Günter Reisch, Foto: Beate Reisch
Günter Reisch, Foto: Beate Reisch

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Biographie und Filmografie Günter Reisch

24.11.1927
Geboren in Berlin, Vater Bäckermeister, Mutter kaufmännische Angestellte
1934
Nach dem Tod des Vaters zieht die Familie nach Potsdam.
1944
Einberufung zur Wehrmacht
1945
Amerikanische und englische Kriegsgefangenschaft, Bauhilfsarbeiter in Hildesheim
Herbst 1945
Heimkehr nach Potsdam, Besuch der Humboldt-Oberschule in Potsdam, Aufbau und Leitung des Theaterensembles im Antifa-Jugendausschuss und in der FDJ
1947
Nach dem Abitur Schauspielunterricht bei Werner Kepich, Leiter der "Jugendbühne Potsdam"
1947
Regie-Assistent im Nachwuchsstudio der DEFA beim künstlerischen Leiter Ilja Trauberg
01.03.1948
Erster Arbeitstag bei der DEFA
1948 - 1952
Regie-Assistenzen bei Gerhard Lamprechts Quartett zu fünft (1949), Georg Wildhagens Figaros Hochzeit (1949) und Martin Hellbergs Das verurteilte Dorf (1952)
1950/1952
Günter Reisch wirkt als Assistent am Dokumentarfilm vom Deutschlandtreffen der Jugend zu Pfingsten 1950 in Berlin Immer bereit und Dokumentarfilm zu den III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1951 in Berlin "Freundschaft siegt!" mit.
1949 - 1955
Assistenz bei Kurt Maetzig für die Filme Der Rat der Götter, Familie Benthin und Roman einer jungen Ehe, bei dem er auch 1954 für Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse und 1955 für Ernst Thälmann - Führer seiner Klasse arbeitet.
1955
Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme
1955 - 1960
Lehrauftrag für Regie an der Filmhochschule Babelsberg
29.03.1956
Premiere des Spielfilmdebüts Junges Gemüse
25.10.1957
Premiere von Spur in die Nacht
1958
Inszenierung einer Bühnenfassung von Lew Tolstois "Krieg und Frieden" am Volkstheater Rostock
09.11.1958
Premiere des gemeinsam mit Kurt Maetzig inszenierten Films Das Lied der Matrosen
1959
Eheschließung mit Sibylle Dunkelmann, Geburt der Tochter Andrea im selben Jahr, 1962 der Tochter Kerstin
1959 / 1960
In den Lustspielen Maibowle und Silvesterpunsch gestaltet Reisch das Leben einer Arbeiterfamilie in der DDR.
1961
Der auf den Lebenserinnerungen des Obersten der deutschen Wehrmacht Rudolf von Petershagen ("Retter von Greifswald") basierende fünfteilige Fernsehfilm Gewissen in Aufruhr, den er gemeinsam mit Hans-Joachim Kasprzik inszeniert, wird ein Publikumserfolg. Das Kollektiv - Autor Hans Oliva Hagen, Regisseur Günter Reisch, Regisseur Hans-Joachim Kasprzik, Schauspieler Erwin Geschonneck und Schauspielerin Inge Keller - werden mit dem Nationalpreis I. Klasse. Die Kameraleute Horst E. Brandt und Otto Hanisch erhalten im folgenden Jahr den Heinrich-Greif-Preis III. Klasse.
1962
Mit Ach, du fröhliche ... nach der literarischen Vorlage von Vratislav Blazek und dem Szenarium von Hermann Kant entsteht mit Erwin Geschonneck in der Hauptrolle eine kritische DDR-Komödie.
26.07.1963
Premiere des Filmmusicals Der Dieb von San Marengo
09.09.1965
Premiere des ersten Films über Karl Liebknecht Solange Leben in mir ist. Der ursprüngliche Plan einen Zweiteiler über das Leben von Karl Liebknecht in die Kinos zu bringen, wird fallen gelassen. Dem Kollektiv - Autor Michael Tschesno-Hell, Regisseur Günter Reisch, Kameramann Horst E. Brandt und Schauspieler Horst Schulze - wird 1966 der Nationalpreis II. Klasse verliehen. Erst Anfang der 1970er Jahre wird die Arbeit an dem zweiten Teil wieder aufgenommen.
1967 - 1988
Vizepräsident des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR
03.03.1967
Premiere von Ein Lord am Alexanderplatz mit Erwin Geschonneck in der Hauptrolle.
20.03.1969
Premiere von Jungfer, Sie gefällt mir, ein Film frei nach Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug". Das Drehbuch schreibt Günter Reisch gemeinsam mit Jurek Becker.
1970
In Co-Produktion mit dem Mosfilm-Studio entsteht Unterwegs zu Lenin nach den Erinnerungen Alfred Kurellas. Auf den XVII. Internationalen Filmfestspielen in Karlovy Vary erhält der Film den Spezialpreis der Jury. Das Kollektiv - Autor Helmut Baierl, Regisseur Güter Reisch, Dramaturg Herbert Fischer, Autor Jewgeni Gabrilowitsch und Kameramann Jürgen Brauer - werden 1970 mit dem Nationalpreis III. Klasse ausgezeichnet.
1971
Eheschließung mit Beate Schäfer, Geburt der Söhne Gregor 1972 und Markus 1973
13.01.1972
Premiere des zweiten Films über das Leben von Karl Liebknecht Trotz alledem!. Das Kollektiv Autor Michael Tschesno-Hell, Regisseur Günter Reisch und Kameramann Jürgen Brauer erhalten 1972 den Kunstpreis des FDGB.
1974
Nach einem Buch von Günther Rücker entsteht Wolz - Leben und Verklärung eines deutschen Anarchisten, der an das Leben des deutschen Anarchisten Max Hoelz angelehnt ist. Eine Einladung des Films zu den Filmfestspielen 1976 in Cannes und Karlovy Vary wird zurückgezogen, weil befürchtet wird, dass der Film als eine Sympathiekundgebung für die RAF gewertet werden könnte.
24.09.1976
Premiere von Nelken in Aspik in der Hauptrolle mit Armin Mueller-Stahl.
1978
Großen Erfolg beim Publikum hat die Komödie Anton der Zauberer mit Ulrich Thein in der Titelrolle, in der satirisch Probleme in der Entwicklung der DDR geschildert werden. Die Ende der 1980er Jahre geplante Fortsetzung Antons Geist kann Günter Reisch nicht drehen. Das Kollektiv - Autor Karl-Georg Egel, Regisseur Günter Reisch und Hauptdarsteller Ulrich Thein - erhalten 1979 den Heinrich-Greif-Preis I. Klasse. Bei der Kritikerumfrage der Sektion Theorie und Kritik des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR wird Anton der Zauberer zum besten DEFA-Film des Jahres 1978 erklärt.
1980
Gemeinsam mit Günther Rücker dreht Reisch den DEFA-Film Die Verlobte. Zum Ende der Dreharbeiten erkrankt Reisch schwer und muss sich mehreren Operationen unterziehen. "Die Verlobte" erhält zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Grand Prix des XXII. Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary 1980. Auch in der DDR findet der Film allseits große Beachtung und zahlreiche Würdigungen. Das Kollektiv - Kameramann Jürgen Brauer, Autorin Eva Lippold, Regisseur Günter Reisch, Regisseur Günter Rücker, Hauptdarstellerin Jutta Wachowiak und Hauptdarsteller Regimantas Adomaitis - erhalten 1980 den Nationalpreis I. Klasse. Es ergeht 1981 der Kritikerpreis der Sektion Theorie und Kritik des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR als bester DEFA-Film aus dem Kinoprogramm 1980. Auf dem 2. Nationalen Spielfilmfestival der DDR in Karl-Marx-Stadt 1982 wird Die Verlobte mit dem Großen Preis ausgezeichnet. Außerdem werden geehrt Jürgen Brauer mit dem Preis für Kamera, Dieter Adam mit dem Preis für Szenographie, Erika Lehmphul mit dem Preis für Schnitt, Jutta Wachowiak mit dem Schauspielerpreis sowie Käthe Reichel und Rolf Ludwig mit dem Schauspielerpreis für Nebenrollen.
1983
Gewähltes ordentliches Mitglied der Akademie der Künste der DDR
1983 - 1986
Vorbereitung des Films Bloody Heart gemeinsam mit Dean Reed, die nach dessen Tod abgebrochen wird.«»
1987
Reischs letzter Film für die DEFA ist Wie die Alten sungen ..., in dem er nach 25 Jahren noch einmal zu Familie Lörke aus Ach, du fröhliche ... zurückkehrt. Das Kollektiv - Regisseur Günter Reisch, Autor Hans Weber, Dramaturg Gerd Gericke und Hauptdarsteller Erwin Geschonneck - werden 1987 mit dem Kunstpreis des FDGB ausgezeichnet.
1988
Mitglied in der Auswahlkommission des ersten europäischen Filmpreises
August 1990
Vorruhestand
1991 - 1997
Lehraufträge bzw. Gastprofessuren an der Hochschule für Fernsehen und Film München, an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, an der Hochschule für Medien Köln, an der "Theater Statt" Ulm und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Graz und lange an der Wilhelms-Universität Kassel.
1992
Künstlerische Beratung bei dem Film Stilles Land von Andreas Dresen
1994
Ordentliches Mitglied der Akademie er Künste Berlin-Brandenburg
Ab 1997
Lehrbeauftragter an der Fakultät Medien der Bauhaus Universität Weimar, an der er Anfang 2003 zum Honorarprofessor für "Filmgestaltung in den Neuen Medien" ernannt wird.
29.11.2007 - 20.01.2008
Aus Anlass seines 80. Geburtstags findet im Filmmuseum Potsdam eine Festveranstaltung statt. An diesem Abend wird auch die Ausstellung "Weggenossen - Günter Reisch stellt seine Sammlung vor" eröffnet, in der Materialien aus seiner dem Filmmuseum Potsdam übergebenen Sammlung präsentiert werden.
Er arbeitet bei verschiedenen Filmprojekten als Mentor und Berater.
17. - 30.11.2012
CineGraph Babelsberg veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Zeughauskino eine Werkschau, in der zehn Filme Günter Reisch gezeigt werden. Bekannte Publizisten und Filmwissenschaftler führen kurz in die Filme und ihre Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ein.
24.11.2012
Herausgegeben vom Filmmuseum Potsdam und der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" erscheint anlässlich des 85. Geburtstages von Günter Reisch "Reischs Findbuch", in dem auf über zweihundert Seiten die Sammlung des Regisseurs ausführlich vorgestellt wird.
Januar 2013
In dem von Michael Grisko herausgegebenen Buch "Zwischen Historienfilm und Gegenwartskomödie" sprechen die Filmwissenschaftler und Publizisten Günter Agde, Guido Altendorf, Andreas Dresen, Michael Grisko, Dorett Molitor, Günter Reisch, Ralf Schenk, Michael Wedel und Dieter Wiedemann über 16 Filme von Günter Reisch. In dem Beitrag "Meine gekürzte Filmografie - oder eine ziemlich lange Antwort auf die Frage: Wollte ich Filme machen - und warum dann diese?!" gibt Reisch zusammenfassend Auskunft über seine Arbeit im Film der DDR.
15.11.2013
Die DEFA-Stiftung verleiht Günter Reisch den "Preis für das künstlerische Lebenswerk". Er habe die Filmgeschichte der DEFA mitgeprägt und wurde über die Grenzen der DDR hinaus bekannt.
24.02.2014
Günter Reisch verstirbt in Berlin.