Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Ausstellungseröffnung

"Was ich träume, das wünsche ich mir und das mache ich."
Diesen Satz, den Jenny Gröllmann in dem Theaterstück "Ich bin einem Mädchen begegnet" spricht, könnte auch für ihren Anspruch an ihr Rollenverständnis und das Leben stehen.
Über 40 Jahre spielte sie auf der Bühne und für Film und Fernsehen - verträumte, schnippische Mädchen, heitere, melancholische oder selbstbewusste junge Frauen.
Schon mit 14 Jahren verkörpert Jenny Gröllmann die Titelrolle in Brechts "Die Gesichte der Simone Machard" im Dresdener Staatsschauspiel. Erst 16-jährig beginnt sie ihr Studium an der Schauspielschule Berlin und wird 1966 Mitglied des Maxim Gorki Theaters, Heimat für 26 Jahre. Ihr Debüt gibt sie als Hausmädchen in Henrik Ibsens "Nora". Als Stubenmädchen Lisa und später als Tochter Ljudmila überzeugt sie in Maxim Gorkis "Wassa Shelesnowa" ebenso wie in dessen Stück "Barbaren". Anerkennung erspielt sie sich auch durch ihre Darstellung moderner Frauen in Gegenwartsstücken wie Rainer Kerndls "Ich bin einem Mädchen begegnet" oder Siegfried Pfaffs "Regina B".
In ihrem Kino-Debüt in "Geschichten jener Nacht" (Episode 2 Die Prüfung R: Ulrich Thein, DDR 1967) verkörpert sie die 18-jährige Jutta, die vor eine mehrfache Prüfung gestellt wird. Es geht nicht nur um ihr abzulegendes Abitur, sie wird auch mit dem Ausreisewunsch ihrer Eltern konfrontiert.Ihre erste Hauptrolle ist das eigenwillige Mädchen Gila in Ingrid Reschkes "Kennen sie Urban?", das gegen den Willen der Eltern einen aus der Haft entlassenen Halbstarken heiratet. In Roland Gräfs "Die Flucht" brilliert sie an der Seite von Armin Mueller-Stahl. Mit der Rolle der Susette Gontard in Hermann Zschoches Hölderlin-Porträt "Hälfte des Lebens" spielt sie eine ihrer schönsten und eindrucksvollsten Rollen und ist am Zenit ihrer schauspielerischen Laufbahn. Auch mit ihrer Darstellung als Alkoholikerin in Helmut Krätzigs Fernsehkrimi "Unheil aus der Flasche" zeigt Jenny Gröllmann, dass sie ihr Handwerk versteht.
In den 1990er Jahren wird sie durch TV-Reihen wie "Liebling Kreuzberg", "Schwurgericht" oder "Polizeiruf 110" bekannt. "Erbsen auf halb 6" ist ihr letzter Kinofilm.
Die spannende und berührende Dokumentation "Ich will da sein - Jenny Gröllmann" (R: Petra Weisenburger, D 2008) begleitet sie während ihrer letzten drei Lebensjahre mittels Filmausschnitten und parallel montierten Bildern und Gesprächen mit Kollegen und Wegbegleitern.

JENNY GRÖLLMANN. Fotografische Erinnerungen