Foto: Jörg Erkens, DEFA-Stiftung / Filmmuseum Potsdam
Foto: Jörg Erkens, DEFA-Stiftung / Filmmuseum Potsdam

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Das Kaninchen bin ich

Maria Morzeck ist 19 Jahre alt und arbeitet als Kellnerin. Eigentlich wollte sie studieren. Doch da ihr Bruder wegen »staatsgefährdender Hetze« verurteilt wurde, bekommt sie den Studienplatz nicht. Nun verliebt sich Maria in den wesentlich älteren Paul Deister, der ihren Bruder in einem dubiosen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt hatte. Maria will Liebe und Fall auseinander halten. Doch merkt sie, dass der Richter Menschen - genau wie Gesetze - nur für seine Karriere benutzt.
In der Figur des heuchlerischen, doppelzüngigen Richters lag die besondere politische Sprengkraft des Films, die zu seinem Verbot führte. Er hatte seine öffentliche Premiere erst mit den anderen so genannten »Kaninchen-Filmen« 1990 bei der Berlinale.

Zur Ausstellung: Das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED in der DDR, das vom 15. bis 18. Dezember 1965 stattfand, hatte schwerwiegende Konsequenzen für das gesamte Kulturschaffen des Landes. Durch ihre kritischen Werke, so der Vorwurf, arbeiteten die Künstler dem »Klassenfeind« zu. Um ihre eigene Macht zu sichern, griff die SED auf dem Plenum alle Personen an, die in den Jahren zuvor versucht hatten, Reformen einzufordern. Mit dem Verbot von insgesamt zwölf Filmen war das DEFA-Spielfilmstudio am schwersten betroffen, aber auch in Literatur, Dramatik und Bildender Kunst setzten erhebliche Restriktionen ein.
Einige Regisseure hatten später keine Möglichkeit mehr, Spielfilme zu drehen. Konnten sie weiterarbeiten, so wurden ihre Projekte besonders scharf überwacht. Künstler begannen ihre eigene Arbeit zu beargwöhnen. Die Spielfilmproduktion ging in den folgenden Jahren stark zurück, künstlerische Aufbrüche wurden jäh unterbrochen, es herrschten Einschüchterung und Diffamierung.
Die Ausstellung, die von Bachelor-Studierenden der Filmuniversität Babelsberg erarbeitet wurde, beruht auf Recherchen in den Sammlungen des
Filmmuseums und weiterer Archive. Begleitend zur Ausstellung zeigt das Kino alle erhaltenen Filme in zumeist neu restaurierten Fassungen.


Eine Ausstellung von Studierenden der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF


Zur Foyerausstellung GESTÖRT VERHINDERT ZENSIERT. Die verbotenen Filme der Defa 1965/66