Foto: DEFA-Stiftung / Schütt
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Der Frühling braucht Zeit

Im Mittelpunkt von Günter Stahnkes auch stilistisch eigenwilligem Film steht der Ingenieur Solter. Er weiß um seine berufliche Kompetenz und ist auch mutig genug, die überholten Leitungsmethoden in seinem Betrieb zu kritisieren. Dennoch gibt er auf Drängen eines Vertreters der Hauptverwaltung eine Gasrohrleitung entgegen den verbindlichen Standards vorzeitig frei und sichert seinem Betrieb damit eine Prämie. Während der winterlichen Kältewelle jedoch treten Schäden auf, deren Beseitigung eine halbe Million Mark kostet. Obwohl Solter frühzeitig davor gewarnt hat, das kondensathaltige Gas aus eigener Produktion in die Leitung einzuspeisen, wird ihm als zuständigem Ingenieur die Schuld zugewiesen und er muss sich vor der Staatsanwaltschaft verantworten.

Die von Studierenden der Filmuniversität Babelsberg erarbeitete Ausstellung »Gestört Verhindert Zensiert« beleuchtet das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED des Jahres 1965 und die schwerwiegenden Konsequenzen, die es für das Kultur- und Filmschaffen in der DDR hatte. Mit dem Verbot von insgesamt zwölf Filmen war das DEFA-Spielfilmstudio am schwersten betroffen. Einige Regisseure hatten später keine Möglichkeit mehr, Spielfilme zu drehen oder ihre Projekte wurden besonders scharf überwacht. Die Spielfilmproduktion ging in den folgenden Jahren stark zurück, künstlerische Aufbrüche wurden jäh unterbrochen, es herrschten Einschüchterung und Diffamierung. Begleitend zur Ausstellung zeigt das Kino alle erhaltenen Spielfilme in zumeist neu restaurierten Fassungen.


Zur Foyerausstellung GESTÖRT VERHINDERT ZENSIERT