sie die vollständigste Version, die jemals zusammengestellt wurde, und folgt dem originalen Manuskript Erich von Stroheims.

Sunset Boulevard Boulevard der Dämmerung
USA 1950, R: Billy Wilder
D: Gloria Swanson, Erich von Stroheim, William Holden; 109
In einer Villa in Hollywood lebt, vergessen und der Vergangenheit nachhängend, die einstige Stummfilmdiva Norma Desmond. Sie wird von dem treuen Diener Max von Mayerling umsorgt, ihrem ehemaligen Entdecker, Regisseur und Ehemann. Er schreibt ihr fiktive Fanbriefe und führt ihr die Filme vor, für die sie beide einst berühmt waren. Einer dieser Filme ist - "Queen Kelly"; Gloria Swanson verkörpert die Rolle der gealterten Diva, ihren ergebenen Diener spielt Erich von Stroheim. Der Regisseur Billy Wilder hatte 1949/50 die einstigen Partner und Kontrahenten Swanson und Stroheim für seinen bitterbösen Abgesang auf die Traumfabrik Hollywood noch einmal zusammengebracht. Auch der eigentliche Swanson-Förderer Cecil B. de Mille, Buster Keaton und die legendäre Klatschkolumnistin Hedda Hopper haben ihren Auftritt - alle drei als sie selbst. Diese Dosis Realität gibt der Tragikomödie eine beklemmende Wahrhaftigkeit.

Alraune
BRD 1952, R: Arthur Maria Rabenalt
D: Hildegard Knef, Erich von Stroheim, Karlheinz Böhm, 92’
1952 trat Erich von Stroheim ein einziges Mal in einem deutschen Film auf. Vielleicht wäre ihm für diesen Auftritt ein weniger kurioser Streifen zu wünschen gewesen, für die Rolle des verrückten Wissenschaftlers ten Brinken ist jedoch keine idealere Besetzung vorstellbar. Aus dem Samen eines Gehenkten züchtet ten Brinken ein wunderschönes, aber abgrundtief böses Geschöpf, Alraune (Hildegard Knef), das sich schließlich gegen seinen "Schöpfer" wendet. An Stroheims Seite: seine Lebensgefährtin Denise Vernac als entzückend hysterische Gouvernante.

Storm Over Lisbon
USA 1944, R: George Sherman
D: Vera Hruba Ralston, Richard Allen, Erich von Stroheim, 83´
Angestachelt vom Erfolg des Filmes "Casablanca" produzierte das kleine Hollywoodstudio Republic mit "Storm Over Lisbon" (USA 1944) ein eigenes, spannendes Plagiat und versammelte dafür eine erstaunliche Anzahl namhafter Künstler. John Alton, einer der besten amerikanischen Kameramänner, fotografierte das exotische Abenteuer. Stummfilmstar Richard Arlen spielte die männliche Hauptrolle an der Seite der jungen Tschechin Vera Ralston, und allen voran: Erich von Stroheim in der Rolle des zwielichtigen Restaurantbesitzers.