Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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DVD: Die Stadt der Millionen

Das Plakat zum Film stammt von Heinrich Zille. Mit einigen Veränderungen recycelte er hierfür eine eigene Arbeit, das Deckblatt des Albums »Berliner Luft« aus dem Jahr 1910.
Die Stadt der Millionen
Ein Film von Adolf Trotz. D 1925

Eine Edition des Filmmuseums Potsdam hrsg. von Guido Altendorf und erschienen bei absolut MEDIEN. Booklet mit Texten von Guido Altendorf, Jesko Jockenhöfel, Mario Geßler und den Komponisten Boris Bojadzhiev und Bowen Liu. Bonus: Audiokommentar, Bildergalerie, Outtakes und der Film: Im Strudel des Verkehrs. Ein Film für jedermann (D 1925, Regie: Leo Peukert, 39'). ISBN: 978-3-8488-3003-9


Das erste abendfüllende Stadtportät der deutschen Filmgeschichte stammt aus einer Zeit, in der ein Dokumentarfilm noch »Kulturfilm« genannt wurde. Als der Film am 28. Mai 1925 im Tauentzien-Palast in Berlin Premiere feiert, reagiert die Presse von freundlich-anerkennend bis ausfällig-negativ. Zu neu ist die Gattung des abendfüllenden, so genannten »Kulturfilms«, zu groß das Thema.

Die Stadt der Millionen (1925) spiegelt das Lebensgefühl und neu erwachte deutsche Selbstbewusstsein nach Krieg und Inflation wider. Der Film ist ein bunter Berlin-Bilderbogen, platzt vor freundlichem Lokalpatriotismus und bemüht alle Möglichkeiten und Tricks
des Mediums zur Betonung seines Anliegens: Kommt und seht die friedliche, moderne, hektisch-betriebsame und fröhlich- gemütvolle deutsche Hauptstadt, ihre Vergangenheit und
Gegenwart! Sogar ein Vorgriff auf das Jahr 2000 wird geboten.

Der wiederentdeckte Klassiker wird hier mit neu komponierter und eingespielter Musik für Kammerensemble präsentiert. Er ist das zu Unrecht vergessene und wertvolle Dokument einer
Metropole, die es in dieser Gestalt nicht mehr lange geben sollte.

Die Filmgeschichtsschreibung hat Die Stadt der Millionen weitgehend vergessen. Zu mächtig ist der Schatten von Walter Ruttmanns Berlin - Die Sinfonie der Großstadt (1928), dessen Bilder das Berlin der 1920er Jahre in zahllosen Fernsehdokumentationen fast ausschließlich repräsentieren. Stets wird auf das Bekannte zurück gegriffen - das hat den nun vorgelegten Film davor bewahrt, ebenso geplündert zu werden.