Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
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Asta Nielsen

21. August - 11. Oktober 1992
Der Name Asta Nielsen ist untrennbar verbunden mit der Geburtsstunde des Films: Die schlanke, dunkeläugige Dänin (1881 - 1972) hatte 1910 mit ihrem ersten Film für großes Aufsehen gesorgt und stieg bald zum ersten europäischen Star auf. Ihre Karriere begann auf dem Filmgelände in Babelsberg, wo sie für die Bioscop vor der Kamera stand. Zum 20. Todestag der dänischen Schauspielerin und Produzentin widmete ihr das Filmmuseum eine umfangreiche Personalausstellung, für die Zeugnisse ihrer Filmarbeit und zahlreiche, zum Teil bis dahin unbekannte persönliche Hinterlassenschaften zusammengetragen wurden.
Kuratorin: Elke Schieber (FMP), Renate Seydel (Berlin)
Gestaltung und Plakat: Gerhard Willmanowski (Berlin)
Ausstellungsfotos folgen.
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Asta Nielsen war mehr als eine große Künstlerin. Sie war die erste Diva des Films und die erste große Filmschauspielerin, die verehrt wurde wie später Marilyn Monroe und Brigitte Bardot.
Geboren in Kopenhagen, aufgewachsen in einer armseligen Hinterhofwohnung in Malmö, wo sie ihre Kindheit verlebte, ging sie als Schauspielschülerin ans Königliche Theater in Kopenhagen und erhielt ihre ersten Engagements am Dagmar-Theater und am Neuen Theater.
1910 begann Asta Nielsen ihre Arbeit am neu entstehenden Medium Film. In ihrer Glanzzeit in Deutschland drehte sie mehrere Jahre lang fast monatlich einen Film. Binnen kurzem wurde sie - "die Asta" - berühmt und angebetet wie ein Idol. Die Begeisterungswelle dauerte zwanzig Jahre und erfasste ganz Europa. Sie beschränkte sich nicht nur auf das anonyme Kinopublikum - Asta Nielsen wurde von namhaften Künstlern und anderen Persönlichkeiten bewundert und gefeiert.
In ihren produktiven Arbeitsjahren in Deutschland gründete Asta Nielsen eine eigene Produktionsfirma. In den zwanziger Jahren entstanden so berühmte Filme wie "Hamlet", "Fräulein Julie", "Rausch", "Absturz", "Dirnentragödie", "Freudlose Gasse" - in Zusammenarbeit mit großen Regisseuren wie Ernst Lubitsch, G. W. Pabst und Leopold Jessner, mit den Schauspielerkollegen Albert Bassermann, Käthe Dorsch, Greta Garbo, Eduard von Winterstein, Henny Porten, Adele Sandrock, Alexander Granach. Von 1926 bis 1930 glänzte sie in ihrer Paraderolle auf Theater-Tourneen mit der "Kameliendame". Ihre Ferien verlebte Asta Nielsen in ihrem Sommerhaus "Karussel" auf der Insel Hiddensee oder in ihrem Heimatland Dänemark.
Mit Beginn der Naziherrschaft brach ihre Karriere in Deutschland abrupt ab. 1936 ging sie nach Dänemark zurück, obwohl man ihr die Gründung einer eigenen Filmgesellschaft in Deutschland wiederholt angetragen hatte.
Asta Nielsen schrieb 1945 ihre Lebenserinnerungen "Die schweigende Muse".
Nur einmal noch stand sie auf einer dänischen Bühne und widmete sich bald einer neuen fantasievollen Tätigkeit: der Anfertigung von Stoffcollagen aus ihren alten Stummfilm-Kostümen.
Mit 90 Jahren hatte Asta Nielsen im Mai 1972 in Kopenhagen ein Leben vollendet, das in armseligen Hinterhäusern begonnen hatte, ein umglänztes, üppiges, vergöttertes und zärtliches Leben, ein Leben in Reichtum und Überfluss, das erfüllt war von harter Arbeit, echten Abenteuern, von Freundschaft und Liebe, gekrönt von einem beispiellosen künstlerischen Erfolg. In ihren Filmen verkörperte sie den Reiz des Verbotenen, den Glanz des Mondänen, die Lockungen der Gesetzlosigkeit als auch Wonnen und Fluch zügelloser Leidenschaften. Ihr Name ist untrennbar mit der Geburtsstunde und dem Triumphzug des Films verbunden.