Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Abschied

Egon Günthers Stationen auf dem Weg in den Regie-Olymp der DEFA sind für Leute seiner Generation eher unspektakulär: Die Schlosserlehre bewahrt den 1927 geborenen Arbeitersohn nicht vor der Wehrmacht. Nach Kriegsgefangenschaft und Flucht wird er Neulehrer, studiert in Leipzig Pädagogik, Germanistik, Philosophie (bei Ernst Bloch). 1958 geht er als Dramaturg und Szenarist zur DEFA. 1964 bekommt er mit "Lots Weib" die Chance für sein Debüt und gehört seither zu jenen Regisseuren, deren Filme sich durch Konfliktorientierung, formale Innovation, insbesondere Bildverfremdung auszeichnen. Trotz wiederholter Eingriffe in seine Arbeiten verfilmt er Gegenwartsstoffe (u.a. "Der Dritte", "Die Schlüssel"), adaptiert literarische Vorlagen (so J. R. Bechers "Abschied", der sofort aus den Kinos genommen wird), A. Zweig, Th. Mann und J. W. v. Goethe. Nachdem die erste Koproduktion mit dem Schweizer Fernsehen, "Ursula", von den Medien totgeschwiegen wird, arbeitet Günther ab 1979 fürs westdeutsche Fernsehen (u.a. "Exil", "Morenga"). 1991 dreht er bei der untergehenden DEFA "Stein", ein geniales Requiem auf die verspielten Chancen der DDR. 1998 entsteht "Die Braut" über eine große Liebe zwischen Christiane Vulpius und Goethe. Für sein Nietzsche-Projekt findet sich kein Produzent, für "Unkenrufe" fehlt das Geld. Günther sarkastisch: "Heute redet mir überhaupt keiner mehr in meine Filme herein, weil ich keine machen darf."

Zum 80. Geburtstag von Egon Günther