Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Der neue Katalog zu Jenny Jugo

Der neue Katalog zu Jenny Jugo
Susanne Loosemann
Anfang 2006 konnte das Potsdamer Filmmuseum den umfangreichen Nachlass der Schauspielerin Jenny Jugo erwerben, das zum Anlass genommen wurde für eine Ausstellung im eigenen Haus und im Modemuseum Meyenburg. Unter den Neuerwerbungen befangen sich fast 40 Filmkostüme oder Kostümteile. "In keiner bekannten Textilsammlung existiert ein vergleichbarer Bestand aus der Zeit des deutschen Films vor 1950." (S. 6)
Der deutsch-englische Katalog macht mit den Materialien bekannt und wählt dazu zunächst den biografischen Zugang. Guido Altendorf bringt nach präziser Recherche neue Lebensdetails ans Licht und charakterisiert die Spielweise der jungen Jugo als "IT" - "das gewisse Etwas": Sie sei für Männer unwiderstehlich, bezaubert allein durch ihre entspannte und irdische Selbstverständlichkeit." (S.10)
Bärbel Dalichow kennzeichnet die Jugo als temperamentvolle, nette Person, die in ihren rollen Muster einer neuen, selbstbewussten Lebensweise von Frauen entwarf. Beide Aufsätze berühren auch ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus. Zwar sei sie eine "Profiteurin der NS-Zeit" (S.37) gewesen und habe regelmäßig im Haus Gobbels verkehrt, an direkten Propagandafilmen habe Jenny Jugo jedoch nicht mitgewirkt. Im zweiten Katalogteil steht ihre überlieferte Filmkleidung im Blickpunkt - in wirkungsvollen Farbabbildungen und in Beiträgen von Lisa Winkel und Maxie Berlin. Beide Texte bleiben nah an den Objekten: Zu ihrem recht kommt einerseits die aufwändige, selten publizistisch gewürdigte Arbeit der Restauratoren, die bis zur fachgerechten Präsentation reicht. Zum anderen werden Brücken von den Filmkostümen zur Alltagsmode der Zeit geschlagen. Der Katalog erweitert somit auch das Wissen über die Kostümkunde. Nicht zuletzt hält er die beeindruckenden Kleidungsstücke der zierlichen Schauspielerin (sie maß nur 1,59 Meter) auch nach Ende der Ausstellung in der Öffentlichkeit. Denn in den Farbfotostrecken gewinnen sie gegenüber ihrer Präsenz in den Schwarzweißfilmen einen neuen Reiz.